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05.04.2014

03:30 Uhr

Probleme bei Milliarden-Zukauf

Google stoppt Verkauf von Nest-Rauchmeldern

VonAxel Postinett

Ärger um Google-Tochter Nest: Das Start-Up stoppt vorübergehend den Verkauf seiner Feuermelder wegen einer möglichen Fehlfunktion. Der Rückruf kommt kurz nach einer Verbraucher-Sammelklage gegen Nest in Kalifornien.

Verkaufsstopp des Rauchmelders: Google-Tochter Nest prüft eine potenzielle Fehlfunktion des Gerätes. ap

Verkaufsstopp des Rauchmelders: Google-Tochter Nest prüft eine potenzielle Fehlfunktion des Gerätes.

San FranciscoDer Ärger reißt nicht ab: Google-Tochter Nest hat nach eigenen Angaben vorübergehend den Verkauf seiner Rauchmelder eingestellt. Das Start-Up war erst kurz zuvor für 3,2 Milliarden Dollar übernommen worden. Der Grund für den Verkaufsstopp ist eine potenzielle Fehlfunktion, die verhindern könnte, dass der Feuermelder in einem Brandfall tatsächlich Alarm schlägt. Das scheint in der Tat Grund genug für einen „Rückruf“.

In einem Blogeintrag fordert Nest-Chef Tony Fadell alle Käufer des 130 Dollar teuren Geräts auf, den Feuer- und Kohlenmonxyd-Alarm sofort per WiFi mit dem Internet zu verbinden. Durch ein Per Software-Update wird dann eine kritische Software-Funktion deaktiviert. Wer keinen Internetzugang hat, wird aufgefordert das Gerät außer Betrieb zu setzen und zurückzugeben. Der Kaufpreis werde jedem, der den Melder zurückgeben wolle, vollständig erstattet.

Seit Oktober 2013 wurden laut Nest „zehntausende“ der Geräte zum Preis von 130 Dollar abgesetzt. Der Verkauf wird gestoppt, bis in voraussichtlich zwei bis drei Monaten der Fehler behoben sein soll.
Als Problem hat sich die „Wave“-Funktion herausgestellt, die es erlaubt mit einer Handbewegung einen Melder bei einem Fehlalarm auszuschalten. So etwas passiert gar nicht so selten, wie der Autor aus eigener Erfahrung weiß. Zum Beispiel, wenn in der Küche „zu viel“ gekocht oder gebraten wird. Dann muss man auf einen Stuhl klettern und das ohrenbetäubende Gepiepe manuell beenden. „Wave“ wäre eine praktische Hilfe, leider scheint es sich laut Nest „bei bestimmten Konstellationen“ aber selbsttätig zu aktivieren. Dann wird im Ernstfall ein Alarm verzögert oder sogar verhindert.

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

Das Ganze kommt nur Wochen nach einer Sammelklage von Verbrauchern gegen Nest in Kalifornien. Der Klage zufolge sei das oft als revolutionär angepriesene Thermostat nicht in der Lage die „einfachsten Basisfunktionen auszuführen“, wie etwa die genaue Temperatur anzuzeigen. Es sehe einfach nur „cool“ aus. Entgegen der vollmundigen Marketingversprechungen des Start-Ups aus Palo Alto ermögliche Nests Gerät nicht, Energie und damit Geld zu sparen. Das alles sei nur in die Welt gesetzt worden, um Leute wie ihn, den Kläger Justin Darisse, dazu zu bewegen mit knapp 250 Dollar substanziell mehr für das Smartphone-kontrollierte Gerät zu bezahlen als für ein normales Thermostat.

Der Kauf von Nest war für Google im Januar ein wichtiger Schritt, um weiter in den Bereich des „connected home“, des vernetzten Hauses vorzudringen. Mit den Thermostaten und Rauchmeldern bekommt Google in Zukunft zusätzliche wichtige Informationen über seine Nutzer, die über den rein digitalen Bereich hinausgehen. Mit Produkten wie Nest oder der Datenbrille Google Glass dringt der weltgrößte Digitalkonzern stärker in das reale Leben seiner Nutzer ein.

Nest ist der zweite ernsthafte Vorstoß Googles in den Hardware-Bereich. Der erste Ausflug, der Kauf des Smartphone-Herstellers Motorola Mobility für über zwölf Milliarden Dollar, wurde wegen Erfolglosigkeit mittlerweile wieder beendet, Motorola Mobility verkauft.

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