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16.09.2014

18:27 Uhr

Programm des Video-Dienstes

Netflix hinkt bei Filmvielfalt hinterher

VonMartin Dowideit, Katharina Matheis

ExklusivMit großen Erwartungen hat der Videodienst Netflix am Dienstag sein deutsches Angebot gestartet. Eine erste Analyse zeigt: Das Programmangebot hat Stärken, aber auch etliche Schwächen. Was die US-Bosse vorhaben.

Netflix greift deutsche TV-Landschaft an

Video: Netflix greift deutsche TV-Landschaft an

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Düsseldorf/BerlinWeniger als 24 Stunden ist das deutsche Angebot von Netflix alt, doch eine erste Analyse der Angebotsvielfalt lässt bereits Schlüsse über die Ambitionen des US-Videodienstes in Deutschland zu. Eine Handelsblatt Online vorliegende Übersicht der Beratungsfirma Veed Analytics zeigt, dass vor allem bei der Filmvielfalt Netflix einigen Konkurrenten in Deutschland hinterher hinkt. Bei Serien ist das Angebot dagegen wesentlich besser.

Netflix bietet einen Videostreaming-Dienst an, bei dem Filme und Serien für eine monatliche Abo-Gebühr direkt aus dem Internet abgespielt werden.

Alles rund um Netflix

Alternative zu den Videotheken

Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

Online-Dienst als zweites Standbein

2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

Einladung zum „Binge Watching“

Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Expansion jenseits der USA

Der Heimatmarkt ist nicht genug: Netflix expandiert seit einigen Jahren, der Dienst ist bereits in Kanada, Südamerika, Großbritannien und den Niederlanden verfügbar. 2014 kamen diverse Länder hinzu, darunter Deutschland.

Von den in den vergangenen vier Jahren 400 erfolgreichsten Kinofilmen hat Netflix der Analyse zufolge zehn Prozent im Angebot, von den 100 best bewerteten Filmen aller Zeiten (laut imdb.com) 13 Prozent. In beiden Kategorien gibt es Anbieter, die deutlich besser als Netflix abschneiden. So hat der Filmservice Prime Instant Video des Rivalen Amazon insgesamt 15 Prozent der Top-Filme im Angebot und 25 Prozent der Klassiker.

Anbieter \ Kategorie400 aktuelle Top-Filme100 beste Film-Klassiker
Netflix10 Prozent13 Prozent
Amazon Prime Instant Video15 Prozent25 Prozent
Maxdome9 Prozent12 Prozent
Sky Snap6 Prozent20 Prozent
Watchever13 Prozent39 Prozent
Quelle: Veed Analytics

Bei den Fernsehserien zeigt sich ein anderes Bild. Hier ist das Angebot von Netflix, das eigenproduzierte Serien wie „House of Cards“ (Staffeln 1+2) und „Orange is the New Black“ umfasst, umfangreicher. Von den 100 aktuell im DVD-Verkauf erfolgreichsten Serien hat Netflix 30 Prozent im Angebot und wird nur von Amazons Video-on-Demand-Dienst übertroffen (42 Prozent). Bei 100 Serien-Klassikern liegt Netflix mit 15 Prozent Abdeckung gleichauf mit Spitzenreiter Watchever (16 Prozent).

Anbieter \ Kategorie100 aktuelle Top-Serien100 beste Serien-Klassiker
Netflix30 Prozent15 Prozent
Amazon Prime Instant Video42 Prozent8 Prozent
Maxdome25 Prozent7 Prozent
Sky Snap9 Prozent6 Prozent
Watchever25 Prozent16 Prozent
Quelle: Veed Analytics

In den USA hat das einst als DVD-Versender gestartete Netflix rund 35 Millionen Abonnenten. Das Wachstum beschleunigt hat die Entscheidung, eigene Serien zu produzieren, die auch bei Kritikern auf große Resonanz gestoßen sind. Netflix wird zugetraut, die bereits am Markt positionierten Konkurrenten in Deutschland stark unter Druck setzen zu können. Diese hatten teilweise mit Rabatten und Werbekampagnen auf den angekündigten Markstart reagiert.

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