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06.11.2014

05:01 Uhr

Politiker befürchten Cyberattacken

Sorge um Deutschlands größten Internet-Knoten

VonDietmar Neuerer

ExklusivFrankfurt am Main ist nicht nur ein regionaler Datenumschlagplatz, sondern quasi die Welthauptstadt des Internets. Das könnte Cyberterroristen auf den Plan rufen, befürchten Politiker und warnen vor den Folgen.

DE-CIX-Rechenzentrum in Frankfurt am Main: Das Internet passt in vier Schränke, jeder zwei Meter hoch, einen halben Meter breit und verbunden mit einem Bündel gelber Glasfaserkabel. ap

DE-CIX-Rechenzentrum in Frankfurt am Main: Das Internet passt in vier Schränke, jeder zwei Meter hoch, einen halben Meter breit und verbunden mit einem Bündel gelber Glasfaserkabel.

BerlinPolitiker von Union und SPD befürchten, dass auch kritische Infrastrukturen in Deutschland wie der große Internetknoten in Frankfurt ins Visier von Cyberterroristen geraten könnten. „Von einer wachsenden Bedrohung von Cyberangriffen auf Betriebe der kritischen Infrastrukturen müssen wir ausgehen“, sagte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Hiergegen müssen wir uns schützen, um die Funktionsfähigkeit der kritischen Infrastrukturen sowie die Sicherheit der Daten der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.“

Gerade vor dem Hintergrund einer sich ständig wandelnden Bedrohungslage, müsse man „äußerst wachsam“ sein, betonte der Minister. Beuth sagte jedoch auch: „Angriffe sind nicht zu vermeiden, ihre Abwehr ist alltägliche Praxis und eine ständige Herausforderung.“ Die Betreiber kritischer Infrastrukturen nähmen die wachsende Cyber-Bedrohung aber „sehr ernst und gehen damit auch verantwortungsvoll um“.

„Der Internetknoten in Frankfurt ist sicher ein ganz zentraler Punkt, der bestens geschützt werden muss“, unterstrich der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagfraktion, Thomas Strobl, im Gespräch mit dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Der Schutz des Knotens wie der gesamten Netze in Deutschland sei aber Aufgabe der privaten Betreiber. „Der Staat kann hier mit seiner Expertise in Sicherheitsfragen unterstützen.“

Wofür steht Big Data?

Der Hype um die Daten

Unter Big Data versteht man Technologie zur Verknüpfung und Auswertung riesiger Datenmengen. Ziel ist es, neue Erkenntnisse zu gewinnen – etwa welche Produkte einem Kunden gefallen oder wo unentschlossene Wähler wohnen.

Riese Datenmengen

Das Datenaufkommen verdoppelt sich ungefähr alle zwei Jahre. Viele der Informationen erzeugen nicht Menschen, sondern Maschinen – beispielsweise Smartphones, intelligente Stromzähler oder Autos. Gerade Bewegungsdaten sind fürs Marketing relevant.

Vielfältige Quellen

Big Data bedeutet auch: Es werden Daten aus verschiedensten Quellen miteinander verknüpft und zu einem Profil verschmolzen. Marketing-Experten setzen beispielsweise auf klassische Kundendatenbanken, Bewegungsdaten von Smartphones sowie Informationen aus Sozialen Netzwerken. Auch die Wettervorhersage kann nützlich sein, um bestimmte Produkte zu verkaufen.

Ergebnisse in Echtzeit

Besonderen Reiz gewinnt Big-Data-Technologie durch ihre Geschwindigkeit: In vielen Fällen spucken die Superrechner die Ergebnisse in Echtzeit aus, oder sie beschleunigen zumindest die Berechnungen im Vergleich zu herkömmlichen Technologien deutlich.

Korrelation statt Kausalität

Big Data führt zu einer Veränderung im Denken: Wer große Datenmengen auswertet, kann statistische Zusammenhänge entdecken, ohne die Gründe dafür zu verstehen – Korrelation statt Kausalität. Das könnte langfristig verändern, wie wir Menschen Probleme lösen.

Strobl und Beuth reagierten damit auf Äußerungen des Chefs der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Dieser hatte im Interview mit dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) am Dienstag gesagt: „Wenn der große Internetknoten in Frankfurt für ein paar Stunden ohne Strom wäre, würde die gesamte europäische Banken-Industrie lahmgelegt.“ Es müsse damit gerechnet werden, „dass Gruppen, die ohnehin internetaffin sind, offensive Mittel der Cybertechnologie anwenden und ihren Gegnern Schaden zufügen“.

Die Sorge ist nicht unbegründet, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Frankfurt inzwischen als „Welthauptstadt des Internets“ gilt.

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