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14.11.2013

18:49 Uhr

Protestbrief an den Boulevard

Österreich gegen „Österreich“

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Nationalmannschaft des Alpenlandes probt den Aufstand gegen das Boulevardblatt des Verlegers Wolfgang Fellner. Die Spieler werfen der Zeitung vor „wenig bis schlecht“ zu recherchieren.

Österreichs Nationalelf fühlt sich von der Boulevardpresse ungerecht behandelt. dpa

Österreichs Nationalelf fühlt sich von der Boulevardpresse ungerecht behandelt.

WienDie österreichische Nationalelf mit Bayern-Star David Alaba revoltiert gegen das Boulevardblatt „Österreich“. Aus dem spanischen Camp Orihuela schickten alle Spieler im rot-weiß-roten Trikot einen Offenen Brief an die Tageszeitung des Verlegers Wolfgang Fellner. „Es ist uns klar, dass wir mit diesem Schreiben ein Tabu brechen – nämlich jenes, ein Medium massiv zu kritisieren. Das tut niemand unüberlegt, weil in Folge naturgemäß mit verschärft unfairer ,Berichterstattung‘ zu rechnen ist.“ Der Inhalt des Briefes der Nationalelf ist in der österreichischen Pressegeschichte einmalig. Die Spieler beschweren sich in starken Worten über die „schlecht bis gar nicht recherchierten Artikeln“ und noch schlimmer über „Exklusivinterviews, für die niemand von uns jemals interviewt worden ist“.

Die Kritik ist ein Faustschlag für die Wiener Tageszeitung, die Wolfgang Fellner 2006 gegründet hatte und heute größtenteils gratis verteilt wird. Denn mit dem Aufstand der populären Spieler wird das Renommee der Boulevardzeitung nachhaltig beschädigt. In der Führungsspitze befürchtet man natürlich, dass der eine oder andere Leser verloren geht, noch schlimmer auch Anzeigenkunden.

Die größten Medienkonzerne der Welt (nach Umsatz 2012)

Comcast/NBC, LLC

48,7 Milliarden Euro

Google

39,1 Milliarden Euro

Walt Disney

32,9 Milliarden Euro

News Corp.

26,2 Milliarden Euro

Time Warner

22,4 Milliarden Euro

Viacom/CBS Corp.

22,4 Milliarden Euro

Sony Entertainment

16,8 Milliarden Euro

Bertelsmann

16,1 Milliarden Euro

Vivendi

13,3 Milliarden Euro

Dish Network Corp.

11,1 Milliarden Euro

Rang 11 bis 20

Cox Enterprises 10,6 Milliarden Euro

Thomson Reuters 10 Milliarden Euro

Rogers Comm. 9,7 Milliarden Euro

Liberty Media Corp. 9,4 Milliarden Euro

Reed Elsevier 7,5 Milliarden Euro

Pearson 7,5 Milliarden Euro

Lagardère Media 7,4 Milliarden Euro

Nippon Hoso Kyokai 6,4 Milliarden Euro

ARD 6,3 Milliarden Euro

Bloomberg 6,2 Milliarden Euro

Quelle: Unternehmen

Offiziell hat sich Verleger Fellner noch nicht geäußert. Vertraute des Medienunternehmers sagen: „Der Vorwurf der unseriösen Berichterstattung ist grober Unsinn. Gerade in die Kompetenz unserer Sportredaktion haben wir investiert.“ Sollten die Spieler der Nationalelf personelle Konsequenzen erwartet haben, wird sie Fellner enttäuschen, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Sportredaktion wird von Wolfgang Ruiner, dem ehemaligen Sportchef von „Bild“ in München geleitet.

Bei „Österreich“ vermutet man hinter den von allen Spielern offenen Brief vielmehr eine Intrige der Wettbewerber. „Es ist eine Auseinandersetzung, bei der die eigentlichen Akteure im Hintergrund bleiben“, sagte Oliver Voigt, CEO der Mediengruppe Österreich, dem Branchenblatt „Horizont“. In Unternehmenskreisen von „Österreich“ wird vor allem Helmut Brandstätter, der Chefredakteur der Wiener Tageszeitung „Kurier“ genannt. Der frühere Chef des Nachrichtensenders N-TV schrieb bereits Anfang November: „Das Gratisblatt Österreich wird zwar immer weniger gelesen, aber der Inhalt reicht, um ein ganzes Land zu beschädigen.“

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