Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.10.2014

04:45 Uhr

Quartalszahlen

Steuert Twitter den Sinkflug an?

Keine berauschenden Zahlen bei Twitter: Das Wachstum der Nutzerzahlen schwächt sich weiter ab, der Ausblick für das laufende Quartal ist enttäuschend. Geht dem Kurznachrichtendienst die Puste aus?

Bremse beim Höhenflug: Twitter enttäuschte die Anleger mit den aktuellen Quartalszahlen. Reuters

Bremse beim Höhenflug: Twitter enttäuschte die Anleger mit den aktuellen Quartalszahlen.

San FranciscoDer Kurznachrichtendienst Twitter kann die hohen Erwartungen von Investoren nicht erfüllen und verzeichnet ein langsameres Wachstum. Die Zahl der aktiven Nutzer stieg im abgelaufenen Quartal um 23 Prozent auf 284 Millionen, wie das US-Unternehmen am Montag mitteilte. Im Sommerquartal hatte Twitter dank der Fußball-Weltmeisterschaft ein Plus von 24 Prozent verzeichnet. Anleger reagierten nun verschnupft: Die Aktie gab im nachbörslichen Handel um 13 Prozent nach.

Auf die Nutzerzahlen wird bei Twitter besonders aufmerksam geschaut, weil es lange die Hoffnung gab, dass das Unternehmen aus San Francisco die Erfolgsgeschichte von Facebook wiederholen könnte. Der Konzern von Mark Zuckerberg hat inzwischen über eine Milliarde Nutzer. Twitter kämpft seit Jahren, wieder stärker zu wachsen.

Das Twitter-Management betonte am Montag erneut, dass die Nachrichten mit einer Länge von 140 Buchstaben viel mehr als die 284 Millionen aktiven Nutzer erreichen. Denn die Webseite erreicht man auch ohne eine Registrierung und kann dann etwa verfolgen, welche Nachrichten, Fotos oder Videos Popstars, Politiker, Sportler oder Firmen online stellen. Nach Angaben von Twitter beläuft sich die Zahl dieser unregistrierten Nutzer auf Hunderte Millionen.

Allerdings fiel die Zahl der sogenannten Timeline Views pro Nutzer um sieben Prozent und lag damit unter den Erwartungen der Analysten. Twitter erklärte den Rückgang mit Änderungen, die Nutzern das Lesen von Nachrichten erleichtern sollen. Damit müsse die Twitter-Seite seltener neugeladen werden.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Der Analyst Arvind Bhatia vom Vermögensverwalter Sterne Agee sagte, die Erwartungen an Twitter seien hoch gewesen, auch weil die Aktie in den vergangenen Monaten zugelegt habe. "Die Leute erwarten mehr als ein nur 'erfüllt'."

Beim Umsatz im abgelaufenen Quartal konnte Twitter dagegen die Schätzungen von Analysten übertreffen. Er stieg auf 361 Millionen Dollar und konnte so mehr als verdoppelt werden. Analysten hatten mit 351 Millionen Dollar gerechnet. Der Gewinn von einem Cent je Aktie (non-GAAP) lag im Rahmen der Erwartungen.

Im Schlussquartal soll der Umsatz zwischen 440 Millionen und 450 Millionen Dollar liegen. Experten hatten im Schnitt mit 449 Millionen Dollar gerechnet.

Facebook will seine Zahlen am Dienstag nach Börsenschluss vorlegen.

Bei Twitter kann man bis zu 140 Zeichen lange Mitteilungen online veröffentlichen. Der Dienst hat sich unter anderem zu einem vielgenutzten Verbreitungskanal für aktuelle Nachrichten entwickelt. Twitter tut sich bisher allerdings schwer, mit seinem Angebot Geld zu verdienen.

Viel Gezwitscher, kein Gewinn - Twitter verärgert Anleger

Video: Viel Gezwitscher, kein Gewinn - Twitter verärgert Anleger

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×