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13.04.2006

13:18 Uhr

Regulierer senkt Interconnection-Tarif

Telekom schießt Eigentor mit Gebührenantrag

Die Bundesnetzagentur hat den Antrag der Deutschen Telekom auf höhere Gebühren für die Netzzusammenschaltung mit Wettbewerbern zurückweisen. Die Telekom muss ihre Gebühren nun im Schnitt sogar um 10 Prozent senken. Das wird sie hunderte Millionen Euro kosten.

HB/tnt DüSSELDORF. Ihre Entscheidung teilte die Bundesnetzagentur am Donnerstag mit. Behördenchef Matthias Kurth bezeichnete die Absenkung der Preise als angemessen. Sie enthalte durchaus auch Anreize für Investitionen in die Netzinfrastruktur, sagte er.

Interconnection-Gebühren fallen an für Anrufe aus anderen Netzen in das Telekom-Festnetz, bei Call-by-call-Anrufen sowie bei der so genannten Preselection, bei der der Anschluss über die Telekom erfolgt, die Gespräche jedoch automatisch über einen anderen Anbieter geführt werden. In allen Fällen nutzen dabei Wettbewerber einen oder mehrere Teile des Festnetzes der Deutschen Telekom.

Die Deutsche Telekom befürchtet aufgrund der Entscheidung der Netzagentur einen Netto-Einnahmeverlust von rund 200 Mill. Euro in den nächsten drei Jahren. Das sagte Frank Schmidt, Leiter der Regulierungsabteilung bei der T-Com, am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz. Dieser Ausfall werde „eins zu eins“ auf das Nettoergebnis durchschlagen, fügte Schmidt hinzu. Er kündigte eine genaue Prüfung der Entscheidung der Netzagentur an. Die Telekom behalte sich rechtliche Schritte dagegen vor.

Die Telekom hatte die beantragte Anhebung mit dem sinkenden Aufkommen im Festnetz begründet – hierdurch steigen die relativen Kosten je Gespräch. Hintergrund ist die zunehmende Handy-Nutzung sowie der Erfolg von Konkurrenten mit eigenem Netz.

Die Interconnection–Gebühren richten sich nach der Zahl der Netzebenen, die Wettbewerber von der Telekom nutzen. Auf der untersten Ebene gibt es 474 Übergabepunkte, an denen Wettbewerber Verbindungen von ihrem Netz ins Festnetz der Telekom überleiten können. Der Antrag der Telekom sah nun vor, gerade die Tarife auf dieser untersten Netzebene anzuheben, während sie auf übergeordneten Ebenen abgesenkt werden sollten. Diese werden aber kaum noch genutzt, denn mittlerweile haben bereits fünf Konkurrenten ihr Netz an allen Übergabepunkten mit dem Festnetz der Telekom verbunden.

Diese Gebühr sollte laut Antrag der Telekom von 0,49 Cent auf 0,665 Cent pro Minute erhöht werden. „Das hätte jedoch gerade diejenigen Telekommunikationsanbieter bestraft, die in eigene Infrastruktur investiert und ihr Netz ausgebaut haben“, kritisierte der Geschäftsführer des Verbandes der alternativen Telekommunikations- und Mehrwertdiensteanbieter (VATM) Jürgen Grützner bereits Anfang Februar. In der Vergangenheit hatte gerade die Telekom immer wieder gefordert, Wettbewerber sollten in eigene Infrastruktur investieren statt das Netz der Telekom zu nutzen.

Laut Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur wurden im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der Fernverbindungen und mehr als ein Drittel der Ortsverbindungen im Telefonmarkt von Wettbewerbern der T-Com abgewickelt. Doch neben Festnetz-Konkurrenten und Mobilfunk macht dem klassischen Telefoniegeschäft auch die wachsende Nutzung von „Voice-over-IP“, also die Internettelefonie zu schaffen.

Doch damit nicht genug: Neben diesen Internet-Service-Providern formieren sich vor allem bei den TV-Kabelnetzbetreibern weitere Angreifer, die sich Anteile am Telefonie-Massenmarkt sichern wollen.

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