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01.07.2011

07:47 Uhr

Pro-Sieben-Chef Ebeling

„Die Öffentlich-Rechtlichen müssen sich hinterfragen“

VonHans-Peter Siebenhaar, Joachim Hofer , Hans-Peter Siebenhaar

ExklusivEuropa wird Pro Sieben Sat 1 zu klein. Der Konzern drängt in Wachstumsmärkte wie Indien und China. Hans-Peter Siebenhaar und Joachim Hofer sprachen mit CEO Thomas Ebeling über die TV-Zukunft.

Der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat 1, Thomas Ebeling. Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat 1, Thomas Ebeling.

BerlinHandelsblatt: Herr Ebeling, ist Ihnen das Programm Ihrer Sender Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und Ihres Frauensenders Sixx eigentlich manchmal peinlich?
Thomas Ebeling: Nein, überhaupt nicht. Ich wünsche mir sogar, dass wir hin und wieder lauter wären. Wir wollen das Massenpublikum erreichen. Wir müssen uns nicht verstecken. Unsere tägliche Wissenschaftssendung "Galileo" auf Pro Sieben beispielsweise ist für junge Menschen oft der erste Zugang zur spannenden Welt von Forschung und Entwicklung. Da wird Privatfernsehen zum Weiterbildungsmedium. Die Privaten brauchen sich wirklich nicht zu schämen.

Handelsblatt: Was ärgert Sie denn im eigenen Programm?

Ebeling: Ich ärgere mich, wenn wir die Übergänge zwischen einzelnen Sendungen nicht gut machen und damit Zuschauer verlieren. Ärgerlich finde ich auch, wenn bei Live-Sendungen viel schiefläuft.

Handelsblatt: Der künftige ZDF-Intendant Thomas Bellut hat die Niveaulosigkeit der Privatsender kritisiert. Fühlen Sie sich getroffen?

Ebeling: Nein. Solche Aussagen sind fadenscheinig. Es gibt einfach Menschen, die unterhalten werden wollen. Das tun wir, und die Marktanteile bestätigen unseren Erfolg. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten sollten sich gelegentlich selbst fragen, ob sie ihrem Auftrag genügen. Nur auf Boxen oder die Champions League zu setzen, ist womöglich nicht ganz der richtige Weg - um es vorsichtig zu formulieren.
Handelsblatt: Anders als die Öffentlich-Rechtlichen haben Sie im Programm stark den Rotstift angesetzt. Das merken doch die Zuschauer.
Ebeling: Im Gegensatz zu den Öffentlich-Rechtlichen müssen wir unser Geld auch selbst verdienen. Gutes Fernsehen ist keine Frage des Geldes. Es zählt die Idee und deren Umsetzung. In dieser Hinsicht hat uns das Sparen überhaupt nicht geschadet. Wenn nur das Budget den Ausschlag geben würde, hätten ARD und ZDF mit ihren Gebührenmilliarden über alle Altersgruppen die Nase vorne. Abgesehen davon: In wichtige Projekte investieren wir jetzt eher mehr als früher.
Handelsblatt: Ihre Eigentümer sind die Finanzinvestoren Permira und KKR, die sicher bald aussteigen werden. Das wäre der dritte Eigentümerwechsel in zehn Jahren. Wie viel Wandel verträgt ein geschundener Sender wie Pro Sieben Sat 1?
Ebeling: Wir sind eine der profitabelsten Mediengruppen Europas. Wir werden auch 2011 wieder ein Rekordjahr einfahren. Insofern hat sich die Gruppe in der jetzigen Eigentümerstruktur extrem gut entwickelt. Zu viele Wechsel verbunden mit strategischen Änderungen wären sicher nicht gut. Aber das ist bei uns nicht der Fall.

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