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13.08.2015

19:35 Uhr

Ralph Dommermuth

„Der Trend geht zur zweiten Sim-Karte“

VonIna Karabasz

United Internet, bekannt durch 1&1 oder GMX, hat starke Zahlen vorgelegt. Im Interview spricht Ralph Dommermuth, Chef und größter Anteilseigner, über Sim-Karten, Übernahmen und warum der Dax nicht wichtig ist.

Der Chef von United Internet kann gute Zahlen vorweisen. dpa

Ralph Dommermuth

Der Chef von United Internet kann gute Zahlen vorweisen.

Der Internetmilliardär Ralph Dommermuth ist trotz Erkältung guter Dinge. Der Chef des im TecDax notierten Konzerns United Internet konnte eine erfreuliche Bilanz des vergangenen Halbjahres präsentieren. Umsatz, Ergebnis, Kundenzahlen – alles stieg, und zwar deutlich.

Herr Dommermuth, ihr bereinigter Gewinn hat im ersten Halbjahr um fast 50 Prozent zugenommen. Kann das so weiter gehen?
Ich sehe das wie Erich Honecker (lacht): Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Wir wollen in diesem Jahr 80.000 mehr Kunden gewinnen als die 800.000, die wir bisher prognostiziert haben. Aber natürlich ist es leichter auf niedriger Basis zu wachsen, mit zunehmender Größe wird es schwieriger. Außerdem hatten wir im ersten Halbjahr durch die Übernahme von Versatel auch unorganisches Wachstum. Trotzdem wollen wir beim Tempo nicht nachlassen.

United Internet: Internetdienstleister verdient deutlich mehr

United Internet

Internetdienstleister verdient deutlich mehr

Der Internetdienstleister United Internet hat im ersten Halbjahr deutlich mehr verdient als erwartet. Trotz höherer Ziele beim Kundenzuwachs macht der Konzern keine Abstriche bei seiner Gewinnprognose.

Wird der Markt das denn hergeben?
Im DSL-Bereich sehen wir, dass das Wachstum abflacht. Jeder braucht nur einen Festnetzanschluss. Auch im Mobilfunk wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel. Aber wir partizipieren davon, dass mehr Sim-Karten im Umlauf sind. Der Trend geht zur zweiten Karte für Tablet und Notebook oder zum zweiten Mobilgerät. Das wird auch durch das Internet der Dinge noch weiter zunehmen.

Wie wollen Sie vom Internet der Dinge profitieren?
Wir bieten bereits jetzt in unserem DSL-Portfolio Geräte für die intelligente Stromsteuerung an. Ähnliches wird es auch für die Heizung geben. Unsere WLan-Router sind prädestiniert dafür, eine Steuerungsrolle übernehmen zu können. Wir wollen keine intelligenten Produkte wie Kühlschränke bauen, aber wir wollen die richtigen Werkzeuge anbieten, mit dem der Kunde alle Geräte ans Netzwerk anschließen kann.

Gilt das auch bei Unternehmenskunden?
Stand heute planen wir keine speziellen Produkte für Industrie-4.0-Anwendungen, aber schon jetzt schließen wir über unsere Tochter Versatel zahlreiche Maschinen direkt an.

Sie haben mit home.pl den größten Webhoster Polens gekauft und prüfen nun einen Börsengang der gesamten Webhosting-Sparte, also den Bereich für die Unterbringung von Internetseiten. Was versprechen Sie sich davon?
Wir warten gerade auf die Genehmigung der Übernahme durch das polnische Kartellamt. Wir hoffen, dass diese noch im August kommt. Unser Webhosting-Segment arbeitet sehr profitabel, durch einen Börsengang wollen wir dessen Wert sichtbarer machen. Vor allem schaffen wir somit eine Akquisitionswährung, denn auch in Zukunft wollen wir weiter in Europa Anbieter kleinere Hoster kaufen, wenn sich dazu die Gelegenheit bietet In letzter Zeit haben wir gelernt, dass einige Verkäufer lieber mit einem Anteil am neuen Unternehmen partizipieren wollen, als Bargeld zu nehmen. Durch einen Börsengang erhöhen wir unsere Beweglichkeit bei Übernahmen. Der Aufsichtsrat hat der Prüfung zugestimmt. Angedacht ist ein Börsengang im Jahr 2017, aber Zeitdruck haben wir nicht.

Sie haben zuletzt ihren Anteil am Konkurrenten Drillisch erhöht. Es wird spekuliert, dass Sie das Unternehmen ganz übernehmen wollen?
Wir haben immer gesagt, dass wir die Grenze von 30 Prozent der Anteile nicht überschreiten wollen. Unseren Anteil von derzeit 20 auf vielleicht 25 Prozent der Aktien zu erhöhen, ist natürlich immer eine Option.

Kleines Mobilfunk-Lexikon

GSM

GSM, kurz für „Global System for Mobile Communication“, war der erste digitale Mobilfunkstandard. In Deutschland wurde er in den 1990er Jahren eingeführt. Heute noch ist GSM in vielen Ländern in Betrieb, auch hierzulande. Dank der guten Versorgung scheint der Standard momentan unverzichtbar.

Edge

Edge, kurz für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“, ist eine Erweiterung des GSM-Standards, die eine Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit/Sekunde erlaubt. Nach heutigen Maßstäben ist das langsam. Dafür steht der Satz „Ich habe nur Edge“, den man etwa auf Bahnreisen oft hört.

UMTS

„Universal Mobile Telecommunications System“ ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation. UMTS ist in Deutschland und großen Teilen der Welt verbreitet und ermöglicht schnelle Datenübertragungen. Nutzer in einer Funkzelle müssen sich allerdings die Bandbreite teilen – trotz Erweiterungen beginnen die Netze, zu verstopfen.

HSPA

„High Speed Packet Access“ macht UMTS schneller: Statt Übertragungsraten von 384 Kilobit/Sekunde sind mit HSPA bis 14,4 Megabit/Sekunde möglich, der Upload wird auf bis zu 5,76 Mbit/s beschleunigt.

HSPA+

Und es geht noch schneller: HSPA+ ermöglicht Downloads mit bis zu 21 Megabit/Sekunde. Wenn Netzbetreiber und Endgerät zwei Verbindungen gleichzeitig aufbauen können, wird diese Rate noch einmal verdoppelt.

LTE oder 4G

Der Mobilfunkstandard der vierten Generation heißt LTE, kurz für „Long Term Evolution“. Er beschleunigt die Datenübertragung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde, die Weiterentwicklung Cat4 macht bis 150 Mbit/s möglich. 4G wird oft synonym für LTE benutzt.

Mit einer Übernahme wäre United Internet ein heißer Kandidat für einen Platz im Dax. Reizt Sie das nicht?
Das ist mir nicht wichtig. Und das wäre auch nicht so leicht: Schließlich halte ich nach wie vor 40 Prozent am Unternehmen. Beim Dax wird nur der Anteil der am Markt verfügbaren Aktien bewertet, und der wäre zu gering. Mein Ziel ist es, die Firma weiterzuentwickeln und ich glaube nicht, dass man das im Dax besser könnte als im TecDax, wo wir gerade gelistet sind.

Wo sehen Sie noch Investitionsmöglichkeiten?
Wir wollen in diesem Jahr 80.000 Kunden mehr gewinnen als bisher geplant. Dieses Wachstum soll vor allem aus dem Mobilfunk kommen und kostet oft einige hunderte Euro pro Kunde an Marketing und Subventionen für Smartphones. Das wird bei uns sofort als Aufwand verbucht. Darüber hinaus schauen wir mit unserem Breitband-Festnetzanbieter Versatel immer nach Möglichkeiten das Netz zu verdichten, etwa indem wir Stadtnetze zukaufen. Wir führen immer wieder Gespräche, derzeit gibt es aber keine konkrete Planung.

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