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23.12.2014

22:15 Uhr

Recht auf künstlerische Freiheit

Sony Pictures bringt „The Interview“ doch ins Kino

Trotz Hackerangriff auf Sony Pictures und Drohungen gegen Filmtheater wird „The Interview“ in ausgewählten Kinos nun doch gezeigt. Sony habe sich dafür mit dem FBI abgesprochen. Die US-Regierung lobt den Schritt.

Nach Drohungen gegen Kinos sagten große Kinoketten wegen Sicherheitsbedenken die Vorführungen von "The Interview ab. ap

Nach Drohungen gegen Kinos sagten große Kinoketten wegen Sicherheitsbedenken die Vorführungen von "The Interview ab.

Seoul/WashingtonTrotz Terrordrohungen haben sich mehrere US-Kinos nun doch für die Veröffentlichung der Nordkorea-Satire „The Interview“ an Weihnachten entschieden. Das teilte der Chef von Sony Entertainment, Michael Lynton, am Dienstag mit.

Der Film, der eine beispiellose Hackerattacke auf das Filmstudio Sony Pictures verursacht hatte, soll nun am Donnerstag laut CNN in mindestens fünf Bundesstaaten gezeigt werden, nämlich in Georgia, Ohio, Texas, Virginia und South Carolina. Große US-Kinoketten wie AMC und Regal wollten den Film, in dem es um Mordpläne gegen Diktator Kim Jong Un geht, dagegen nicht zeigen. Präsident Barack Obama lobte die Entscheidung von Sony.

Das Filmstudio habe die Hoffnung auf eine Veröffentlichung des Films niemals aufgegeben, teilte Lynton am Dienstag nach einem Bericht der „Los Angeles Times“ mit. „Wir sind stolz, ihn der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und uns gegen diejenigen gewehrt zu haben, die versuchten, die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken.“

Die US-Bundespolizei FBI habe sich mit Sony über diese Entscheidung abgestimmt, sagte ein FBI-Angehöriger zu CNN. Es werde ausgesuchte Vorstellungen am Weihnachtstag geben, berichtete Tim League, Gründer des Alamo Drafthouse Kinokette in Texas, auf Twitter. Später teilte das Plaza Atlanta Cinema in Atlanta (Georgia) mit, es zähle zu den wenigen Kinos, die den Film zeigen wollten.

Obama, der derzeit mit seiner Familie Urlaub auf Hawaii macht, lobte die Entscheidung, wie sein Vize-Sprecher Eric Schultz am Dienstag sagte. Die USA glaubten an das Recht auf freie Meinungsäußerung und künstlerische Freiheit. Die Amerikaner könnten nun selbst entscheiden, ob sie den Film sehen wollen oder nicht.

Inmitten des Streits über den Hacker-Angriff auf Sony war in Nordkorea das Internet stundenlang komplett ausgefallen. Die Verbindung zum Netz sei mehr als neun Stunden lang bis zum frühen Dienstagmorgen unterbrochen gewesen, auch danach gab es nochmals eine halbstündige Unterbrechung, schrieb die Analysefirma Dyn Research. Der Dienst beobachtet weltweit die Funktionalität des Internets.

Die einfachen Bürger Nordkoreas werden von dem Netz-Blackout vermutlich nicht viel mitbekommen haben. Der Großteil der Bevölkerung hat keinen Internetzugang.

Die US-Regierung weigert sich, zu sagen, ob die USA hinter der Panne stecken. Eine Sprecherin im Außenamt in Washington wollte nicht auf entsprechende Journalistenfragen antworten. „Ich habe heute nichts Neues über Nordkorea mitzuteilen“, sagte die Sprecherin Marie Harf.

Sie verwies lediglich auf die Ankündigung von Präsident Obama, dass es eine Reaktion auf den jüngsten Hackerangriff Nordkoreas auf das Sony-Filmstudio in den USA geben werde. Obama hatte die Drohungen gegen Kinos wegen des Filmstarts von „the Interview“ kritisiert.

Die Ausfälle im nordkoreanischen Internet ereigneten sich nur wenige Tage, nachdem die USA die nordkoreanische Führung für den digitalen Angriff auf Sony Pictures in Hollywood verantwortlich gemacht hatten. Ein US-Regierungsbeamter bestritt aber einen Bericht des Senders NBC, dass die USA etwas mit dem Ausfall zu tun hätten.

Zu den Hintergründen der Ausfälle gab es am Dienstag eine Reihe weiterer Vermutungen. Eine mögliche Ursache könne ein sogenannter DDoS-Angriff sein, bei dem Server mit massenhaften Aufrufen überflutet würden, erklärten Fachleute. Eine solche Überlastung könnten auch Angreifer mit wenig Fachkenntnis verursachen. Deshalb vermutete Matthew Prince, Chef der Sicherheitsfirma CloudFlare, in einem Gespräch mit CNN, dass hinter dem Ausfall eher jugendliche Hacker als ein Land wie die USA stünden.

Die meisten Internetverbindungen Nordkoreas laufen über China und den chinesischen Anbieter Unicom. Das führte zu Spekulationen, China habe den Nachbarn in einer Art Warnung vom Netz abgeschnitten.

Die USA hatten China nach dem Sony-Hack um Hilfe beim Vorgehen gegen Nordkorea gebeten. China reagierte allerdings bisher verhalten. Außenminister Wang Yi sagte, sein Land verurteile „jegliche Formen von Cyber-Angriffen und Cyber-Terrorismus“. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Nordkorea selbst das Internet abgeschaltet hat, etwa um eine Attacke ins Leere laufen zu lassen.

Von

dpa

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