Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.09.2016

20:00 Uhr

„Pokémon Go“

Monster-Fieber sorgt für neue Realitäten

VonChristof Kerkmann, Alexander Möthe

500 Millionen Mal wurde die Pokémon Go-App bisher heruntergeladen. Auch wenn der Hype abkühlt: Für die Technologie „Augmented Reality“ war er Türöffner. Und die Erfolgsgeschichte dürfte in jeder Hinsicht weitergehen.

Der Hype stockt, ist aber noch nicht vorbei. Und ist Türöffner für neue Technologie. dpa

Pokémon Go und kein Ende

Der Hype stockt, ist aber noch nicht vorbei. Und ist Türöffner für neue Technologie.

DüsseldorfWar es das schon mit dem Pokémon-Hype? Zwölf Millionen Nutzer hat die Smartphone-App „Pokémon Go“ seit ihrer furiosen Startphase im Juli verloren. Von 45 Millionen Nutzern, so sagen es Branchendienste und stützen sich dabei auf Datenerhebungen der Nachrichtenagentur Bloomberg, sind noch knapp über 30 Millionen User aktiv dabei. Auch die Neukundengewinnung, sprich, die Downloadzahlen, ist demnach rückläufig.

Und auch im Stadtbild sind die Heerscharen von auf ihr Handy starrenden Pokémon-Jägern längst keine Auffälligkeit mehr. Mit Ende der Sommerferien fehlt auch vielen Schülern die Zeit, sich so ausführlich wie zu Beginn mit dem Spiel zu beschäftigen. Auf der Düsseldorfer Königsallee ist inzwischen an der Girardet-Brücke Deutschlands wohl bekanntester Pokémon-Treff geräumt. Zwar treffen sich dort in den Abendstunden immer noch Dutzende, doch die Stadt hat sich inzwischen dazu entschlossen, die Poké-Stops entfernen zu lassen. Die Festivalstimmung der Sommerferien – sie passt nicht mehr auf die Luxusmeile, deren Kunden von Beginn an nichts mit der Jugend anfangen konnte, die, so ein Wortlaut, „im Dreck herumsitzt“.

Pokémon GO: Kleine Kampf-Monster erobern die Welt

Das Spiel

„Pokémon“, kurz für „Pocket Monster“, tragen seltsame Namen wie Pikachu, Traumato oder Magnetilo, kämpfen gern gegeneinander und haben eine gewaltige weltweite Fangemeinde.

1. Wieso scheint die ganze Welt auf einmal nach „Pokémon“ verrückt zu sein?

Es ist das erste Mal, dass man „Pokémon“ auf dem Smartphone spielen kann. Der japanische Spiele-Anbieter Nintendo brachte die beliebten Figuren bisher nur in Games für die hauseigenen Konsolen heraus. Inzwischen jedoch wechseln immer mehr Spieler auf Smartphones und Nintendo konnte diesen Trend nicht mehr ignorieren.

2. Was sind „Pokémon“ überhaupt und worum geht es bei dem Spiel?

„Pokémon“ ist eine Wortbildung aus „Pocket Monster“ - Taschenmonster. Zum ersten Mal tauchten sie 1996 in einem Spiel in Japan auf. Die „Pokémon“ sind darauf versessen, gegeneinander zu kämpfen. Der Spieler fängt sie als „Pokémon-Trainer“ mit Hilfe weiß-roter Bälle ein und bildet sie aus. Im „Pokémon“-Universum gibt es mehr als 700 Figuren. Die beliebteste dürfte „Pikachu“ sein - ein kleines gelbes Monster mit einem Schwanz in der Form eines Blitzes. Neben den Videospielen blüht ein gewaltiges Geschäft mit Sammelkarten und allen möglichen anderen Fanartikeln von Plüschfiguren bis Brotdosen.

3. Was ist das besondere an dem Smartphone-Game?

Im Grunde geht es auch hier darum, „Pokémon“ zu fangen und dann gegeneinander antreten zu lassen. Der Clou ist jedoch die Standort-Erkennung (GPS) auf dem Smartphone. Die „Pokémon“ verstecken sich an verschiedenen Orten – und ein Spieler sieht sie nur, wenn er in der Nähe ist. Dann werden die Figuren auf dem Display des Telefons in die echte Umgebung eingeblendet („Augmented Reality“). In den USA, Neuseeland und Australien sammelten sich schon große Menschenmengen an Orten mit populären „Pokémon“ an. Die kleinen Monster reagieren auf die virtuelle Umgebung: So tauchen Wasser-Pokémon besonders häufig in der Nähe von Flüssen oder Seen auf.

4. Wer steckt hinter dem Spiel?

Es wurde gemeinsam entwickelt von der Nintendo-Beteiligung Pokémon Company und der ehemaligen Google-Tochter Niantic Labs. Letztere hatte unter dem Dach des Internet-Konzerns das ebenfalls auf Ortungsdaten basierte Spiel „Ingress“ programmiert. In ihm kämpfen zwei Lager um virtuelle Portale, die an verschiedenen Orten platziert wurden.

Doch auch wenn die Nutzerzahlen sinken und der große Rummel abebbt: gestorben ist das Spiel damit noch lange nicht. Für die App-Hersteller, die Nintendo-Beteiligung „The Pokémon Company“ und die Google-Ausgründung „Niantec“ hat sich das Spiel schon jetzt mehr als rentiert.

Niantec präsentierte diese Woche das erste Mal konkrete Zahlen zur App. Bisher zog es das Unternehmen vor, keinerlei Daten zu nennen. Doch im Rahmen der Vorstellung des neuen iPhone durfte Niantec-Chef John Hanke zu Protokoll geben, dass Pokémon Go inzwischen eine halbe Milliarde Mal heruntergeladen wurde. Zur schnellen Einordnung: Ja, das ist verdammt viel. Keine Angaben machte Hanke dazu, wie viele Spieler bei „Pokémon Go“ aktiv seien. Er gab lediglich an, dass sie 4,6 Milliarden Kilometer mit eingeschalteter App zurückgelegt hätten. Eine völlig substanzlose Zahl, wenn man das Geschäftliche betrachtet.

Doch es zeigt: Die Nutzerbasis ist breit, und das größte Pfund ist und bleibt die Pokémon-Lizenz. Die kleinen Fantasiegeschöpfe, die seit rund 20 Jahren die Sammelwut vor allem von jungen Spielern anregen und sich für den japanischen Elektronikkonzern Nintendo in der Vergangenheit als Geldmaschine erwiesen haben, sind erfolgreich in der aktuellen Gamer-Generation angekommen.

Hype ums Smartphone-Spiel: Was die Pokémon-Jäger antreibt

Hype ums Smartphone-Spiel

Was die Pokémon-Jäger antreibt

Ist der Hype um die Monsterjagd schon wieder vorbei? Noch nicht, aber das Ende des Pokémon-Hypes ist absehbar, sagen Forscher. Die Spieler bekommen nicht das, was sie wollen – und der kindliche Zauber verfliegt.

Doch unabhängig vom weiteren Erfolg der App hat Pokémon Go vor allem ein Schlaglicht auf zukünftige Entwicklungen geworfen. So bleibt das Erlösmodell Niantecs nach wie vor unkommentiert. Auf der technischen Seite zeigte sich, dass das deutsche 4G-Netz dringend eine weitere Ausbaustufe benötigt.

Vor allem zeigte der Erfolg, den das simple Spielprinzip auf Basis von Googles Kartendienst „Maps“ erreicht hat, dass das Thema „Augmented Reality“, die Verknüpfung von Anwendungen mit realen Geodaten und Kamerabildern, inzwischen ausgereift ist und auf fruchtbaren Boden fällt. Ortsbezogene Spiele könnten ein Trend werden, der angesichts gesponserter Inhalte von Restaurants oder Einzelhändlern auch ein attraktives Geschäftsmodell verspricht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×