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02.05.2016

13:19 Uhr

Rocket Internet

Kinnevik-Vertreter gehen im Streit

Der Streit zwischen Oliver Samwer und seinem Großaktionär Kinnevik über den Kurs von Rocket Internet geht weiter. Die Vertreter des Investors werden nun den Aufsichtsrat des Berliner Unternehmens verlassen.

Der Rocket-Chef liegt offenbar mit Großinvestor Kinnevik überkreuz. dpa

Oliver Samwer

Der Rocket-Chef liegt offenbar mit Großinvestor Kinnevik überkreuz.

BerlinDer Streit zwischen Rocket Internet und dem Großaktionär Kinnevik führt zu personellen Konsequenzen. Am Montag gab die Berliner Start-up-Schmiede bekannt, dass die beiden Vertreter des schwedischen Investors, Lorenzo Grabau und Erik Mitteregger, zur Hauptversammlung am 9. Juni den Rocket-Aufsichtsrat verlassen. Beide hatten den Börsengang des Unternehmens im Herbst 2014 begleitet. Grabau stand dem Aufsichtsrat zudem lange vor.

Ihre Plätze sollen der ehemalige Deutsche-Bank-Finanzchef Stefan Krause sowie der Manager des französischen Telekomkonzerns Orange, Pierre Louette, übernehmen. Rocket begründete den Schritt damit, die Zahl der Nicht-Aktionärsvertreter im Aufsichtsrat erhöhen zu wollen. Kinnevik hält 13,2 Prozent an Rocket Internet.

Das sagt Oliver Samwer selbst

Über seine Arbeitsmaxime

„Zu viele Menschen glauben ihren eigenen Pressemitteilungen. Messt Erfolg nicht an Berichterstattung, sondern ökonomischem Einfluss. […] Betreibt ein Start-up wie eine Bäckerei: Backt am Morgen, verkauft über den Tag und zählt die Einnahmen in der Nacht! […] Fürchtet euch nicht davor, im Dreck zu leben. […] Geht zu McKinsey, wenn ihr gescheitert seid. Warum vorher? Jetzt seid ihr jung. Ihr solltet glücklich sein. Gott hat euch das Internet gegeben!“

Oliver Samwer zu unterschiedlichen Gelegenheiten über seine Arbeitsmaximen

Über seine Zeit an der WHU

„Das Tollste waren die Gastvorträge von Unternehmern, die im Zeitraffer erzählten, wie sie aus dem Nichts eine Firma mit ein paar Hundert oder sogar 20.000 Leuten schufen, wie sie auch mal am Abgrund standen, bis dann gerade noch rechtzeitig der entscheidende Auftrag kam.“

Oliver Samwer über die Vorzüge seines Studiums an der WHU

Über das ideale Start-up

„Das ideale Start-up ist eine Kombination aus Gelegenheit, Team und Timing. Das ideale Start-up adressiert einen riesigen Marktplatz, der offen für eine Veränderung ist oder gerade durch einen Paradigmenwechsel kreiert wird, hat ein Team, das empfindlich genug für die Anforderungen des Marktes ist, und im richtigen Moment auf den Markt kommt, nicht zu früh und nicht zu spät. Jede einzelne dieser Eigenschaften, wenn sie schlimm genug ist, tötet das Unternehmen.“

Oliver Samwer und Max Finger über ein „ideales Start-up“ in ihrer Diplomarbeit

Über den Verkauf von Alando

„Wir haben Alando überhaupt nicht zum richtigen Zeitpunkt verkauft. Wir waren doch Idioten, dass wir ausgestiegen sind. Wir waren die größte deutsche Auktionsseite. Heute macht Ebay in Deutschland 120 Millionen Euro Gewinn im Jahr, folglich war es nicht klug, Alando für 50 Millionen Dollar zu verkaufen. Im Nachhinein sehen ich und meine Brüder das als unseren vielleicht größten Fehler an.“

Oliver Samwer über den frühen Ausstieg der Samwers bei Alando

Über kleine Niederlagen

„Eine wirklich schlimme Niederlage haben wir nicht erlitten. Aber wir sind oft durch den Dreck gerobbt. Die Erfolge, die sich hinterher in der Zeitung so mühelos lesen, haben in Wahrheit wahnsinnig viel Kraft gekostet. Und es gab immer kleine Niederlagen – und oft großes Bangen. Bertelsmann hat bei Alando mal intensiv alle unsere Nutzer angespamt und versucht, sie uns auszuspannen. Das hat uns einige schlaflose Nächte gekostet. Bis wir gesehen haben: Die Leute bleiben bei uns.“

Oliver Samwer 2007 über die Herausforderungen ihrer Alando-Zeit

Über die Anfänge von Jamba

„Wir haben uns damals mit dem 'Wireless'-Markt beschäftigt, nach Japan geschaut und uns die europäischen Märkte angesehen. Wir stellten fest, dass nicht News, Verkehrsnachrichten oder Börsenkurse das Geschäft mit Mobilfunkdiensten ausmachten, sondern Entertainmentinhalte. Wir sahen den Boom, [...] dass Spiele fürs Handy in Japan bereits ein Renner waren und stellten uns vor, dass dies zusammen mit Musik und Bildern auch in Europa funktionieren könnte.“

Oliver Samwer im Jahre 2003 über die Entstehung von Jamba

Über Schnelligkeit

„Wir bekommen jeden Tag viele Businesspläne und E-Mails von Start-ups zugeschickt. Haben wir dann an einer erfolgversprechenden Idee Interesse gefunden, kommt es relativ zeitnah und pragmatisch zur Kontaktaufnahme. Nach kurzer Zeit können wir dann auch bereits eine Investitionsentscheidung treffen, da wir keine bürokratischen Prozesse durchlaufen müssen. Ein Gespräch unter uns drei Brüdern genügt. Vom ersten Meeting bis zur Entscheidung braucht es oft weniger als 48 Stunden.“

Oliver Samwer über die Schnelligkeit des European Founders Funds

Über den European Founders Fund

„Wir haben uns in den USA und Asien umgeschaut. Dabei ist uns im kalifornischen Silicon Valley aufgefallen, dass viele erfolgreiche Unternehmer ihr Geld in Start-ups investieren und den jungen Firmen dann auch aktiv zur Seite stehen. […] Wir wollen den Gründern aber nicht nur Geld, sondern auch unsere aktive Unterstützung und unseren Rat geben.“

Oliver Samwer über die Aktivitäten des European Founders Funds

Quelle

Joel Kaczmarek, „Die Paten des Internets“, erschienen im Finanzbuchverlag FBV, ISBN: 978-3-89879-880-8

Zwischen Kinnevik und Rocket Internet brodelt es seit langem. Laut Insidern hatte Kinnevik-Chef Grabau genaue Vorstellungen, wie Rocket-Chef Oliver Samwer sein stark unter Druck stehendes Unternehmen wieder auf Vordermann bringen soll. Diese seien von Samwer nicht geteilt worden.

Dabei ging es unter anderem um den geplatzten Börsengang des Kochbox-Anbieters Hello Fresh. Samwer wollte wohl eine Bewertung zwischen 3,2 und 3,3 Milliarden Euro erzielen, während sich Kinnevik mit 2,6 Milliarden Euro zufrieden gegeben hätte. Dies ist der Wert, mit dem Hello Fresh bei seiner letzten Finanzierungsrunde veranschlagt wurde. Zugleich fanden beide Investoren bei der Bewertung ihrer Beteiligungen nie einen Nenner. Kinnevik geht dabei deutlich konservativer als Rocket vor.

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Investoren sind seit längerem verunsichert, ob Rocket letztlich mit seinem Geschäftsmodell – dem Gründen und Verkaufen von Startups – Geld verdienen kann. Bisher verbrennen die Jungfirmen dabei vor allem Kapital. So häuften die größten Beteiligungen im vergangenen Jahr einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von einer Milliarde Euro an.

Erst vergangene Woche musste Rocket den Wert seiner in der Global Fashion Group (GFG) zusammengefassten Modefirmen um fast 70 Prozent auf eine Milliarde Euro reduzieren. Das schickte den Aktienkurs erneut auf Talfahrt. Die im schwach regulierten Entry Standard gelistete Aktie wurde am Montag mit rund 20 Euro gehandelt und lag damit mehr als die Hälfte unter dem Ausgabekurs von 42,50 Euro.

Von

rtr

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