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20.04.2016

19:17 Uhr

Ringier

Schweizer Medienhaus will zurück in den Milliardärsclub

VonHolger Alich

Die kräftigen Investitionen ins Digitalgeschäft sollen sich auszahlen, sagt der Schweizer Verleger Michael Ringier. Mit seinem Medienhaus will er wieder einen Milliardenumsatz einfahren.

Das Medienhaus Ringier will beim Umsatz deutlich zulegen. picture alliance/KEYSTONE

Schweizer Verleger Michael Ringier

Das Medienhaus Ringier will beim Umsatz deutlich zulegen.

ZürichMichael Ringier ist ein Verleger alter Schule. Der Präsident und Miteigentümer des größten Schweizer Medienhauses erfreut sich zwar daran, dass sein Unternehmen immer stärker im digitalen Geschäft Fuß fasst. Mittlerweile stammen 61 Prozent des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 96,1 Millionen Franken aus digitalen Geschäften, wie Kleinanzeigen-Anzeigen  (Jobs.ch und die Schweizer Scout-Portale) und E-Commerce (Dein-Deal). „Der steigende Anteil der Digital-Geschäfte am Ebitda hängt aber auch damit zusammen, dass die traditionellen Aktivitäten weniger verdienen“, bedauerte der Medienunternehmer bei der Vorstellung des Jahresberichts.

Ringier verlegt über 120 Zeitungen wie den „Blick“ und Zeitschriften („Schweizer Illustrierte, „Landliebe“), und hat in den vergangenen Jahren ähnlich wie der deutsche Springer-Konzern stark diversifiziert: Ringer handelt mittlerweile mit Sportrechten, verkauft Tickets, organisiert Events und investierte in den vergangenen sieben Jahren rund 1,7 Milliarden Franken in digitale Geschäftsfelder, wie das führende Job-Portal der Schweiz, Jobs.ch.

Die hohen Investitionen haben aber auch ihre Schatten-Seiten: Denn anders als börsennotierte Unternehmen stellt Ringier die Bilanz nach Schweizer Rechnungslegungsgrundsätzen auf, und nicht nach dem internationalen Standard IFRS. Das bedeutet, dass Ringier Abschreibungen auf Zukäufe regelmäßig vornimmt und nicht erst dann, wenn eingetrübte Geschäftsaussichten eine Sonder-Wertberichtigung nötig machen.

Die Abschreibungen halbierten den Konzerngewinn im vergangenen Jahr auf noch 11,3 Millionen Franken. Auf welche Beteiligungen Wertberichtigungen gebucht worden sind, wollte Konzern-CEO Marc Walder nicht verraten. „Im kommenden Geschäftsjahr werden unsere Digital-Geschäfte aber auch den Netto-Gewinn wieder wachsen lassen“, versprach er, „zudem werden wir wieder mehr als eine Milliarde Umsatz machen.“

2015 war der Umsatz wegen des starken Franken und aufgrund der Verkäufen der Aktivitäten in Tschechien von 988 auf 946 Millionen Franken gefallen. Deutlich gestiegen ist indes das Ebitda von 82,3 auf 96,1 Millionen Franken. Das sieht Walder als Zeichen, dass die Hinwendung zu digitalen Geschäften Früchte trägt. Vom Werbemarkt im klassischen Print-Geschäft erwartet er keine Impulse: „Die Einnahmen werden branchenweit weiter mit fünf bis sechs Prozent pro Jahr sinken“, so seiner Prognose.

Ringier versucht stets, auch publizistisch in Sachen Technologie vorne dabei zu sein. Da Facebook Milliarden in den Kauf des Herstellers von 3-D-Brillen Oculus Rift investiert hat, soll Blick bereits in diesem Sommer eine App für Virtuell Reality anbieten. „Damit werden wir die ersten in Europa sein“, meint Walder.

Große Hoffnungen setzt Ringier auch auf die neue Vermarktungs-Gemeinschaft Admeira. In ihr haben sich in diesem Jahr die Werbevermarkter Ringiers, die der öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Anstalt SRG sowie der halbstaatlichen Swisscom verbündet, um im Online-Werbemarkt Google & Co. Marktanteile abzujagen. Allein die bestehenden Geschäfte haben laut CEO Walder ein Umsatzvolumen von 650 Millionen Franken.

In der Schweizer Verlagswelt ist die Werbeallianz umstritten, Wettbewerber beklagen eine Monopolstellung. Doch die Kartellbehörden haben dem neuen Verbund ihren Segen gegeben.

Weniger erfolgreich war Ringiers Ausflug auf den deutschen Markt: In diesem Frühjahr wurde bekannt, dass die Schweizer das Politik-Magazin Cicero und das Kunst-Blatt Monopol mit Wirkung vom 1. Mai an die Cicero-Chefredaktion verkaufen.

Verleger Michael Ringier nimmt es mit Humor: „Zumindest journalistisch haben wir so in Deutschland Spuren hinterlassen“, meinte er, und ergänzte: „aber auch in meiner Bilanz.“

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