Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.06.2012

09:14 Uhr

Pro-Sieben-Chef

„Wir arbeiten an einem Sender für Ältere“

VonHans-Peter Siebenhaar

ExklusivThomas Eberling präsentiert eine neue Strategie, um junge Zuschauer ins werbefinanzierte TV zu locken. Und der Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1 hat sich auch für ältere Zuschauer eine große Neuerung überlegt.

Thomas Ebeling, der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media AG. dpa

Thomas Ebeling, der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media AG.

Herr Ebeling, wer junge Leute mit ihren Smartphones und Tablet-PCs in den USA beobachtet, stellt schnell fest: Auf den kleinen Bildschirmen wird ständig ferngesehen. Gibt es eine ähnliche Entwicklung auch in Deutschland?

Ihre Beobachtung stimmt nur zum Teil. Viele Menschen sehen auf ihrem internetfähigen Handy meist nur kurze Videos an oder unterhalten sich mit Spielen. Lange TV-Formate werden selten gesehen. Doch eines ist klar: Es wird eine verstärkte Nutzung von audiovisuellen Inhalten über mobile Endgeräte geben, in den USA wie in Deutschland. Bei uns wird diese Entwicklung vermutlich drei bis Jahre länger dauern.

Droht dem linearen Fernsehen dann eine ähnliche Entwicklung wie vor einem halben Jahrhundert dem Kino? Es verlor rapide an Bedeutung.

Nein, das lineare Fernsehen ist quicklebendig und wird es auch bleiben. Denn es wird immer Menschen geben, die sich lieber auf dem Sofa zurücklehnen wollen als ständig nach neuen Inhalten zu suchen. Natürlich stimmt es, dass junge Menschen viel Zeit mit mobilen Geräten verbringen. Doch das ist nur eine Lebensphase. [Lacht.] Ab dem 25. Lebensjahr ändert sich das Nutzungsverhalten meist zu Gunsten des linearen Fernsehens.

ARD und ZDF leiden unter der Überalterung ihrer Zuschauer jenseits von 60 Jahren. Aber auch das Publikum der Privatsender wird älter. Das ist gefährlich für die Werbevermarktung. Kommt auf Sie so eine Art Methusalem-Komplott zu?

Privatsender reflektieren die Alterspyramide unserer Gesellschaft. Ich würde mir nur Sorgen machen, wenn unsere Sender sehr viel älter wären als der demographische Durchschnitt. Doch diese Gefahr sehe ich für Pro Sieben Sat 1 und das Privat-TV generell nicht. Aber ich sage ganz klar, wir müssen künftig verstärkt dafür sorgen, dass junge Menschen an das Fernsehen heran geführt werden.

Wie soll denn das in der Praxis geschehen?

Wir stellen unsere Medienangebote um den Kern unseres Geschäfts auf, also Fernsehen. Wir positionieren zum Beispiel unsere Videoplattform MyVideo wie unseren fünften Sender, weil wir wissen, dass viele junge Menschen mit dem Laptop auf den Knien medial sozialisiert werden. Deshalb werden wir künftig bei MyVideo natürlich weiter interaktive Elemente einsetzen, aber eben auch lineare aus dem herkömmlichen Fernsehen nutzen. Beispielsweise zeigen wir Serien wie „Spartacus“ zuerst auf MyVideo und erst danach auf ProSieben. Wir hatten 14 Millionen Downloads und zudem eine starke TV-Nutzung.

Schon bald wird SmartTV die heimischen Wohnzimmer beherrschen. Ist die neue Generation an internetfähigen Fernsehgeräte ein riesige Gefahr, denn Zuschauer werden ins Netz gelockt oder eher eine Chance?

SmartTV ist eine Chance, obwohl bis 2015 vermutlich nur die Hälfte der Haushalte ein solches Gerät nutzen wird, und davon wieder nur die Hälfte die Verbindung zum Netz herstellt. Wir können so unsere Angebote noch besser verzahnen. Auf der anderen Seite birgt SmartTV auch eine Gefahr. Denn es könnten sich monopolistische Strukturen, die wir aus dem Netz kennen, herausbilden, was dem Wettbewerb schadet. Wenn die Politik ihre Hausaufgaben macht, werden die Chancen aber größer als die Gefahren sein.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

MenschenZeitung

19.06.2012, 10:50 Uhr

Vielleicht sollten sie das ZDF und die ARD aufkaufen- Die Sender für Ü 80 sind doch schon am Markt ...dann entfallen die GEZ-Gebühren, und man kann sich entscheiden, ob man für den Mist zahlen will ...

722

19.06.2012, 10:57 Uhr

Ich bin jetzt 27 Jahre alt und kann zu dem TV Angebot der Privaten sagen, dass es nahezu miserabel ist.
Ich möchte erst gar nicht davon anfangen, über Niveau, Qualität und Recherche zu schwadronieren.

Für mich steht fest, dass gerade die privaten TV Sender es sind, welche die heutige Jugend massiv beeinflussen und das nicht im positiven Sinn.

Ein Unternehmen muss Gewinne erwirtschaften, klar. Die Privaten müssen für ihr Geld arbeiten, die Öffis bekommen es (mehr oder weniger). Auch klar.

Dies sollte aber nicht als Grund für Programminhalte angeführt werden.
Wenn die Privaten nun entgegnen, dass sie ja in der deutschen TV-Landschaft die eigentlich erfolgreicheren sind, so könnte man hier Gegenargumente anführen, derer ich aber hier nicht bereit bin und die sich die Leser ohnehin denken können.

Nun zum Artikel Thema: Sender für Ältere - Wird dieser vielleicht annähernd funktionieren (mal abgesehen vom Inhalt), wenn er nicht über diese entsetzlichen Werbeunterbrechungen verfügen würde.
Ist dies für mich, als 27-jährigen, schon überaus lästig, woran ich mich bisher nie gewöhnen konnte und deshalb schon sehr oft den Fernseher mitten in der Handlung entnervt ausgeschaltet habe, dürfte sich dies bei 'den Älteren' massiv potenzieren.

Wie erfolgreich war eigentlich dieser 'Frauensender' tm3?

Mir kommt da in den Sinn, dass man diese Sendeformate für altersgerechte Zielgruppen fast mit Hundefutter vergleichen könnte: für den Senior, für den Junior, in der Wachstumsphase, für den Streuner, für den Genießer - in jeder Blechdose aber derselbe Schlachtabfall.

ANONYM

19.06.2012, 11:11 Uhr

Zitat: "Denn die deutschen Zuschauer erwarten synchronisierte Programme."

Meiner Meinung nach trifft diese Aussage vor allem auf die ältere Generation zu. Die gebildete Mehrheit der Jüngeren (werberelevant!) bevorzugt zunehmend das englische Original und kauft sich daher die DVD oder geht ins OV-Kino. Viele Jüngere wünschen sich, die nicht synchronisierte Version über Video on Demand sehen zu können.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×