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21.02.2013

06:37 Uhr

Playstation 4

Dieser Knüppel ist Sonys Hoffnung

VonAxel Postinett

Mit der nächsten Generation der Spielekonsole Playstation will der japanische Elektronik-Konzern zu alter Stärke zurückfinden. Zum Weihnachtsgeschäft soll das Gerät erhältlich sein. Doch Beobachter sind skeptisch.

Sonys Hoffnungsträger

So sieht die neue Playstation 4 aus

Sonys Hoffnungsträger: So sieht die neue Playstation 4 aus

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New YorkSony wagt den radikalen Bruch mit der Vergangenheit. Die kommende Playstation 4 soll nicht nur die Spielesparte des japanischen Elektronikriesen wiederbeleben. Die integrierte Entertainment-Plattform soll nach dem Willen des jungen Konzernchefs Kazuo Hirai den taumelnden Elektronikriesen wieder in die Top-Liga der Elektronik-Konzerne zurückführen und zu einer Macht in der Welt des Social Internets machen will. Aber bei der gestern Abend in New York mit großem Aufwand betriebenen Präsentation blieb es bei großen Worten und vielen Versprechungen.

„Wir sind stolz, die Playstation 4 vorzustellen“, bemühte sich Sony-Top-Manager Andrew House die Stimmung im voll besetzten Saal des Hammerstein Theaters in New York anzuheizen.

Das Steuergerät der Playstation 4. PR

Das Steuergerät der Playstation 4.

Der Vorhang hob sich und es erschien: Nichts. Noch existiert Sonys wichtigstes Produkt des laufenden Jahres nur in den Köpfen der Manager und in Hardware-Simulationen. Erst am Ende verkündete ein eingeblendeter Schriftzug: „PS4 – kommt Weihnachten 2013.“

Dabei sind die Probleme groß und Sony weiß es: „Das Wohnzimmer ist nicht mehr der Mittelpunkt des Spieleerlebnisses“, räumt der Präsident der Spielesparte von Sony ein. Smartphones und Tables haben sich ihren Platz im Markt erobert und nagen an der Verkaufszahlen der teuren Wohnzimmerkonsolen wie Playstation oder der Xbox 360 des Konkurrenten Microsoft. Dabei Sony braucht einen Erfolg dringend. Denn auch in anderen Sparten läuft es für den einst erfolgsverwöhnten Konzern nicht gut: So war Sony bei Fernsehern früher Weltspitze, heute macht das Geschäft den Japanern schwere Sorgen.

Geschichte der Playstation

1994

Im Dezember 1994 begann in Japan die Geschichte der Playstation. Der Gegner hieß Sega und Sony hatte es sich zum Ziel gesetzt, den Marktführer zu entthronen. Die Aufgabe fiel dem jungen Hardwareingenieur Ken Kutaragi zu. Ironischerweise war die Playstation ursprünglich als Kooperation mit Nintendo geplant, heute einer der schärfsten Gegner. Doch noch vor dem Verkaufsstart der Playstation zerbrach die Allianz. Sony hatte Glück und setzte auf das richtige Medium: die noch relativ junge CD als Medienträger. Der Erfolg der Playstation überraschte selbst die Gründer: Nach fast zehn Jahren war sie nicht nur unumstrittener Weltmarktführer, sondern verkaufte als erste Spielekonsole überhaupt mehr als 100 Millionen Stück.

2000

Im Jahr 2000 kam der Nachfolger Playstation 2 hinzu. Sonys Macht auf dem Gamingsektor erreichte seinen Zenit. In fast der Hälfte der Zeit des Vorgängers, fünf Jahren und neuen Monaten, war die magische Verkaufszahl von 100 Millionen Stück erreicht. Die Konkurrenz lag am Boden, Sega war zerstört, Nintendo angeschlagen und der Neuling Microsoft fasste kaum Fuß.

2006

Ende 2006 plante Kutaragi, mittlerweile einer der mächtigsten Männer im Konzern, nicht weniger als den Generalangriff auf die Computerindustrie. Die Playstation 3, mit einem eigens entwickelten superschnellen Cell-Prozessor, sollte eine neue Generation des Computerns einläuten. Doch die Rechnung ging nicht auf. Die Konsole kam zuerst verspätet, dann war sie zu teuer und Nintendo landete mit seiner innovativen Konsole „Wii“ einen Überraschungscoup. Die neue Konkurrenz von Microsofts Xbox 360 machte den Japanern im US-Mark das Leben schwer. Smartphones und Tablet-PC ließen die Verkäufe der Handheld-Konsolen PSP und Vita einbrechen.

2013

Die Playstation 3 hinkt dem Erfolg der Vorgänger hinterher. Ende 2012, nach gut sechs Jahren, waren erst rund 80 Millionen der mit einem Blu-Ray-Laufwerkausgestatteten Konsole verkauft. Die Playstation-Sparte entwickelte sich für Sony von einer Goldgrube zum Verlustbringer. Kutaragi musste Mitte 2007 gehen, der heutige Konzern-CEO Kazuo Hirai übernahm die Sanierungsarbeiten, senkte die Produktions- und Entwicklungskosten der Playstation 4. Ab dem Weihnachtsgeschäft 2013 soll die neue Version erhältlich sein – doch ob der Markt der Spielekonsolen noch einmal so einträglich sein wird, wie in vergangenen Tagen, ist ungewiss.

Die Playstation war der Erfolgsschlager von Sony. Das erste und zweite Modell verkaufte sich jeweils mehr als 100 Millionen Mal, Sony setzte Milliarden mit ihnen um. Die Geräte waren mit Abstand Marktführer. Doch die 2006 eingeführte Playstation 3 kämpfte zeitlebens mit Problemen: Nintendo hatte mit der WII ein echtes Konkurrenzmodell auf den Markt gebracht, die Verkäufe gingen zurück, die Sparte rutschte in die Verlustzone.

Kommentare (6)

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21.02.2013, 12:24 Uhr

Liebe Handelsblatt Redaktion,

wenn es aber um die Gaming Industrie geht verrennt ihr euch nach und nach. Ja, Mobile Gaming hat hohe Wachstumszahlen und erzielt vereinzelt hohe Gewinne. Das liegt aber daran, dass sich der Gaming Markt immer weiter neuen Kundengruppen öffnet. So kann man grob zwei Kundengruppen unterscheiden. Casual und Hardcore Gamer.

Casual Gamer spielen Spiele nebenbei und vermehrt in eher kurzen Sessions. Casual Games sind eher kleine Spiele, technisch nicht besonders anspruchsvolle Puzzles und Simulationen. Solche Spiele spielt man kurz mal zwischendurch auf einem mobilen Endgerät.

Hardcore Games sind die Premium Produkte auf Konsolen und Computern, deren technische Komplexität, Spielmechaniken und Umfang in einer ganz anderen Liga spielen als Casual Games. Casual und Hardcore Games sind somit strategische Gruppen die nicht direkt miteinander konkurrieren. Hardcore Gamer spielen gezielt komplexe Spiele.

Mobile Games werden das nicht ändern. Sicherlich kaufen auch Hardcore Gamer Mobile Games um unterwegs zwischendurch etwas zu daddeln,aber das heißt nicht das sie deswegen keine Hardcore Games mehr kaufen. Hier findet eher ein sowohl-als-auch statt. Fakt ist schließlich dass mobile Endgeräte noch lange nicht an die Spiele von Konsolen wegen ihren Steuerungselementen und technischen Begrenzungen anschließen können. Ehemalige Konsolenspieler werden nicht einfach nur noch mobil spielen, dafür ist die Qualität des Spielerlebnises noch zu weit hinter Konsolen und PCs. Ganz vereinfacht ausgedrückt: Die Spieler die in den vergangenen Jahrzehnten zu Konsolen Spielern heranwuchsen und Premiumspiele gewohnt sind fahren sozusagen einen Porsche. Nun ist ein interessanter Kleinwagen zum erschwinglichen Preis auf dem Markt erschienen. Das Fahrerlebnis ist jedoch nicht vergleichbar mit dem Porsches. So wird ein Zweitwagen angeschafft der situationsbedingt sehr nützlich ist, der große Fahrspaß steckt aber im Porsche...

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21.02.2013, 12:46 Uhr

Vielen Dank für diesen Kommentar.
Einfach erfrischend und sehr zutreffend.

Account gelöscht!

21.02.2013, 12:53 Uhr

Um das noch zu Ende zu bringen:
Es gibt sicherlich momentan so manche Unsicherheiten im Videospiele-Markt. Inbesondere bei der Wahl der Geschäftsmodelle (hier wachsen vermehrt neue Alternativen heran) und bei der Distribution (wann wird nur noch digital distribuiert?).
Hinzu kommt das Industriegrößen, wie z.B. Sony, in den vergangenen Jahren erschreckende Fehlentscheidungen trafen (wen wundert es das die Vita floppte, was reitet ein Unternehmen dazu in der Hype-Phase von Mobile-Gaming mobilen Geräte mit einem Handheld konkurrieren zu wollen?). Hinzu kommt dass die Konsolenhersteller meinten sie könnten mit ihren Motion Capture Technologien den Lebenszyklus der aktuellen Generationen erhöhen. Das hat sich als schwerwiegender Fehler herausgestellt (Grund: Motion Capture Konzepte eignen sich primär für Casual Games, die Kunden von MS und Sony sind jedoch Hardcore Spieler. s.o.) Nun ist die aktuelle Konsolengeneration zu lange auf dem markt und der Hype flaute ab, während ein Hype um Mobile Games entstand.
Anleger haben widerrum oft wenig Verständnis für das Gefüge des Videospielmarktes und hangeln sich daher rein an Kennzahlen durch das Thema, und ja momentan sind die mobilen Zahlen beeindruckend. Hinzu kommen dann noch Zitate von Leuten aus der mobilen Industrie, die natürlich Hardcore Games tot reden...

Die viel interessantere Frage ist aber die nach der Zukunft der Konsolen. Der technische Fortschritt zwingt schließlich die Frage auf, ob es sich bei der neuen Konsolengeneration nicht tatsächlich um die letzte handeln wird. Gaikai (Sony Cloud) hat es gestern ironischerweise vorgemacht, Cloud-Gaming Plattformen hätten durchaus das Potenzial klassische Konsolen zu substituieren sollte es die Entwicklung der Breitband-Netze zukünftig erlauben, durch digitale Distribution eröffnen sich viele neue Wege...

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