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30.01.2014

22:35 Uhr

Quartalsergebnis

Amazon-Aktie bricht ein

Amazon ist im vergangenen Quartal nicht so stark gewachsen wie erwartet. Auf dem Heimatmarkt legte das Unternehmen von Jeff Bezos zwar zu, Analysten hatten jedoch mit höheren Umsätzen gerechnet.

Börse erwartet mehr

Nicht gut genug - Amazon enttäuscht

Börse erwartet mehr: Nicht gut genug - Amazon enttäuscht

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SeattleDas wichtige Weihnachtsgeschäft ist beim erfolgsverwöhnten Online-Händler Amazon außerhalb der USA nicht so gut gelaufen wie erwartet. Zudem schockierte der US-Konzern die Anleger am Donnerstag nach Börsenschluss mit der Aussicht auf einen möglichen Verlust im laufenden Quartal. Die Amazon-Aktie brach nachbörslich um rund zehn Prozent ein.

Das vom umtriebigen Firmengründer Jeff Bezos geführte Unternehmen konnte im Schlussquartal auf dem hart umkämpften Heimatmarkt zwar kräftig zulegen. Außerhalb der USA kletterten die Erlöse mit 15 Prozent aber nicht so stark wie gedacht. Konzernweit blieb der Umsatzzuwachs daher mit rund 20 Prozent auf 25,6 Milliarden Dollar um knapp 500 Millionen Dollar hinter den Erwartungen von Analysten zurück.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Ein ähnliches Bild ergab sich beim Netto-Gewinn: Diesen konnte Amazon zwar auf 239 Millionen Dollar mehr als verdoppeln. Pro Aktie verfehlte der Konzern aber auch hier die Expertenschätzungen.

Zudem machte Anlegern der Ausblick zu schaffen. Amazon kündigte ohne weitere Begründung an, das laufende Quartal werde unter dem Strich irgendwo zwischen einem Gewinn von 200 Millionen Dollar oder einem Verlust in gleicher Höhe abgeschlossen. Das ist bei Amazon eigentlich nichts Besonderes, weil der Konzern in der Vergangenheit immer Investitionen in vielversprechende neue Geschäftsfelder wichtiger fand als das Bestreben, rote Zahlen unbedingt zu vermeiden. Doch hätten sich die Erwartungen der Anleger in diesem Punkt inzwischen möglicherweise geändert, sagte Analyst Colin Gillis von BGC Financial.

Neues Bestellverfahren

Wie Amazon den Kunden in die Köpfe schaut

Neues Bestellverfahren: Wie Amazon den Kunden in die Köpfe schaut

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Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

31.01.2014, 08:48 Uhr

Der Einzelhandel ist enttäuscht, Amazon brummt auch nicht so, wie immer behauptet. Kann es vielleicht daran liegen, daß Banken, Konzerne und Millionäre, denen Steuergeschenke und Geldgeschenke im großen Stil gegeben werden, nicht so wahnsinnig viel shoppen gehen? Dass die das Geld eher für Zocken verwenden?

G4G

31.01.2014, 10:00 Uhr

AMAZON ist ein Moloch geworden. Die anfänglichen Vorteile für den Kunden schwinden mehr und mehr.
Unseriöse Rechnungslegungen, die mit deutschem Recht nicht in Einklang zu bringen sind kommen dazu.
Letztendlich ist AMAZON keineswegs günstiger als kleinere Onlineshops. AMAZON zieht den Amazon-Händlern jedoch 15% vom Umsatz ab und beutet das eigene Personal aus.
Aus dieser Erkenntnis kaufe ich nur noch bei AMAZON, wenn es nicht anders geht.

franz.wanner

31.01.2014, 12:32 Uhr

Amazon macht, was es kann. Klar gibt es andere, bessere, günstigere. Aber solange Amazon es schafft, den Vorsprung in Bequemlichkeit zu halten, wird sich eine Mehrheit jene anderen nicht merken.
Und jeder Inhaber börsennotierter Anteilsscheine ist ein "Zocker", da der "Hoffnungswert" der Anteile eigentlich nie im Istwert der Firma abbildbar ist. Preise haben eben keinen Gebrauchswert.

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