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06.02.2014

10:39 Uhr

Radikaler Umbau

Sony stellt Fernsehgeschäft in Frage

Bei Sony läuft das Geschäft schlechter als erwartet, der Elektronikkonzern streicht seine Prognose zusammen. Firmenchef Hirai gliedert nun sogar die TV-Sparte in eine eigene Tochter aus – und sie zu verkaufen?

Sony ist tief in der Krise: Der japanische Konzern will sein PC-Geschäft verkaufen. dpa

Sony ist tief in der Krise: Der japanische Konzern will sein PC-Geschäft verkaufen.

TokioDer Elektronik-Riese Sony greift zu drastischen Schritten, um seine Verluste zu stoppen. Der japanische Konzern stößt das PC-Geschäft ab und will 5000 Jobs abbauen. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Sony nun statt des erhofften Gewinns rote Zahlen von 110 Milliarden Yen (gut 800 Mio Euro). Die seit Jahren verlustreiche Fernseher-Sparte wird in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert.

Das PC-Geschäft mit der Marke Vaio soll an den Tokioter Investmentfonds Japan Industrial Partners gehen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Der PC-Markt ist auf einer rasanten Talfahrt, weil die Kunden lieber Smartphones und Tablets kaufen. Allein im vergangenen Jahr schrumpfte der branchenweite Absatz der Notebooks und Desktop-Rechner um zehn Prozent.

Konzernchef Kazuo Hirai war bei Sony als Sanierer angetreten und steht unter Druck, schneller das Steuer bei dem Traditionskonzern herumzureißen. Das größte Problem ist das Geschäft mit TV-Geräten, in dem Sony seit Jahren in großem Stil Geld verliert. Die zum Juli geplante Abspaltung in eine eigene Gesellschaft wirft die Frage auf, ob Hirai nicht mit dem Gedanken spielt, diesen Kernbereich auch abzustoßen.

Sony in der Dauerkrise

„One Sony“

Sony tut sich seit Jahren schwer. Als Kazuo Hirai Anfang 2012 den Chefposten übernahm, gab er die Devise „One Sony, One Management“ aus. Er will den japanischen Konzern in den drei Kernbereichen Smartphones, Digitalkameras und Computerspiele wieder zu einem schlagkräftigen Wettbewerber machen.

Ohne Partner im Smartphone-Geschäft

Große Hoffnung setzt Sony in das Smartphone-Geschäft. Deswegen übernahm der Konzern 2012 vom schwedischen Partner Ericcson dessen Anteile am schwächelnden Handy-Hersteller Sony Ericsson. Mit einem Angebot aus einer Hand will Sony gegen Wettbewerber wie Apple, Samsung und LG Boden gutmachen. Allerdings wird der Wettbewerb immer härter, chinesische Hersteller drängen mit günstigen Preisen in den Markt.

Eintritt ins Wohnzimmer

Mit seiner Playstation ist Sony unter Computerspielern eine feste Größe. Das neue Gerät, die seit Ende 2013 verkaufte Playstation 4, soll den Verkauf von Hardware und Software wieder ankurbeln. Das Geschäft läuft rund, Sony verkauft deutlich mehr Geräte als der Konkurrent Microsoft mit seiner Xbox One.

Probleme im Kamerageschäft

Das Kamerageschäft ist eine der drei großen Sony-Sparten, und auch hier tut sich der Konzern schwer. Der Absatz von Kameras und Camcordern sinkt, gerade kompakte Geräte leiden unter der Konkurrenz durch Smartphones. Allerdings profitiert Sony von der Nachfrage nach seinen Bildsensoren.

Raus aus dem PC-Markt

Der PC-Markt schrumpft – und Sony will nicht mehr mitschrumpfen: Der Konzern hat 2014 den Geschäftsbereich mit der Marke Vaio an einen Investmentfonds verkauft.

Keine Lösung fürs TV-Geschäft

Der Wettbewerb auf dem TV-Markt ist brutal – darunter leidet auch Sony, der Konzern schreibt mit Fernsehern seit Jahren Verluste. Nun gliedert er die Sparte in eine separate Gesellschaft aus. Was das Unternehmen damit plant, ist derzeit unklar.

Filmstudio leidet unter Cyberangriff

In den traditionellen Geschäftszweigen Film und Musik läuft es bei Sony meistens gut. Allerdings erschütterte Ende 2014 ein Hackerangriff das Hollywood-Studio Sony Pictures. Die Angreifer veröffentlichten zahlreiche vertrauliche Daten im Netz, darunter auch unveröffentlichte Filme und Skripte.

Sony betonte am Donnerstag die bisherigen Fortschritte in der Fernsehgeräte-Sparte. Zwar werde wegen der Abschwächung des Geschäfts in Schwellenländern das Ziel verfehlt, sie in die schwarzen Zahlen zu bringen. Der Verlust werde im laufenden Geschäftsjahr aber auf rund 25 Milliarden Yen (gut 180 Mio Euro) gedrückt. In den Jahren davor seien es jeweils 147,5 und knapp 70 Milliarden Yen gewesen.

Sony hoffte zuletzt noch auf einen Konzerngewinn von 30 Milliarden Yen in dem bis Ende März laufenden Geschäftsjahr. In den ersten neun Monaten gab es dank des schwachen Yen einen Nettogewinn von 11,2 Milliarden Yen. Jetzt werden die Kosten des Umbaus aber die Bilanz verhageln. Bei dem Stellenabbau sollen 1500 Jobs in Japan und 3500 im Ausland wegfallen.

Die aktuellen Quartalszahlen machen klar, wo die Probleme liegen. Die Geräte-Sparte mit Smartphones, Tablets und PCs verlor 12,6 Milliarden Yen (92 Mio Euro). Im Geschäft mit Unterhaltungselektronik gab es trotz roter Zahlen bei Fernsehern einen operativen Gewinn von 6,4 Milliarden Yen. Die Spiele-Sparte ging mit dem Start der neuen Konsole Playstation 4 durch die Decke und verdiente 18 Milliarden Yen.

Zugleich erwies sich das Entertainment-Geschäft abermals als wichtiger Stützpfeiler. Das Filmstudio erwirtschaftete dank Hits wie „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“ einen operativen Gewinn von 24,3 Milliarden Yen, und der Musikbereich brachte 21,7 Milliarden Yen ein. Der US-Investor Daniel Loeb drängt Sony derzeit dazu, den Entertainment-Bereich an die Börse zu bringen und das Geld in die Sanierung der Elektronik-Sparte zu stecken. Mit der Abspaltung des Fernsehgeräte-Geschäfts könnte Sony jedoch umgekehrt den Plan verfolgen, sich auf Unterhaltung zu konzentrieren.

Von

dpa

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