Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2010

07:10 Uhr

Preiskampf entfacht

Google-Partner mischt Handy-Markt auf

VonAxel Postinett

ExklusivDer Markt für Smartphones steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Der taiwanische Hersteller HTC, der auch das neue Google-Handy baut, attackiert mit preisgünstigen Internettelefonen die etablierte Konkurrenz und will den Massenmarkt erschließen. Weltmarktführer Nokia hat sich bereits gerüstet und kündigt Preissenkungen auf breiter Front an.

HTC-Handy: Der taiwanesische Hersteller fordert die etablierten Größen zum Preiskampf heraus. dpa

HTC-Handy: Der taiwanesische Hersteller fordert die etablierten Größen zum Preiskampf heraus.

DÜSSELDORF. Der Handy-Hersteller HTC aus Taiwan, der auch das neue Google-Handy baut, will mit preisgünstigen internetfähigen Handys aggressiv in den Massenmarkt einsteigen. Noch in diesem Frühjahr werde HTC erste Geräte präsentieren, kündigte Vorstandschef Peter Chou im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Das erste der Klasse, das HTC Smart, ist dieser Tage bereits auf der Elektronikshow CES in Las Vegas zu sehen gewesen. Diese Telefone würden „erheblich billiger sein als die heutigen Smartphones“, sagt Chou.

Der HTC-Vorstoß kann zu einer neuen Dynamik im Geschäft mit High-Tech-Handys führen. Das Wachstum bei einfachen Mobiltelefonen schwächt sich schon seit längerem ab, hingegen profitieren der US-Konzern Apple mit seinem iPhone und sein Rivale RIM mit dem Blackberry überdurchschnittlich vom Boom bei hochpreisigen Internettelefonen, die mehr als 500 Dollar kosten. In diesem Markt hat sich HTC, die bisher vorwiegend als Auftragsfertiger unterwegs waren, erste Sporen verdient: als Hersteller von Smartphones im Auftrag von Telekomkonzernen. Jüngst präsentierte Google den neuen Herausforderer Nexus One, ebenfalls ein Produkt aus dem Haus HTC.

Mit den Chinesen aus Taiwan stellt sich nun ein weiterer Wettbewerber direkt gegen Apple und RIM auf, fordert gleichzeitig aber auch Nokia heraus. Olli-Pekka Kallasvuo, CEO des finnischen Weltmarktführers, hatte bereits Anfang Dezember 2009 eine strategische Neuorientierung angekündigt. Auf der Hausmesse Nokia-World sagte er, man werde das durchschnittliche Preisniveau im Smartphonemarkt in diesem Jahr mit aggressiven Vorstößen nachhaltig senken und damit den Massenmarkt öffnen. Das dürfte die Businessmodelle von Hochpreisanbietern wie Apple empfindlich stören. „Wir haben Maßnahmen getroffen, die Preise für Smartphones stark zu senken und trotzdem unsere Profitabilität zu erhöhen“, warnte der Nokia-Chef.

Zwar machen die vergleichsweise teuren Smartphones noch immer nur etwa ein Fünftel des Gesamtmarkts für Mobiltelefone aus. Doch legen die Internettelefone das mit Abstand stärkste Wachstumstempo vor. Weltweit haben die Hersteller 2009 mehr als eine Milliarde Mobiltelefone verkauft, am Gesamtmarkt hält Nokia derzeit einen Anteil von rund 37 Prozent, wobei der Durchschnittspreis eines Nokia-Handys im dritten Quartal 2009 nur etwa 62 Euro betrug.

Wer mit Smartphones in diese Preisregionen kommt, dem steht theoretisch also ein Verkaufspotenzial von 800 Mio. Stück offen. „Das Smartphonegeschäft ist ein Geschäft der großen Zahlen“, sagt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. „Und die Softwareentwickler gehen dahin, wo die meisten Kunden sind.“

HTC-Chef Chou wollte im Gespräch mit dem Handelsblatt noch keine Preisspanne für die künftigen Geräte nennen. HTC wurde 1997 gegründet und setzte im vergangenen Jahr 4,45 Mrd. Dollar um. Das ist ein Minus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr, denn im Gegensatz zu Apple haben die Chinesen die Krise zu spüren bekommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×