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30.07.2015

10:49 Uhr

Pro Sieben Sat 1 im Plus

Fernsehkonzern mit Internetgewinn

Die Fusion mit Springer ist abgeblasen, Pro Sieben Sat 1 kann sich wieder auf sich selbst konzentrieren. Der Konzern hebt die Prognose an. Internet-Portale wachsen – und Pro Sieben kauft zu, wie zuletzt bei Verivox.

Der Fernsehkonzern investiert in Internet-Portale. dpa

Pro-Sieben-Stars Winterscheidt (l.) und Heufer-Umlauf

Der Fernsehkonzern investiert in Internet-Portale.

MünchenDer Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 ist weiter auf Einkaufstour. Die Kasse für weitere Übernahmen sei mit einer halben Milliarde Euro gut gefüllt, erklärte der Vorstand am Donnerstag in Unterföhring bei München. Nach dem Kauf des Strompreis-Portals Verivox sei Pro Sieben Sat 1 auf der Suche nach weiteren Vergleichsportalen als Ergänzung. Eine mögliche Fusion mit Axel Springer, von der Insider berichtet hatten, ist bis auf weiteres abgesagt.

Die beiden Medienkonzerne hatten am Mittwoch verkündet, die Möglichkeiten für eine lose Zusammenarbeit in der Digitalbranche auszuloten. Sie schauten sich jetzt einzelne Digital-Firmen an, in die sie gemeinsam investieren könnten, sagte Pro-Sieben-Sat-1-Digitalvorstand Christian Wegner.

Gespräche beendet: Fusion von Pro Sieben und Springer ist vom Tisch

Gespräche beendet

Fusion von Pro Sieben und Springer ist vom Tisch

Die mögliche Fusion zwischen den beiden deutschen Medienriesen Axel Springer und Pro Sieben Sat 1 ist vom Tisch. Die beiden Konzerne wollen nun lediglich bei der Förderung von Start-ups zusammenarbeiten.

Das Kerngeschäft, das klassische Werbefernsehen, wächst ordentlich, der Zuschauermarktanteil erreichte mit fast 30 Prozent sogar den höchsten Wert seit zehn Jahren - aber Fernsehwerbung erbringt inzwischen nur noch 64 Prozent des Umsatzes. Die Digitalsparte wächst dagegen zweistellig - und hier vor allem das Geschäft mit Internet-Läden und Portalen wie Billiger-Mietwagen.de oder Weg.de. Insgesamt kletterten Umsatz und Gewinn der Sendergruppe im zweiten Quartal auch durch Zukäufe von Internet-Portalen kräftig.

Im Juni übernahm die Sendergruppe die Mehrheit an Verivox. Vorstandschef Thomas Ebeling erklärte, das Fernsehen „ist der Motor unseres Digitalgeschäfts und bietet uns die Möglichkeit, Produkte mit geringen finanziellen Aufwendungen bei einem Millionenpublikum zu vermarkten“.

Ob er auch die Scout24-Gruppe mit ihren Immobilien- und Auto-Portalen kaufen und damit zum Beispiel Springers Immowelt-Portal Konkurrenz machen will, ließ Ebeling offen. Zukäufe oder Zusammenschlüsse, die den gesamten Konzern umwandeln würden, erwäge man derzeit nicht. Trotz mehrerer Käufe - darunter der Online-Sexshop Amorelie, der Parfumhändler Flaconi und ein Vermarkter von Youtube-Stars in den USA - stieg die Verschuldung nicht.

Die größten deutschen Medienkonzerne (Umsatz 2013)

Platz 10 – Funke Mediengruppe

Umsatz: 1,2 Milliarden Euro*

Platz 9 – Verlagsgruppe Weltbild

Umsatz: 1,59 Milliarden Euro*

Platz 8 – Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Umsatz: 1,88 Milliarden Euro*

Platz 7 – ZDF

Umsatz: 2,01 Milliarden Euro

Platz 6 – Bauer Media Group

Umsatz: 2,4 Milliarden Euro

Platz 5 – Hubert Burda Media

Umsatz: 2,45 Milliarden Euro*

Platz 4 – ProSieben Sat.1

Umsatz: 2,61 Milliarden Euro

Platz 3 – Axel Springer

Umsatz: 2,8 Milliarden Euro

Platz 2 – ARD

Umsatz: 6,28 Milliarden Euro

Platz 1 – Bertelsmann

Umsatz: 16,36 Milliarden Euro

Quelle

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

*Für diese Konzerne lagen die Umsatzzahlen von 2013 bei der Publikation im Mai noch nicht vor. In diesen Fällen wurden die zuletzt veröffentlichten Umsatzzahlen als Grundlage genommen.

Zu Fragen, ob Pro Sieben Sat 1 selbst zum Übernahmeziel werden könnte und wie das Management darauf reagieren würde, schwieg Ebeling. Das Unternehmen ist überwiegend in Streubesitz. Häufig sind kleinere Investoren zu einem Verkauf ihrer Anteile zu überreden, wenn ein Bieter genug Geld auf den Tisch legt.

Das solide Wachstum könnte Pro Sieben Sat 1 für Käufer attraktiv machen. Im zweiten Quartal steigerte der Medienkonzern seinen Umsatz um 12 Prozent auf 773 Millionen Euro. Der Betriebsgewinn stieg um 8 Prozent, unterm Strich legte der Gewinn um fast ein Drittel auf 118 Millionen Euro zu.

Von

dpa

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