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17.05.2011

14:35 Uhr

Playstation-Desaster

Sony kauft sich Vertrauen zurück

VonMarvin Milatz

Wochenlang hat Sony sein Playstation-Netzwerk wegen Datenklaus geschlossen. Nun will man 70 Millionen Kunden besänftigen – mit fragwürdigen Maßnahmen.

... Millionen Kunden will Sony mit Gratisspielen entschädigen.

... Millionen Kunden will Sony mit Gratisspielen entschädigen.

Nach dem Datenklau bei Sonys Playstation-Online-Netzwerk sollen 70 Millionen betroffene Kunden mit Gratisspielen und Mitgliedschaften entschädigt werden. Registrierte Mitglieder können nach dem Relaunch der Homepage zwei Spiele für ihren Daddelkasten herunterladen. Und noch mal zwei, wenn sie auch eine Playstation Portable besitzen. Die angebotenen Spieltitel haben allerdings nur einen Ladenpreis von maximal 25 Euro pro Stück, gehören also längst nicht zu den Luxusspielen, für die Zocker bereit sind, weit mehr als das Doppelte zu zahlen.

Die Gratis-Spiele-Kampagne dürfte denn auch eher eine Marketingaktion als eine demütige Entschuldigung zu sein. Um die 2,8 Mrd. Euro würde die Aktion Sony kosten, sollte jeder der 70 Millionen Nutzer wirklich zwei Titel gratis runterladen statt die zu kaufen. Andererseits schätzt das auf IT-Sicherheit spezialisierte Ponemon Insitute, dass durch jeden gestohlenen Datensatz ein Schaden von 214 US-Dollar entstanden sein könnte. Haben die Datendiebe sämtliche Kunden ausspioniert, die Sony nun mit großer Gratisgeste besänftigen will, dann hieße das: der Schaden wäre fast 15 Mrd. Dollar groß. Damit verglichen sind ein paar Gratisspiele nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Schadensersatz bei Datenklau kann Unternehmen tatsächlich teuer zu stehen kommen: So erstritt ein deutscher Steuersünder, der durch eine Daten-CD an den Fiskus aufgeflogen war, im vergangenen Jahr 7,3 Millionen Euro Schadenersatz von seiner Bank in Liechtenstein. Die hatte ihn offenbar zu spät über den Datendiebstahl informiert. Und auf der Diskette waren nur wenige hundert Namen gespeichert.

So groß wird der Schaden nicht sein, den die Diebe der Sony-Spielerdaten anrichten können. Trotzdem ist die ist die Geschenk-Aktion des Konzerns eher eine vertrauensbildende Maßnahme als eine echte Entschädigung. Und Vertrauensbildung hat das Unternehmen wohl dringend nötig. Denn der Wettbewerb auf dem Spielkonsolen-Markt ist hart. Microsoft und Nintendo bieten ähnliche Dienste an, und sie sind mehr als willig, enttäuschte Playstation-Fans abzuwerben. Das Microsoft Netzwerk Xbox live etwa zählt bereits 25 Millionen Nutzer. Und Nintendo plant eine neue Konsole mit Online-Anbindung für 2012. Da kämen 70 Millionen verärgerte Sony-Spieler gerade recht.

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