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28.09.2013

14:49 Uhr

Riesige Bestellungen

Regierung kauft bei Blackberry kräftig ein

Blackberry hat schon bessere Zeiten erlebt. Zuletzt schrieb der Konzern riesige Verluste. Doch nicht jede Einnahmequelle bricht weg. Die Bundesregierung hält weiterhin fest am kanadischen Smartphone-Hersteller.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Hochsicherheitsversion des Z10 von Blackberry. Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Hochsicherheitsversion des Z10 von Blackberry.

BerlinDer kriselnde kanadische Smartphone-Hersteller Blackberry macht gute Geschäfte mit deutschen Behörden. 20 Behörden, darunter neun der 14 Ministerien, hätten bereits die Hochsicherheitsvariante des Blackberry-Modells Z10 bestellt, sagte der Chef des Düsseldorfer Sicherheitsspezialisten Secusmart, Hans-Christoph Quelle, der „Wirtschaftswoche“ laut eine Vorabmeldung vom Samstag. Secusmart rüstet die Blackberry-Handys mit einer zusätzlichen Chipkarte aus, die Daten und Gespräche verschlüsselt.

Die hoch sicheren Blackberry-Geräte sind seit Juli erhältlich, sie kosten 2500 Euro pro Stück. „Wenige Tage nach der Zulassung gab es bereits 1200 Bestellungen“, sagte Quelle. Konkurrent des Secusmart-Blackberry ist ein Gerät, das die Deutsche Telekom auf Basis des beliebten Samsung Galaxy S3 entwickelt hat. Das Simko 3 hatte kürzlich die Zulassung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik erhalten.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Ein Telekom-Sprecher konnte am Samstag auf Nachfrage keine Bestellzahlen nennen, er versicherte aber: „Die Nachfrage hat uns förmlich überrollt.“ Auch zahlreiche Unternehmen und ausländische Regierungen sind demnach an dem Gerät interessiert.

Beide Telefone dürfen für die Geheimhaltungsstufe VS-NfD eingesetzt werden. „Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch“ ist die unterste von insgesamt vier Vertraulichkeitsstufen des Staates. Es gibt auch „Verschlusssache - Vertraulich“, „Geheim“ und „Streng Geheim“.

Von

afp

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

28.09.2013, 15:33 Uhr

Die Bundesregierung hat auch noch über Deutschlands dümmster Bank hunderte Millionen zu Lehman Bros. überwiesen, als die längstens pleite waren.
Danke, Frau Merkel. So geht Geld.
Da brauchen wir uns über Griechenland gar keine Sorgen mehr zu machen, das Geld ist bereits weg.

Account gelöscht!

28.09.2013, 17:02 Uhr

Ach so geht das, man muss sich nur so ein Gerät bestellen und schon kann man auch als Otto-Normal nicht mehr abgehört werden? Die Billigheimer müssen weiterhin Apple, Google etc. dienen damit man weiß was so Sache ist?
Oder mach ich da jetzt einen Denkfehler?

AdamW

28.09.2013, 18:28 Uhr

Die Blackberries gehören immer noch zu den sichersten Geräten. Und mit der Erweiterung von Secusmart im SD Slot sind sie abhörsicher. Ist doch klasse. Ich hatte alle aktuellen BlackBerry Geräte im Test und bin beim hervorragenden Q10 geblieben. Bin sehr zufrieden!

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