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05.12.2016

17:47 Uhr

Robotron-Aus

Als Deutschland noch Computer baute

Das Ende für Robotron kam schnell: Vor 25 Jahren wurde die Produktion von DDR-Computern wie dem „PC 1715“ gestoppt, fast 10.000 Menschen verloren ihren Job. Wie steht es heute um die Computerindustrie in Deutschland?

Weit über 500 Rechenmaschinen, Computer, Drucker und Spielautomaten haben die Mitglieder des Vereins bisher zusammengetragen. Von der mechanischen Rechenmaschine bis zum Großrechner aus der Industrie bietet das Museum einen Blick auf die Entwicklung der Rechentechnik. Schwerpunkt dabei sind Geräte aus der DDR-Zeit. dpa

Robotron-Computer im Museum Halle

Weit über 500 Rechenmaschinen, Computer, Drucker und Spielautomaten haben die Mitglieder des Vereins bisher zusammengetragen. Von der mechanischen Rechenmaschine bis zum Großrechner aus der Industrie bietet das Museum einen Blick auf die Entwicklung der Rechentechnik. Schwerpunkt dabei sind Geräte aus der DDR-Zeit.

Sömmerda/Augsburg„Es war eine Katastrophe“ - Ralf Hauboldt, heute Bürgermeister von Sömmerda, war einer von fast 10.000 Arbeitnehmern, für die am 5. Dezember 1991 das bisherige Berufsleben endete. An dem Tag im Advent vor 25 Jahren kam das endgültige Aus für die DDR-Computerproduktion im thüringischen Sömmerda - und damit für eines der größten Werke des DDR-Megakombinats Robotron mit Hauptsitz in Dresden.

Die DDR-Computer mit Namen wie „PC 1715“, von denen ab Mitte der 1980er-Jahre bis zum Produktionsstopp etwa 150.000 auch für den Ostblock gebaut wurden, sind längst verschrottet oder stehen im Museum. Noch gibt es aber Computerproduktion in Deutschland.

Für die kleine Kreisstadt Sömmerda – heute leben dort noch etwa 19.000 Menschen – war die Schließung des riesigen Werks ein gravierender Einschnitt. „Die Infrastruktur der Stadt war auf das Büromaschinenwerk ausgerichtet“, sagt Hauboldt. „Jeder zweite in Sömmerda hat dort gearbeitet.“ Doch die Katastrophe war auch ein Neuanfang: Aus dem etwa 50 Hektar großen Gelände der Büromaschinenwerk AG Sömmerda, wie das Computer- und Druckerwerk zuletzt hieß, entstand ein Industriepark. Etwa 1200 Arbeitsplätze gibt es nach Schätzungen derzeit dort.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Wie bei anderen zerfallenden DDR-Kombinaten in Jena, Dresden, Leipzig, Magdeburg oder Rostock fanden sich auch dort Gründer, die ihre berufliche Zukunft in die eigenen Hände nahmen und Teilbereiche weiterführten.

Fachleute sehen in der Region heute einen breiter aufgestellten Wirtschaftsstandort, der unter anderem von einem großen Daimler-Motorenwerk in Kölleda profitiert. „Sömmerda hat sich wirtschaftlich erholt. Wir haben jetzt eine Arbeitslosenquote um fünf Prozent. Das kann sich sehen lassen“, findet der Bürgermeister. Allerdings habe die Krise dazu geführt, dass viele Facharbeiter, darunter fast eine Generationen an Werkzeugmachern, anderswo ihr berufliches Glück fanden. „Jetzt suchen die Unternehmen qualifizierte Leute“, so Hauboldt.

Doch was ist aus der Computerproduktion geworden? Über mehrere Etappen mit Neugründungen ist damit seit einigen Jahren in Sömmerda endgültig Schluss. Der Fujitsu-Konzern, nach eigenen Angaben unterhält er in Augsburg „die einzige verbliebene PC-Fertigung in Deutschland“, ist zwar noch in der Stadt und auch in Dresden vertreten. Allerdings mit Niederlassungen, die keine Computer bauen, sondern Serviceleistungen erbringen. Um Fujitsu habe sich in Sömmerda ein Firmennetz gebildet, das insgesamt rund 750 Arbeitsplätze biete, berichtet Fujitsu-Sprecher Michael Erhard.

Kommentare (1)

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05.12.2016, 17:53 Uhr

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