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07.07.2017

16:42 Uhr

Qualcomm

Chipkonzern eskaliert Patentstreit mit Apple

Der US-Chipkonzern Qualcomm will die Einfuhr einiger iPhone-Modelle in die USA verbieten lassen. Hintergrund ist ein Patentstreit mit Hersteller Apple. Seit Januar kriselt es bereits zwischen beiden Unternehmen.

Der Chiphersteller streitet sich zurzeit mit dem iPhone-Hersteller Apple vor Gericht. Reuters

Qualcomm

Der Chiphersteller streitet sich zurzeit mit dem iPhone-Hersteller Apple vor Gericht.

San DiegoDer Chipkonzern Qualcomm eskaliert seinen Patentstreit mit Apple und will die Einfuhr einiger iPhone-Modelle in die USA verbieten lassen. In der Klage bei der US-Handelsbehörde ITC geht es um Apple-Telefone mit Kommunikationschips des Qualcomm-Konkurrenten Intel. Die Handelskommission kann bei Patentverletzungen die Einfuhr von Geräten in die USA untersagen. Die Verfahren enden allerdings eher selten mit Verboten und dauern üblicherweise ein bis eineinhalb Jahre, so dass mit dem jährlichen Aktualisierungszyklus in der Branche neue Modelle meist nicht betroffen sind.

Apple und Qualcomm, dessen Chips in vielen Smartphones für die Funkverbindung sorgen, streiten seit Januar vor Gericht. Apple klagte mit dem Vorwurf, der Chip-Spezialist verlange zu viel für Patentlizenzen und forderte eine Milliarde Dollar, die Qualcomm zurückhalte. Qualcomm antwortete mit einer Gegenklage und warf Apple unter anderem vor, Tatsachen zu verfälschen und Regulierer zu Attacken angestachelt zu haben. Vor wenigen Wochen weitete Apple seine Klage aus und sprach von zunehmenden Beweisen für „ein illegales Geschäftsmodell“ von Qualcomm. Zudem steht Qualcomm im Visier einer Wettbewerbsklage der US-Aufsichtsbehörde FTC.

Die iPhone-Evolution

Von Modell zu Modell

Das erste iPhone im Jahr 2007 hat den Vormarsch der Smartphones angestoßen und nicht nur die Mobilfunk-Industrie umgekrempelt. Ein Überblick über die Entwicklung der Geräte von Modell zu Modell:

Das erste iPhone

Für das Jahr 2007 waren der große Touchscreen ganz ohne Tastatur und die Bedienung per Finger ein radikales Konzept, das die Smartphone-Revolution entscheidend anschob. Dabei verzichtete Apple bei der ersten Version sogar auf den schnellen UMTS-Datenfunk. (Quelle: dpa)

iPhone 3G

Ein iPhone 2 gab es nie – stattdessen kam im Sommer 2008 das iPhone 3G, was auf die Unterstützung des 3G-Standards UMTS hinwies. Das Aluminium-Gehäuse wurde durch eine Plastik-Schale ersetzt. Mit dem App Store öffnete Apple die Plattform für Programme verschiedener Entwickler.

iPhone 3GS

Mit dem Modell des Jahres 2009 führte Apple sein „Tick-Tock“-Prinzip ein, bei dem die iPhones alle zwei Jahre radikal erneuert werden und es zwischendurch ein „S“-Modell im unveränderten Design, aber mit aufgerüstetem Innenleben gibt. Das 3GS bekam eine bessere Kamera und einen schnelleren Chip.

iPhone 4

Das letzte Modell, das Gründer Steve Jobs noch selbst vorstellte. Das kantige Design des iPhone 4 mit einer gläsernen Rückwand war 2010 aufsehenerregend, zugleich häuften sich zunächst Berichte über Empfangsprobleme mit der Antenne am Außenrand.

iPhone 4S

Apple ließ sich 15 Monate Zeit bis Oktober 2011 mit einer Aktualisierung. Zu den Neuerungen gehörte neben technischen Verbesserungen die Sprachassistentin Siri.

iPhone 5

Während die Smartphones der Wettbewerber immer größer wurden, erweiterte Apple 2012 zunächst vorsichtig die Bildschirm-Diagonale von 3,5 auf 4 Zoll. Zugleich wurde das Gerät deutlich dünner gemacht und bekam wieder eine Aluminium-Hülle.

iPhone5S

Die wichtigste Neuerung im Herbst 2013 war der Fingerabdruck-Sensor zum Entsperren der Telefone. Zudem entwickelte Apple unter anderem die Kamera weiter.

iPhone 6

Erstmals entschied sich Apple 2014 für zwei neue Modelle mit deutlich größeren Bildschirmen mit Diagonalen von 4,7 und 5,5 Zoll. Der Schritt löste einen Absatzsprung aus, Apple kam monatelang der Nachfrage nicht hinterher. Die Geräte wurden abermals dünner.

iPhone 6S

Gleiches Gehäuse, bessere Technik – das reichte im Weihnachtsquartal 2015 knapp für den nächsten Absatzrekord von knapp 74,8 Millionen verkauften iPhones.

iPhone 7

Zum ersten Mal geht Apple ins dritte Jahr mit einem weitgehend unveränderten äußeren Design. Aber Apple verzichtete unter anderem auf die klassische Ohrhörer-Buchse zugunsten des digitalen „Lightning“-Anschlusses.

Der Chipkonzern hat nun für seine neuen Klagen bei der ITC und einem Gericht in Süd-Kalifornien sechs seiner Patente ausgesucht. Die betroffenen Technologien verlängerten die Batterielaufzeit der Geräte, während sie zugleich für bessere Leistung sorgten, erklärte Qualcomm am späten Donnerstag.

Die iPhones mit Qualcomm-Halbleitern sind von den Klagen nicht betroffen. Apple baut erst seit dem im vergangenen Herbst gestarteten iPhone 7 Kommunikations-Chips von Intel in einen Teil der Geräte ein.

Apple ist unzufrieden damit, dass Qualcomm seine Lizenzgebühren als einen prozentualen Anteil vom Gerätepreis haben will. Der iPhone-Konzern argumentiert, dass es seine Innovationen seien, die die Telefone teurer machten, während der Wert der Kommunikationschips gleich bleibe. Qualcomm kontert, das sei die branchenübliche Vorgehensweise bei Patentlizenzen - und seine von Apple verwendeten Innovationen gingen weit über die Kommunikations-Halbleiter hinaus.

US-Chipkonzern Qualcomm: Streit mit Apple drückt das Geschäft

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Der US-Chipkonzern Qualcomm kappt die Prognose für das laufende Quartal und senkt die Umsatzerwartungen deutlich. Das Unternehmen streitet sich derzeit mit Apple über Patentlizenzen. Es geht um eine Milliarde Dollar.

Apple und Qualcomm machten bereits beide ihre unangenehmen Erfahrungen mit ITC-Klagen. Da die weitaus meiste Elektronik heute aus Asien kommt, können Einfuhrverbote eine mächtige Waffe sein. So hatte die Handelskommission im Jahr 2013 während des Patentkriegs zwischen Apple und Samsung entschieden, dass einige Modelle der iPhones und iPads Patente der Südkoreaner verletzten und nicht importiert werden dürften. Der damalige US-Präsident Barack Obama stoppte die Entscheidung mit seinem Veto. Und Qualcomm musste vor rund einem Jahrzehnt um die Einfuhr seiner Chips in die USA bangen, nachdem die Kommission dem Konkurrenten Broadcom Recht gab. Qualcomm kippte den Bann später vor einem Berufungsgericht.

Von

dpa

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