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19.08.2011

06:49 Uhr

Radikaler Umbau

Apotheker lässt bei Hewlett Packard keinen Stein auf dem anderen

VonAxel Postinett

Hewlett Packard steht vor einem fast schon historischen Umbau. Konzernchef Leo Apotheker will das PC-Geschäft abspalten, Tablets und Smartphones aufgeben. Apotheker wagt den großen Wurf - weil er keine andere Wahl hat.

Hewlett-Packard drückt Reset-Knopf

Video: Hewlett-Packard drückt Reset-Knopf

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Palo Alto„Ich weiß, dass es den Anlegern nicht gefällt und glauben Sie mir, es gefällt mir auch nicht.“ Mit fast japanischer Reumütigkeit eröffnete Léo Apotheker, CEO von Hewlett Packard, Analysten und Journalisten in einer Telefonkonferenz die traurige Wahrheit - nämlich den Umbau des Computerkonzerns, bei dem kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Der weltgrößte IT-Konzern plant die größte Reorganisation seit Jahren, die PC-Sparte wird abgespalten. HP prüfe alle Optionen, heißt es, was also auch einen Verkauf einschließt.

Der erst vor gut 16 Monaten begonnene Wiedereinstieg in das Smartphone-Business und der Aufbau eines Tablet-PC-Geschäfts werden ebenfalls beerdigt. Die Entwicklung von webOS, einem Betriebssystem, das zusammen mit Palm übernommen wurde, wird eingestellt, ebenso der Hardwareverkauf. Damit ist die Investition von knapp 1,3 Milliarden Dollar in Palm ein Totalausfall.

Die Prognosen für das gesamte Geschäftsjahr werden zurückgenommen und massive Umbauten in der Unternehmensstruktur werden das Unternehmen belasten, ebenso wie eine teure Großakquisition. „Aber“, so Apotheker weiter, „das stellt realistisch dar, wo wir sind und welchen Herausforderungen wir uns gegenübersehen. Ich glaube an Transparenz.“

An der Börse sorgte Apotheker damit nicht für gute Stimmung. Der Aktienkurs gab zeitweise deutlich nach.

Nun also die Reorganisation, der vor allem das Geschäft mit Smartphones zum Opfer fällt. Ein Käufer wird gesucht. Kandidaten könnten unter anderem Samsung oder HTC sein.

Beide Smartphone-Riesen bauen auf das Betriebssystem Android von Google und sehen sich einer verschärften Konkurrenz gegenüber, seit der Webriese angekündigt hat für 12,5 Milliarden Dollar Motorola Mobility zu übernehmen. Mit webOS, könnten sie sich eine schlüsselfertige Alternative zu Android kaufen. Beide Konzerne haben ganz im Gegensatz zu HP langjährige Erfahrung mit Smartphones.

Apotheker erläuterte, er sei offen für alle Optionen, um den „Wert der Software zu optimieren“. Insofern sei ein Lizenzvergabe denkbar, doch das war bereits ein Angebot von HP, von dem niemand Gebrauch machen wollte. Ein Öffnung der Plattform ist im Gespräch. Dann würde webOS allen Entwicklern kostenlos zur Verfügung gestellt - so wie Googles Android.

Welchem Betriebssystem sich die PC-Sparte in Zukunft zuwenden werde, sei noch völlig offen. Klar ist nur, dass ein neues Tablet-Geschäft her muss in der dann autarken PC-Sparte, sonst verliert sie weiter an Boden. Optionen wären hier Microsofts Windows Phone 7, Googles Android oder Blackberrys QNX.

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