Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.09.2016

10:40 Uhr

Rocket Internet

Home24 ist nur noch halb so viel wert

Das Internet-Möbelhaus Home24 wurde bei der jüngsten Finanzierungsrunde nur noch mit 420 Millionen Euro bewertet. Das ist mehr als eine halbe Milliarde Euro weniger als Ende März. Rocket Internet dürfte das nicht freuen.

Home24 – Rocket Internet hält noch 42,9 Prozent der Anteile. dpa

Online-Möbelhandel

Home24 – Rocket Internet hält noch 42,9 Prozent der Anteile.

BerlinDie Start-up-Fabrik Rocket Internet muss bereits bei der zweiten Beteiligung in diesem Jahr die Bewertung in einer Finanzierungsrunde zusammenstreichen. Der Online-Möbelhändler Home24 wurde bei einer neuen Finanzspritze mit 420 Millionen Euro bewertet, wie Rocket Internet am späten Mittwoch mitteilte. Zuvor hatte die Bewertung bei 981 Millionen gelegen.

Die Bewertung entscheidet darüber, welchen Anteil ein Investor in einer Finanzierungsrunde für einen bestimmten Betrag bekommt. Ermittelt wird sie unter anderem auf Basis der Erwartungen zum künftigen Geschäft. Die Rocket-Aktie sank im frühen Handel um rund fünf Prozent.

Es ist nicht der erste Dämpfer für Rocket Internet, den wohl bekanntesten Start-up-Entwickler in Deutschland. Im Frühjahr war schon die Bewertung der Global Fashion Group, in der mehrere Rocket-Beteiligungen im Modehandel zusammengefasst sind, von 2,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf eine Milliarde Euro in der neuen Finanzierungsrunde gesunken.

Rocket Internet: Schreckensnachricht um Mitternacht

Rocket Internet

Schreckensnachricht um Mitternacht

Überraschend hat Rocket Internet in der Nacht tiefrote Halbjahreszahlen verkündet. Wertberichtigungen im internationalen Geschäft verhagelten der Berliner Start-up-Fabrik die Bilanz. Was dahinter steckt.

Im ersten Halbjahr trug dieser Schritt mit 383 Millionen Euro zum Sechsmonats-Verlust von 617 Millionen Euro bei Rocket Internet bei. Schon im vergangenen Jahr sollte der Kochboxen-Versender Hello Fresh mit einer Bewertung von mehreren Milliarden an die Börse gehen, doch die Aktienplatzierung wurde abgesagt, weil der angepeilte Preis nicht zu erreichen war.

Home24 bekam in der neuen Finanzierungsrunde einen Betrag von 20 Millionen Euro. Von Rocket kamen dabei 1,4 Millionen. Der Anteil des Start-up-Entwicklers sei dadurch von 44,6 auf 42,9 Prozent gesunken.

Das sagt Oliver Samwer selbst

Über seine Arbeitsmaxime

„Zu viele Menschen glauben ihren eigenen Pressemitteilungen. Messt Erfolg nicht an Berichterstattung, sondern ökonomischem Einfluss. […] Betreibt ein Start-up wie eine Bäckerei: Backt am Morgen, verkauft über den Tag und zählt die Einnahmen in der Nacht! […] Fürchtet euch nicht davor, im Dreck zu leben. […] Geht zu McKinsey, wenn ihr gescheitert seid. Warum vorher? Jetzt seid ihr jung. Ihr solltet glücklich sein. Gott hat euch das Internet gegeben!“

Oliver Samwer zu unterschiedlichen Gelegenheiten über seine Arbeitsmaximen

Über seine Zeit an der WHU

„Das Tollste waren die Gastvorträge von Unternehmern, die im Zeitraffer erzählten, wie sie aus dem Nichts eine Firma mit ein paar Hundert oder sogar 20.000 Leuten schufen, wie sie auch mal am Abgrund standen, bis dann gerade noch rechtzeitig der entscheidende Auftrag kam.“

Oliver Samwer über die Vorzüge seines Studiums an der WHU

Über das ideale Start-up

„Das ideale Start-up ist eine Kombination aus Gelegenheit, Team und Timing. Das ideale Start-up adressiert einen riesigen Marktplatz, der offen für eine Veränderung ist oder gerade durch einen Paradigmenwechsel kreiert wird, hat ein Team, das empfindlich genug für die Anforderungen des Marktes ist, und im richtigen Moment auf den Markt kommt, nicht zu früh und nicht zu spät. Jede einzelne dieser Eigenschaften, wenn sie schlimm genug ist, tötet das Unternehmen.“

Oliver Samwer und Max Finger über ein „ideales Start-up“ in ihrer Diplomarbeit

Über den Verkauf von Alando

„Wir haben Alando überhaupt nicht zum richtigen Zeitpunkt verkauft. Wir waren doch Idioten, dass wir ausgestiegen sind. Wir waren die größte deutsche Auktionsseite. Heute macht Ebay in Deutschland 120 Millionen Euro Gewinn im Jahr, folglich war es nicht klug, Alando für 50 Millionen Dollar zu verkaufen. Im Nachhinein sehen ich und meine Brüder das als unseren vielleicht größten Fehler an.“

Oliver Samwer über den frühen Ausstieg der Samwers bei Alando

Über kleine Niederlagen

„Eine wirklich schlimme Niederlage haben wir nicht erlitten. Aber wir sind oft durch den Dreck gerobbt. Die Erfolge, die sich hinterher in der Zeitung so mühelos lesen, haben in Wahrheit wahnsinnig viel Kraft gekostet. Und es gab immer kleine Niederlagen – und oft großes Bangen. Bertelsmann hat bei Alando mal intensiv alle unsere Nutzer angespamt und versucht, sie uns auszuspannen. Das hat uns einige schlaflose Nächte gekostet. Bis wir gesehen haben: Die Leute bleiben bei uns.“

Oliver Samwer 2007 über die Herausforderungen ihrer Alando-Zeit

Über die Anfänge von Jamba

„Wir haben uns damals mit dem 'Wireless'-Markt beschäftigt, nach Japan geschaut und uns die europäischen Märkte angesehen. Wir stellten fest, dass nicht News, Verkehrsnachrichten oder Börsenkurse das Geschäft mit Mobilfunkdiensten ausmachten, sondern Entertainmentinhalte. Wir sahen den Boom, [...] dass Spiele fürs Handy in Japan bereits ein Renner waren und stellten uns vor, dass dies zusammen mit Musik und Bildern auch in Europa funktionieren könnte.“

Oliver Samwer im Jahre 2003 über die Entstehung von Jamba

Über Schnelligkeit

„Wir bekommen jeden Tag viele Businesspläne und E-Mails von Start-ups zugeschickt. Haben wir dann an einer erfolgversprechenden Idee Interesse gefunden, kommt es relativ zeitnah und pragmatisch zur Kontaktaufnahme. Nach kurzer Zeit können wir dann auch bereits eine Investitionsentscheidung treffen, da wir keine bürokratischen Prozesse durchlaufen müssen. Ein Gespräch unter uns drei Brüdern genügt. Vom ersten Meeting bis zur Entscheidung braucht es oft weniger als 48 Stunden.“

Oliver Samwer über die Schnelligkeit des European Founders Funds

Über den European Founders Fund

„Wir haben uns in den USA und Asien umgeschaut. Dabei ist uns im kalifornischen Silicon Valley aufgefallen, dass viele erfolgreiche Unternehmer ihr Geld in Start-ups investieren und den jungen Firmen dann auch aktiv zur Seite stehen. […] Wir wollen den Gründern aber nicht nur Geld, sondern auch unsere aktive Unterstützung und unseren Rat geben.“

Oliver Samwer über die Aktivitäten des European Founders Funds

Quelle

Joel Kaczmarek, „Die Paten des Internets“, erschienen im Finanzbuchverlag FBV, ISBN: 978-3-89879-880-8

Rocket Internet hält Beteiligungen an Internet-Firmen mit dem Fokus auf Online-Handel sowie Essenszustellung. Rocket-Chef Oliver Samwer bekräftigte auch nach dem Halbjahresverlust das Ziel, bis Ende 2017 drei Beteiligungen operativ profitabel zu machen. Bisher steckten die wichtigsten Rocket-Beteiligungen allesamt selbst beim bereinigten operativen Ergebnis in den roten Zahlen. Samwer erklärte stets, im Online-Handel seien Anfangsjahre mit hohen Investitionen und Verlusten unvermeidbar, um die nötige Größe zu erreichen.

Ausführliche Zahlen zum Rocket-Geschäft im ersten Halbjahr soll es am 22. September geben.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×