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15.01.2013

21:14 Uhr

Radikale Neuausrichtung

Geht PC-Hersteller Dell von der Börse?

Der PC-Markt ist im Umbruch – und Dell steckt mitten drin. Nun denkt der amerikanischen Hersteller offenbar darüber nach, die Börse zu verlassen, um sich neu erfinden zu können.

Dell ist in den Abwärtssog geraten – der US-Hersteller muss sich neu ausrichten. dpa

Dell ist in den Abwärtssog geraten – der US-Hersteller muss sich neu ausrichten.

San FranciscoDer schwächelnde PC-Hersteller Dell sondiert eine Übernahme durch Finanzinvestoren. Nach Auskunft von zwei mit den Verhandlungen vertrauten Personen führt Firmengründer und Großaktionär Michael Dell dazu Gespräche mit Beteiligungsfirmen. Ziel sei, den US-Konzern von der Börse zu nehmen, um ihm mehr Zeit für eine Neuausrichtung zu geben. Doch Experten zweifeln daran, ob sich der auf knapp 20 Milliarden Dollar bezifferte Deal überhaupt stemmen ließe. Es wäre die größte Private-Equity-Transaktion seit der Finanzkrise. An der Börse rissen sich die Anleger um die Dell-Aktie. Der Kurs stieg um weitere fünf Prozent nach einem Plus von 13 Prozent bereits am Montag.

Dells Gespräche sind nach Angaben von Insidern in einem fortgeschrittenen Stadium. Mindestens vier Banken seien zu einer Finanzierung des Vorhabens angesprochen worden, erfuhr Reuters von zwei mit der Sache vertrauten Personen. Der Investor Silver Lake Partners führe das Vorhaben an. Er habe Ende 2012 mit der Credit Suisse, der Bank of America, Barclays und der Royal Bank of Canada gesprochen. Dell werde von JPMorgan beraten. Den Angaben zufolge kann es schnell zu einer Entscheidung kommen.

Dem "Wall Street Journal" zufolge dauern die Gespräche seit zwei bis drei Monaten an. Eine Einigung sei in etwa sechs Wochen möglich. Dell nannte die Berichte Spekulationen.

PC-Markt Deutschland

Nicht gut in Form

Der PC-Markt in Deutschland ist umkämpft. Der Absatz ist im dritten Quartal 2012 um 19 Prozent auf 2,68 Millionen Computer gesunken, wie das auf IT-Themen spezialisierte Marktforschungsunternehmen Gartner ermittelt hat. Belebung könnte allerdings die Markteinführung des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows 8 gebracht haben – diese schlägt sich in den Zahlen noch nicht nieder.

Nummer 1: Lenovo

Die Nummer 1 in Deutschland ist Lenovo. Das chinesische Unternehmen verkaufte zwischen Juli und September 421.000 Geräte, ähnlich viele wie im Vorjahreszeitraum. Da der Markt schrumpfte, konnte Lenovo seinen Anteil damit auf 15,8 Prozent steigern.

Nummer 2: Acer

Acer musste massive Einbußen von mehr als 11 Prozent hinnehmen, verzeichnet aber trotzdem mit 14,7 Prozent etwas mehr Marktanteil als noch vor einem Jahr. 392.000 Geräte verkaufte das taiwanische Unternehmen in Deutschland.

Nummer 3: Hewlett-Packard

Noch bitterer lief es für Hewlett-Packard, einst die Nummer 1 im PC-Markt: Der US-Hersteller verkaufte im dritten Quartal nur noch 336.000 PCs, fast ein Drittel weniger als im Vorjahr. Der Marktanteil schrumpfte auf 12,6 Prozent.

Nummer 4: Dell

Dell verkaufte 206.000 PCs, rund 35.000 weniger als im dritten Quartal des Vorjahres – da andere Hersteller größere Einbußen hatten, stieg der Marktanteil damit aber leicht auf 7,7 Prozent.

Nummer 5: Asus

Ein besonders schlechtes Jahr hatte Asus: Der Absatz brach um 37,8 Prozent auf 196.000 Geräte ein. Marktanteil: 7,3 Prozent.

Analysten sprachen von grundsätzlich sinnvollen, aber schwer zu verwirklichenden Überlegungen. "Der Marktwert von Dell ist derart verfallen, dass ein Verkauf plausibel geworden ist", sagte Angelo Zino von S&P Capital IQ . "Andererseits erscheint es angesichts der schieren Größe Dells unwahrscheinlich." Die Investoren müssten wohl über 19 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. ISI-Analyst Brian Marshall sagte: "Während Umstellungsphasen kann es schwer sein, den kompletten Wert eines Unternehmens an der Börse abzubilden. Es könnte Vorteile haben, ein langfristige Transformation als Privatunternehmen zu vollziehen."
Seit einiger Zeit versucht sich Dell neu aufzustellen - als Anbieter von renditestarken Dienstleistungen und Computern für Unternehmenskunden. Als Vorbild dient der IT-Gigant IBM, der sein PC-Geschäft einst an Lenovo verkaufte, sich auf Großrechner und IT-Services verlegte und damit erfolgreich ist. Ein solcher Wandel braucht aber Zeit, und auch andere klassische Hardwarehersteller versuchen auf den Trend aufzuspringen. Für viele Privatkunden sind die Angebote der traditionellen PC-Hersteller ohnehin unattraktiv geworden. Populäre IT-Angebote für Konsumenten stammen mittlerweile meist von Apple und Samsung.

Kommentare (1)

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Mac-Harry.de

15.01.2013, 14:56 Uhr

Michael Dell empfahl Apple seinerzeit, die Aktionäre auszubezahlen und Apple zu schließen und jetzt suchen sie Unterschlup bei Finanzinvestoren. Welch seltsame Wendung: http://mac-harry.blogspot.de/2013/01/dell-verabschiedet-sich.html

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