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18.06.2014

07:05 Uhr

Präsentation am Mittwochabend?

Amazon könnte sein erstes Smartphone vorstellen

Für Mittwochabend hat Amazon zur Vorstellung von Neuheiten geladen – und wird dabei offenbar sein erstes Smartphone präsentieren. Medien spekulieren über die Ausstattung, das Gerät soll über eine 3D-Kamera verfügen.

Amazon-Logo auf dem iPhone von Apple: Das Online-Kaufhaus könnte am Mittwoch ein eigenes Smartphone präsentieren. dpa

Amazon-Logo auf dem iPhone von Apple: Das Online-Kaufhaus könnte am Mittwoch ein eigenes Smartphone präsentieren.

SeattleVom weltgrößten Online-Händler Amazon wird am Mittwoch die Präsentation seinen ersten Smartphones erwartet. Der Konzern lud für Mittwochabend europäischer Zeit zu einer Neuheiten-Vorstellung in Seattle ein. Laut Medienberichten will Amazon ein Smartphone zeigen, das unter anderem dank einem ausgeklügelten Kamera-System 3D-Bilder ohne Bedarf an einer Spezialbrille anzeigen kann. Mit den Kameras soll das Gerät auch das Gesicht des Nutzers erkennen können.

In einem von Amazon ins Internet gestellten Video war für einen kurzen Augenblick bereits die Kante eines Geräts in Smartphone-Größe zu sehen. Das „Wall Street Journal“ berichtete am Dienstag, das Smartphone solle in den USA voraussichtlich Ende September auf den Markt kommen und exklusiv im Netz des Mobilfunk-Anbieters AT&T verfügbar sein. In Großbritannien verhandele Amazon mit Vodafone und O2, schrieb die „Financial Times“. Vodafone ist bereits der Partner für den Netzzugang von Amazons Kindle-Tablets und E-Book-Lesegeräten.

Mit einem Smartphone würde Amazon eine Lücke in seinem Geräte-Angebot schließen. Neben den Tablets gibt es bereits eine Box zum Anschluss an den Fernseher, über die man Filme und TV-Sendungen sowie spiele nutzen kann. Gerüchte über ein Amazon-Smartphone köcheln bereits seit einigen Jahren.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Der Smartphone-Markt ist allerdings hart umkämpft. Samsung ist der größte Anbieter mit rund einem Drittel der weltweit verkauften Geräte, Apples iPhone liegt bei etwa 15 Prozent. Damit wird nahezu die Hälfte des Marktes bereits von den beiden größten Anbietern besetzt, um den Rest ringt eine Vielzahl von Herstellern.

Bei den Betriebssystemen ist die Lage noch klarer: Die Google-Plattform Android deckt bis zu 80 Prozent des Marktes ab. Ein Amazon-Smartphone könnte - wie auch die Kindle-Tablets - mit einer modifizierten Android-Version laufen, die von Google-Diensten abgekoppelt ist.

Amazons Geräte-Chef David Limp hatte sich in einem Interview Ende April noch zurückhaltend zu Fragen nach den Smartphone-Plänen geäußert. „Apple mit seinem iPhone und Google mit dem Android-System versorgen den Smartphone-Markt derzeit sehr gut“, sagte er. Ein neuer Anbieter in dem Geschäft müsse den Nutzern einen spürbaren Mehrwert bieten. Das könnte im Fall von Amazon neben der 3D-Funktion zum Beispiel ein Inklusiv-Datenvolumen für Nutzer des Zusatzdienstes Prime sein.

Ein Computer-Handy wäre ein weiterer Kanal, über den Amazon Kunden an seine Dienste binden kann. Das Geschäftsmodell des Konzerns ist, die Geräte praktisch zum Produktionspreis an die Kunden abzugeben - und das Geld dann über den Verkauf von Inhalten zu verdienen.

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dpa

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