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17.01.2006

07:38 Uhr

Pro Sieben Sat 1

Der Minister soll's für Springer richten

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Axel-Springer-Verlag ist nicht länger bereit, den Fernsehsender Pro Sieben zu opfern, um die gesamte TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1 übernehmen zu dürfen. Nach Informationen des Handelsblatts kann Springer-Chef Mathias Döpfner darauf bauen, dass der Bundeswirtschaftsminister die Bedenken des Kartellamts beseite fegt.

Die Pro Sieben Sat 1 Media AG bleibt zusammen. Foto: dpa

Die Pro Sieben Sat 1 Media AG bleibt zusammen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Vor der geplanten Übernahme der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 (Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, N 24, Neun Live) komme ein Verkauf des Gewinnbringers Pro Sieben aus rechtlichen Gründen nicht in Frage, teilte Springer am Mittwoch mit. Der Konzern und Pro Sieben Sat 1 fürchten im Falle der Zerschlagung der Senderfamilie Klagen von Aktionären, weil wertvolle Synergien verloren gingen und der Unternehmenswert sinken würde.

Nachdem Springer-Chef Mathias Döpfner von seinem entgegenkommenden Vorschlag an das Kartellamt abgerückt ist, gilt die Untersagung der Fusion durch die Behörde als sicher. Dennoch gibt der „Bild“-Konzern die seit August 2005 betriebene Drei-Milliarden-Euro-Übernahme nicht verloren: „Springer sucht nun den Weg über eine Ministererlaubnis“, sagte ein Berliner Insider dem Handelsblatt. Eine Sondererlaubnis für die Fusion durch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) würde das Verbot durch die Kartellbehörde aufheben.

Eine Springer-Sprecherin wiegelte hingegen ab; die Entscheidung, eine Ministererlaubnis zu beantragen, sei noch nicht gefallen: „Wir warten erst die Untersagung durch das Kartellamt ab.“ Die Bonner Behörde will ihre Entscheidung am 27. Januar treffen.

Die Chancen für Springer, die Expansionspläne vom Wirtschaftsminister genehmigt zu bekommen, sind nicht mehr ganz schlecht: „Glos hätte einen anderen Sachverhalt zu prüfen als noch vor Wochen“, sagt ein Insider. Denn Springer habe die Bereitschaft erkennen lassen, einen Fernsehbeirat für den wichtigsten Sender Sat 1 einzurichten und so die Verfügungsrechte über den Kanal einzuschränken. Zudem sei durch das Signal vom Mittwoch auch der spätere Verkauf von Pro Sieben nicht ausgeschlossen.

Auch an politischer Unterstützung mangelt es Europas größtem Zeitungskonzern nicht. Döpfner traf am Freitag in München den CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Der stärkte seinem Gesprächspartner gestern noch einmal öffentlich den Rücken und sagte: „Ein integrierter starker deutscher Medienkonzern mit Print- und elektronischen Medien ist für den Medienstandort Deutschland ein großer Vorteil.“ Die deutschen Medienunternehmen stünden in einem scharfen internationalen Wettbewerb und dürften gegenüber ausländischer Konkurrenz nicht benachteiligt werden. Döpfner hatte in der vergangenen Woche damit gedroht, künftig im Ausland zu expandieren, sollten die Fusionspläne platzen.

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