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06.01.2012

06:55 Uhr

Quote sei zu gering

RTL fordert Ende der Digitalkanäle von ARD und ZDF

VonHans-Peter Siebenhaar

ExklusivDer Streit über die Zukunft der Digitalsender von ARD und ZDF eskaliert: RTL fordert die Aufgabe von Sendern wie ZDF Neo, Eins Extra oder Eins Festival. Die Begründung dürfte so manchem Zuschauer einleuchten.

Mehr Information, mehr Nachrichten - das versprechen die Digitalkanäle von ARD und ZDF. dpa

Mehr Information, mehr Nachrichten - das versprechen die Digitalkanäle von ARD und ZDF.

DüsseldorfDeutschlands größter Privatsender RTL fordert angesichts mangelnden Zuschauerinteresses eine Aufgabe von Kanälen wie Eins Festival, Eins Extra, ZDF Info und ZDF Kultur. "Die Einstellung der vier Digitalkanäle von ARD und ZDF ist überfällig. Denn die Sender finden seit Jahren keine Akzeptanz. Sie erreichen nur eine Zuschauerquote zwischen null und 0,1 Prozent", sagte Tobias Schmid, Medienpolitik-Chef der RTL-Sendergruppe (RTL, Vox, Super RTL, N-TV), dem Handelsblatt.

Aus der Sicht der Bertelsmann-Tochter sind die Digitalsender ein trojanisches Pferd, um die Expansion im Internet voranzutreiben. "ARD und ZDF versenden in ihren Digitalkanälen Inhalte vor allem, um sie danach im Netz nutzen zu dürfen. Das ist ebenso absurd wie durchsichtig", sagte Schmid. Laut Rundfunkstaatsvertrag können ARD und ZDF nur Beiträge ins Netz stellen, wenn sie zuvor auf einem ihrer Sender gelaufen sind.

Die digitale Welt von ARD und ZDF

Die digitale Welt von ARD und ZDF

Kurt Beck fordert die Einstellung von vier Digitalkanälen von ARD und ZDF und eine neue Kultur des Sparens. Er könnte sich vorstellen, dass ARD und ZDF zunächst ihre Infokanäle aufgeben und Phoenix als gemeinsamen Ereignis- und Dokumentationskanal stärken. Ein Überblick über die digitale Fernsehwelt der Sender.

Eins Extra

Tagesschau im Viertelstundentakt, Nachrichten rund um die Uhr, zumindest über weite Strecken des Tages. Vieles wird von den Dritten Programmen und der Tagesschau-Redaktion wiederverwertet, aber einen schnellen Überblick bietet Eins Extra allemal.

Eins Plus

Das Familienprogramm versteht sich als qualitativ „hochwertiges Service-Angebot“, das grundsätzliche Kenntnisse über wissenschaftliche, gesellschaftliche und ökonomische Zusammenhänge vermitteln will.

Eins Festival

Wie der Name schon sagt, sind Showevents ein wesentliches Element. Doch das Programm ist insgesamt ein Mischmach als Wiederholungen von Dokumentation, Serien á la „Sturm der Liebe“ und Filmen.

ZDF Neo

ZDF Neo ist aus dem Dokukanal hervorgegangen und soll vor allem jüngere Zuschauer ansprechen. Lebensnah soll das Programm sein. Es besteht aus sogenannten „Factual Entertainment-Formaten“, Servicesendungen, Dokumentationen, Musiksendungen, Spielfilmen, internationalen Kaufserien und Comedy-Formaten.

ZDf Info

ZDF Info steht für Information, Hintergrund und Service. Schwerpunkte bilden die Ressorts Zeitgeschichte, Europa, Politik, Wissen, Expedition und Gesellschaft. Der Kanal will durch crossmediale Verwertung "eine Brücke in die Welt der politischen Diskussion und Meinungsbildung im Internet" schlagen, und "Fernsehen zum Mitreden“ bieten.

ZDF Kultur

ZDF Kultur versteht sich als "Spiegelbild eines veränderten Lebensgefühls und Kulturverständnisses, das Hochkultur und Popkultur miteinander verbindet". Tragende Programmsäulen sind Popkultur und alle Formen des Spiels - vom Theaterspiel bis zur Netz- und Computerspielkultur. Vor allem Musikrichtungen, wie Indie-Rock und -Pop, Heavy Metal, Hip-Hop, Jazz oder Electronic Music finden in ZDF Kultur ihre Heimat.

Das ZDF verteidigt seine Digitalkanäle ZDF Neo, ZDF Kultur und ZDF Info gegen jegliche Kritik. "Die Länder haben uns beauftragt, derartige Programme anzubieten. Darüber können wir uns doch nicht einfach hinwegsetzen", sagte ein Vertrauter des scheidenden ZDF-Intendanten Markus Schächter.

Kommentare (70)

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KFR

06.01.2012, 07:52 Uhr

Der WDR ist noch "besser" : für 45 Minuten Regional - Programm werden auf fast einem Dutzend Kanälen für den Rest des Tages ( 1400 x 8 = 11520 Minuten ) das Haupt-Programm parallel ausgestrahlt.

tja

06.01.2012, 07:54 Uhr

wie überall bei der verwendung von öffentlichem geld > "es ist ja nicht meins".

wenn man maßnahmen einrichten würde, die den umgang mit öffentlichen mitteln schärfer kontrollieren, könnten wir uns bei den aktuellen steuersätzen jegliche debatten um schulden sparen und hätten noch geld ürig...

Gernseher

06.01.2012, 07:55 Uhr

Wahrscheinlich stiegen die "Quoten" dieser qualitativ weit über RTL-Niveau liegenden Sender nennenswert, wenn die Programmzeitschriften ihnen einen angemessenen Raum widmeten.

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