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11.12.2013

17:50 Uhr

PR-Desaster

Das verschmorte Samsung-Smartphone

VonTill Simon Nagel

Um sein Samsung-Smartphone ersetzt zu bekommen, soll ein Kanadier erst eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Millionen von YoutubeNutzern haben die Beweisfilme über den Schmorschaden aber schon im Netz gesehen.

Samsung Telefon angeschmort. Richard Wygand on Facebook

Das Samsung Galaxy S4 des Kanadiers. Der Ladeanschluss ist verschmort und angeschmolzen.

DüsseldorfManchmal fangen Mobiltelefone Feuer. Das ist ärgerlich, aber angesichts der Masse an verkauften Geräten und der Komplexität der Taschencomputer, kommt so etwas gelegentlich vor. Für die Hersteller wäre es an dieser Stelle wohl das Klügste, jeden Einzelfall zu untersuchen, den Fehler abzustellen und dem betroffenen Kunden auf Kulanz ein neues Telefon zukommen zu lassen.

Für den südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung ist das gerade gehörig schiefgegangen. Schuld daran ist aber nicht etwa der erboste Kunde, sondern der Versuch des Konzerns, die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren und erst nach Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung ein Ersatztelefon herauszurücken.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Der Smartphone-Markt wuchs 2013 rasant: Die Hersteller setzten laut dem Marktforscher Gartner 968 Millionen Geräte ab, ein Plus von 42,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verkauften die Unternehmen 1,8 Milliarden Mobiltelefone, also erstmals mehr Smartphones als einfache Handys.

Samsung

Nach Stückzahlen ist inzwischen Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Gartner 300 Millionen Computer-Handys. Damit kam fast jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung, wobei der Marktanteil leicht sank. Insgesamt setzte der Konzern 444 Millionen Handys ab.

Apple

Apple war 2013 mit knapp 151 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei im Smartphone-Markt, der Marktanteil rutschte jedoch auf 15,6 Prozent ab.

LG

Fast gleichauf mit Huawei war LG Electronics. Der südkoreanische Hersteller verkaufte rund 46 Millionen Smartphones und verdoppelte fast damit den Absatz, der Markanteil liegt nun bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 69 Millionen Geräte (3,8 Prozent Marktanteil).

Lenovo

Lenovo ist bislang vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte 2013 knapp 44 Millionen Smartphones (4,5 Prozent Marktanteil). Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern aber den Absatz künftig deutlich steigern.

ZTE

ZTE verkaufte im zweiten Quartal 10,1 Millionen Smartphones, ein deutliches Plus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil liegt bei 4,2 Prozent. Insgesamt setzte der chinesische Hersteller 15,3 Millionen Handys ab.

Nokia

Nokia war 2013 mit 250 Millionen Geräten und 13,9 Prozent Marktanteil immer noch der zweitgrößte Handyhersteller, verlor aber weiter an Boden. Im lukrativen Smartphone-Markt läuft das Unternehmen unter „ferner liefen“. Die Gerätesparte übernimmt Microsoft.

Sonstige

Viele Unternehmen mit klangvollen Namen haben derzeit weniger als 4 Prozent Marktanteil, darunter Sony, HTC und Blackberry.

Der Kanadier Richard Wygand lädt normalerweise unter dem Pseudonym „ghostlyrich“ nur Videos von seinen Autobastelaktionen auf seinem Youtobe-Kanal ins Netz. Doch vor einigen Tagen war er über Nacht zu Besuch bei einem Freund. Als er mitten in der Nacht aus dem Schlaf erwachte, roch es auf einmal nach Rauch. Die Ursache fand er im Schlafzimmer seines Freundes. Dort hing ein Samsung Galaxy S4-Smartphone am Ladestrom und hatte einen „Meltdown“ (Kernschmelze), wie Wygand es Handelsblatt Online beschreibt.

Rund um den Ladestecker war das Telefon angeschmort und geschmolzen. Der Telefoneigentümer kontaktierte Samsung und forderte ein Ersatzgerät für das angeschmorte Telefon. Als Beweis für den Defekt drehten Wygand und sein Freund ein Video und luden es auf der Videoplattform Youtube hoch.

Die Antwort von Samsung Kanada verblüffte die beiden Männer. Statt Kundenservice gab es nämlich ein Schreiben vom Anwalt. Der Inhalt lautete zusammengefasst: Lösche das Video, sprich mit niemandem über die Angelegenheit und verzichte auf alle Schadensersatzansprüche – erst dann gibt es ein neues Telefon.

Kommentare (13)

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so-isses

11.12.2013, 18:52 Uhr

die maechtigen koreanische Konglomerate, auch Chaebols genannt, sind es gewohnt ungehindert in ihrer Heimat mit Ellenbogen-Taktik und Daumenschrauben den Kunden zu "ueberzeugen".
Noch nicht einmal die koreansche Regierung wagt es den Chaebols auf die Finger zu schlagen.
Warum sollen sich die Chaebols im Ausland anders benehmen?

mowe

11.12.2013, 19:40 Uhr

Das sieht Samsung ähnlich. Nicht nur bei Telefonen ist der Kundenservice unterirdisch, sondern das gleiche gilt für Notebooks! Nach nur knapp über einem Jahr hält mein Akku bei einem Samsung Ultrabook der Serie 9 gerade mal noch 1,5 Stunden. Samsung aber weigert sich vehement mir diesen zu ersetzen. Das war das letzte Mal, dass ich irgendein Produkt von Samsung gekauft habe!

wolfskralle

12.12.2013, 08:04 Uhr

SUPERWERBUNG - weiter so!! Da ist ein smartphone-süchtiges Hirn abgebrannt!

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