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12.05.2016

16:09 Uhr

Rocket Internet

Großaktionär Kinnevik will Anteil in ein paar Jahren prüfen

Streit gebe es nicht, betonen sowohl Rocket Internet wie auch Großaktionär Kinnevik. Dennoch wollen die Schweden ihr Engagement in einigen Jahren überprüfen – denn die Konkurrenz zwischen beiden Konzernen wächst.

Derzeit sieht Kinnevik sein Rocket-Internet-Investment als unterbewertet. „In ein bis zwei Jahren werden die Unternehmen im Rocket-Portfolio reifen“, so Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau. Reuters

Reifephase

Derzeit sieht Kinnevik sein Rocket-Internet-Investment als unterbewertet. „In ein bis zwei Jahren werden die Unternehmen im Rocket-Portfolio reifen“, so Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau.

StockholmDer schwedische Großaktionär Kinnevik will seine Beteiligung an der Berliner Startup-Fabrik Rocket Internet in einigen Jahren auf den Prüfstand stellen. „Der Wert von Rocket ist jetzt eindeutig gedrückt. In zwei bis drei Jahren werden die Unternehmen im Rocket-Portfolio reifen. Dann werden wird unsere Position neu bewerten“, sagte Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau der Tageszeitung „Dagens Nyheter“ von Donnerstag. Kinnevik hält nach jüngsten Angaben 13,2 Prozent an Rocket Internet.

Zuletzt hatten die Kinnevik-Vertreter den Rocket-Aufsichtsrat verlassen. Zwischen dem Startup-Entwickler und dem schwedischen Aktionär hatte es zudem Differenzen bei der Bewertung der Global Fashion Group gegeben, in der mehrere Online-Modelhändler von Rocket gebündelt sind. Die Schweden gingen von einem niedrigeren Wert aus, bei der jüngsten Geldspritze wurde die Bewertung auf eine Milliarde Euro von 2,8 Milliarden Euro vor einem Jahr korrigiert.

Ebenso wie Rocket-Chef Oliver Samwer bestritt auch Grabau, dass es Streit gebe. Aber Rocket Internet und Kinnevik stünden stärker in Konkurrenz, wenn es um Investitionsmöglichkeiten gehe. Auch er gehe davon aus, dass die aktuell verlustreiche Global Fashion Group noch zu einem „sehr wertvollen Unternehmen“ werde.

Die Misserfolge der Samwers

Hintergrund

Die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer zählen zu den erfolgreichsten Start-up-Gründern in Europa. Mit ihrem sogenannten Inkubator Rocket Internet und dem European Founders Fund investieren sie in junge Unternehmen und helfen ihnen mit ihrem Know-how, groß zu werden. Doch längst nicht alle Ideen der Raketenbrüder zünden.

BeautyDeal

2009 wollten die Samwers mit einem Onlineshop für Kosmetik durchstarten: BeautyDeal. Doch es war schwierig, die Branche ins Netz zu holen. BeautyDeal konnte nur einen einzigen Lieferanten akquirieren. Mit dem Geschäft war es demnach auch schnell wieder vorbei, als die großen Markenhersteller nicht länger mit diesem Lieferanten zusammenarbeiteten.

Dreambookers

Eine Reiseportal passte perfekt in das ursprünglich anvisierte Ziel der Samwers: Nicht selbst verkaufen, sondern über Provisionen Geld verdienen. Doch mit Dreambookers sollte das nicht funktionieren. Der Shoppingclub für Reisen, gegründet nach dem französischen Vorbild Voyage Privé, wurde wieder eingestellt.

Ecareer

Der Karrieredienst Ecareer war ein Schwesterprojekt der Flirtplattform Edarling. Die Samwers wollten daraus eine Jobbörse machen. Doch nachdem sich der Erfolg nicht einstellte, reagierten die Brüder und drehten dem Projekt das Geld ab.

Frazr

Schon früh erkannten die Samwers das Potential des Kurznachrichtendienstes Twitter. Wie so oft übernahmen sie das Geschäftsmodell und gründeten einfach ihre deutsche Version: Frazr. Doch das sollte gründlich schief gehen – denn der Microbloggingdienst startete selbst in Deutschland durch.

MyBrands

Lange kümmerten sich die Samwers nicht um den E-Commerce, weil sie der Meinung waren, dass er zu geringe Margen abwerfen würde. Zalando belehrte sie eines besseren. Das Online-Designer-Outlet MyBrands war ein Versuch, im E-Commerce Fuß zu fassen. Doch das Unterfangen scheiterte. Im April 2009 übernahm Zalando das Unternehmen und machte daraus einen Dienstleister, nachdem die Samwers der Gründung den Geldhahn abgedreht hatten.

Office Fab

Auch im Handel mit Büroartikeln wollten die Samwers mitmischen. In Südostasien gründeten sie deshalb das Unternehmen Office Fab und zeitgleich in Indien Office Yes. Während Office Yes sich noch passabel schlug, stellten die Samwers Office Fab wieder ein.

Pinspire

Das Vorbild für diese Samwer-Gründung: der digitale Notizblock Pinterest. Mit Pinspire, sowohl vom Namen als auch vom Konzept her ähnlich, wollten die drei Brüder 2011 ebenfalls durchstarten. Dabei übernahmen sie sogar die Geschäftsbedingungen fast eins zu eins. Aber es half nichts: Die Samwers gaben das Unterfangen schnell wieder auf, als der Erfolg ausblieb.

Von

dpa

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