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25.01.2013

06:49 Uhr

Rekordergebnis

Samsung hängt Apple bei Smartphones ab

VonMartin Kölling

Südkoreas größter Elektronikkonzern erzielt einen neuen Fabelrekord bei Gewinn und Umsatz. Die erstarkte koreanische Währung drückt ein wenig auf die gute Stimmung – und es gibt auch technische Achillesfersen.

Ein Samsung-Smartphone des Typs Galaxy S III. dpa

Ein Samsung-Smartphone des Typs Galaxy S III.

TokioSamsung stürmt angetrieben vom Verkaufsboom seiner Handys, Tablets und Fernseher weiter voran. Im vierten Quartal und im Jahr 2012 verkaufte und verdiente Südkoreas größter Elektronikkonzern erneut so viel wie nie zuvor. Und viele Analysten rechnen damit, dass Samsung seine Rekordjagd auch 2013 fortsetzen wird. Allerdings betrübte die Investoren die Aussicht, dass der erstarkte koreanische Won das Ergebnis im laufenden Jahr deutlich drücken könnte.

Dennoch: „Ich erwarte, dass der Betriebsgewinn 2013 um 27 Prozent steigen wird, dank des Verkaufsstarts neuer Smartphones und Tablets“, sagt CW Chung, Technikanalyst der japanischen Investmentbank Nomura. Und derweil Apples Aktie wie ein Stein fällt, rät er dazu, sich in Samsungs Wachstum einzukaufen – obwohl die Aktie am Freitag in Korea mehr als zwei Prozent einbüßte.

Im vergangenen Jahr verkaufte Samsung 213 Millionen Smartphones wie etwa die Geräte der Galaxy-Baureihe – nach 97,4 Millionen im Vorjahr. Apple setzte im gleichen Zeitraum 135,8 Millionen iPhones ab (2011: 93 Millionen) und Nokia 35 Millionen Geräte (2011: 77,3 Millionen).

Seit 2009 erhöhte der Konzern seinen Marktanteil bei Handys von vier auf 30 Prozent im Jahr 2012, zeigt eine Statistik Standard & Poor's Capital IQ. Und damit erhöhte er im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 73 Prozent auf 201 Billionen Won (141 Milliarden Euro) und seinen Reingewinn um 86 Prozent auf 29 Billionen Won (20 Milliarden Euro).

Die Geschichte von Samsung

Konzern mit langer Geschichte

Smartphones, Fernseher, Computer, Kameras, und und und: Samsung ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Die Geschichte des südkoreanischen Mischkonzerns begann Ende der 30er Jahre.

Trockennahrung und Getreidemühlen

Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.

Umzug im Korea-Krieg

Während des Koreakrieges (1950-53) musste Lee Byung Chul die Hauptstadt Seoul verlassen, in Busan eröffnete er eine Zuckerraffinerie. Nach dem Krieg gründete er auch eine Textilienfirma und baute eine Fabrik.

Lebensversicherungen

1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft ist größter Versicherer in Südkorea.

Fernseher und Kühlschränke

Ende der 1960er Jahre fängt Samsung an, Elektronik zu produzieren. So kommt 1970 ein Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Markt. Vier Jahre später erweitert der Konzern seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.

Telekommunikationsausrüstung

1980 übernahm Samsung einen Hersteller von Telekommunikationsausrüstung – die Grundlage für das heutige Handygeschäft.

Generationswechsel und Umstrukturierung

Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte. Er teilte den Konzern in vier Gruppen, darunter die heute so bekannte Elektroniksparte.

Autotelefone und Smartphones

In den 1980er Jahren brachte Samsung erste Autotelefone heraus. In den 1990er Jahren verkaufte der Konzern Handys, seit den 2000er Jahren auch Smartphones. Inzwischen ist Samsung der größte Anbieter in diesem Segment, noch vor Apple und Nokia.

Tablet-Computer und intelligente Uhren

Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt geschaffen, Samsung macht dem kalifornischen Konzern mit seinen Galaxy-Tab-Geräten aber inzwischen enorm Konkurrenz. Außerdem hat der südkoreanische Hersteller mit der Galaxy Gear eine Smartwatch herausgebracht.

Auch das vierte Quartal übertraf alle Erwartungen. Das Unternehmen konnte nicht nur nochmals sieben Prozent mehr als im Quartal zuvor verkaufen. Auch der Betriebsgewinn stieg um weitere acht Prozent. Damit spielt es beim Umsatz in einer Liga mit dem Apple-Konzern.

Aber ein Vergleich der Profitabilität macht deutlich, dass hier zwei ungleiche Konzerne antreten. Mit 16 Prozent erzielte Samsung im Weihnachtsquartal zwar eine Umsatzrendite, von der andere Elektronikhersteller in der Welt nur träumen können. Aber sie war nur halb so hoch wie Apples.

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Kommentare (20)

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MaxMeyer

25.01.2013, 08:23 Uhr

Diese Einschätzung ist Unsinn. Ein Samsung bekommt man mehr oder weniger geschenkt, d.h. starkt subventiniert über einem Providervertrag. Für ein Iphone müssen Sie entweder echt Geld auf den Tisch legen (700€!), oder über einen Providervertrag stark zuzahlen ("abzahlen"). Die Appel Klientel wird es auch in 5 Jahren noch geben, die Frage ist aber, was sich die heutigen Samsung- Kunden dann noch leisten können...

BGC

25.01.2013, 08:35 Uhr

"Damit hat Samsung selbst bei Smartphones Apple schon lange deklassiert"

"Deklassiert" ist was anderes als "den Markt überschwemmt" - und Samsung (wie auch Amazon) publiziert keine Verkaufzahlen der Produktserien. Es bleibt daher alles beim alten - alles nur geschätzt oder gefühlt.

Dennoch - es hast Samsung gut getan, sich nach ursächlichem Erfolg aus dem Schatten der Apple Kopien zu befreien. Manche Samsung Smartphones sind überaus interessant und schaffen ihre eigenen Nischen (Phablet, Phonblet usw) und dadurch auf gänzlich neue Märkte und Bedürfnisse.

Ich würde meine iPhone nicht eintauschen, aber ich bin froh, dass mit Samsung ein starker Mittbewerber gewachsen ist. Wenn Samsung jetzt noch sein eigenes Betriebssystem ohne den Datensammler Android entwickelt, dann haben wir 3 sehr starke Wettbewerber und eine unglaubliche Innovationskraft wird freigesetzt.

Mac-Harry.de

25.01.2013, 08:35 Uhr

213 Mio Smartphones, darunter über die Hälfte Billig Phones, so dass hier Audi A5 und Audi A6 (=Apple) mit dem Gesamtabsatz von Ford, inkl dem Ford Ka und sonstigen Kleinwagen bis hin zum Premium-Auto verglichen wird. Sehr gute journalistische Leistung. Das informiert und Leser auf sehr hohem Niveau. So sind wir es vom Handelsblatt gewohnt. Danke, liebe Redaktion. Weiter so ...

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