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05.04.2013

12:56 Uhr

Quartalsergebnis

Samsung mit gutem Start, aber ohne Rekord

Der Apple-Konkurrent holt kräftig auf: Die Südkoreaner steigern ihr Ergebnis um die Hälfte und erzielen einen Verdienst von sechs Milliarden Euro. Analysten erwarten vom Verkaufsstart des neuen Galaxy S4 weitere Impulse.

Präsentation des neuen S4 in New York: Analysten erwarten durch Smartphone weiteren Schub für Samsung. dpa

Präsentation des neuen S4 in New York: Analysten erwarten durch Smartphone weiteren Schub für Samsung.

SeoulStarke Zahlen, aber kein neuer Rekord: Samsung hat im im ersten Quartal dank des florierenden Absatzes von Mittelklasse-Smartphones einen soliden Gewinnsprung hingelegt. Wie die gemessen am Umsatz weltgrößte Technologiefirma am Freitag bekanntgab, stieg das operative Ergebnis von Januar bis März 2013 um 53 Prozent auf umgerechnet sechs Milliarden Euro (8,7 Billionen Won). In der Nebensaison nach dem wichtigen Weihnachtsgeschäft gelang dem südkoreanischen Konzern damit kein neuer Rekordgewinn wie noch in den vorangegangenen fünf Quartalen.

Analysten sind sich allerdings sicher, dass Samsung bereits im laufenden zweiten Quartal wieder einen Spitzenwert aufstellen wird – dank des neuen Smartphones Galaxy S4. Obwohl Samsung verstärkt den iPhones und iPads von Apple mit Premium-Produkten Konkurrenz macht, haben die Asiaten die Mittelklasse- und Billig-Angebote nicht vernachlässigt. Günstigere Modelle wie das Rex oder Galaxy Pop sorgen vor allem in Wachstumsmärkten dafür, dass es auch jetzt in der Kasse klingelt.

Das Galaxy S4 im Überblick

Android mit eigenem Twist

Als Betriebssystem setzt Samsung Android 4.2.2 (Jelly Bean) ein. Allerdings nimmt der südkoreanische Konzern etliche Anpassungen vor.

Gehäuse aus Plastik

Während Apple sein iPhone mit Metall und Glas kleidet, verwendet Samsung weiterhin Plastikgehäuse. Dafür wiegt das S4 mit einem Gewicht von 130 Gramm nur wenig mehr als der Apple-Konkurrent.

Steuerung mit Augen und Gesten

Das S4 lässt sich nicht nur mit Fingergesten bedienen: Es erlaubt auch eine Steuerung mit Augen oder Handbewegungen – „Smart Scroll“ heißt die Funktion. Und das Gerät erkennt, ob gerade der Blick vom Display abgewendet ist, und pausiert dann das gerade abgespielte Video.

Fitness-Trainer an Bord

Samsung hat die Gesundheits-App S Health entwickelt, die sportliche Aktivitäten des Nutzers aufzeichnen und Mahlzeiten protokollieren kann. Zudem soll Zubehör wie ein Pulsmesser auf den Markt kommen.

Größerer Bildschirm

Der Bildschirm des S4 ist mit einer Diagonale von fünf Zoll (12,7 Zentimeter) ein bisschen größer als der des Vorgängers. Um das Gerät zu bedienen, bedarf es schon beider Hände. Die AMOLED-Technologie sorgt für knackig scharfe Bilder. Die Auflösung erlaubt eine Darstellung in Full-HD (1920x1080 Pixel). Trotzdem ist das Gerät 7,9 Millimeter dünn.

Kamera mit Extra-Funktionen

Die Hauptkamera an der Rückseite hat eine Auflösung von 13 Megapixeln und damit ähnlich viel wie andere Spitzenhandys. Die Kamera an der Frontseite kommt auf 2 Megapixel. Punkten will Samsung mit Sonderfunktionen – so ist es möglich, mit beiden Kameras gleichzeitig zu knipsen und beide Bilder zusammenzufügen, so dass auch der Fotograf im Bild ist. Eine Funktion namens „Eraser“ löscht bestimmte Objekte, etwa wenn eine Person durchs Bild läuft.

Bis zu acht Rechenkerne

Samsung liefert das S4 mit unterschiedlichen Prozessoren aus – je nach Auslieferungsland. In einigen Geräten steckt ein neuer Achtkern-Prozessor aus eigener Entwicklung, der Exynos 5 Octa, in anderen ein Vierkern-Chip.

Fernbedienung für den TV

Das S4 hat eine Infrarotschnittstelle, die das Handy zur Fernbedienung für TV und Blu-ray-Player macht. Die Kopplung dauert nur wenige Minuten.

Stolzer Preis

Samsung empfiehlt für die Variante mit 16 Gigabyte einen stolzen Preis von 730 Euro, allerdings ist das Gerät im Handel bereits für deutlich weniger zu haben.

Samsung schätzt, dass der Umsatz von Januar bis März bei umgerechnet knapp 36 Milliarden Euro lag. Laut Analysten wurden wahrscheinlich 68 bis 70 Millionen Smartphones abgesetzt, nachdem es im Weihnachtsquartal noch 63 Millionen waren. Bei Apple rechnen die Experten hingegen mit einem Einbruch um 30 Prozent auf etwa 30 Millionen verschiffte iPhones.

An der Börse, wo die Koreaner momentan einen Wert von rund 220 Milliarden Dollar haben, tendierten Samsung-Aktien zum Wochenschluss kaum verändert, obwohl der Gewinn klar über den Analystenschätzungen lag. Das Galaxy S4 werde die Erwartungen erfüllen, sagte Analyst Seo Won-Seok von der Investmentbank Korea Investment & Securities. Das iPhone5 habe dagegen mit dem Hype, den Apple um das neue Produkt gemacht hat, nicht mithalten können. "Wir erwarten, dass allein im zweiten Quartal etwa 22 Millionen Galaxy-S4-Smartphones verkauft werden."

Die Geschichte von Samsung

Konzern mit langer Geschichte

Smartphones, Fernseher, Computer, Kameras, und und und: Samsung ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Die Geschichte des südkoreanischen Mischkonzerns begann Ende der 30er Jahre.

Trockennahrung und Getreidemühlen

Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.

Umzug im Korea-Krieg

Während des Koreakrieges (1950-53) musste Lee Byung Chul die Hauptstadt Seoul verlassen, in Busan eröffnete er eine Zuckerraffinerie. Nach dem Krieg gründete er auch eine Textilienfirma und baute eine Fabrik.

Lebensversicherungen

1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft ist größter Versicherer in Südkorea.

Fernseher und Kühlschränke

Ende der 1960er Jahre fängt Samsung an, Elektronik zu produzieren. So kommt 1970 ein Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Markt. Vier Jahre später erweitert der Konzern seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.

Telekommunikationsausrüstung

1980 übernahm Samsung einen Hersteller von Telekommunikationsausrüstung – die Grundlage für das heutige Handygeschäft.

Generationswechsel und Umstrukturierung

Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte. Er teilte den Konzern in vier Gruppen, darunter die heute so bekannte Elektroniksparte.

Autotelefone und Smartphones

In den 1980er Jahren brachte Samsung erste Autotelefone heraus. In den 1990er Jahren verkaufte der Konzern Handys, seit den 2000er Jahren auch Smartphones. Inzwischen ist Samsung der größte Anbieter in diesem Segment, noch vor Apple und Nokia.

Tablet-Computer und intelligente Uhren

Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt geschaffen, Samsung macht dem kalifornischen Konzern mit seinen Galaxy-Tab-Geräten aber inzwischen enorm Konkurrenz. Außerdem hat der südkoreanische Hersteller mit der Galaxy Gear eine Smartwatch herausgebracht.

Andere Experten betonten, dass Samsung sich trotz des langsameren Marktwachstums einen größeren Teil des Kuchens sichern kann. Apple wird dagegen voraussichtlich Marktanteile einbüßen. Der US-Konzern, der mit dem iPhone den Mobilfunkmarkt auf den Kopf gestellt hat, hatte zuletzt trotz Rekordverkäufen die extrem hohen Markterwartungen immer wieder verfehlt. Nach dem Tod des legendären Firmengründers Steve Jobs fehlen den Kaliforniern Innovationen und damit die Kassenschlager von morgen. Einen noch genaueren Einblick in das erste Quartal 2013 will Samsung am 26. April geben.

Von

rtr

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