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17.12.2014

09:44 Uhr

Rocket Internet

Samwers schließen sich mit Roland Berger zusammen

VonLisa Hegemann

Rocket Internet hat große Pläne: Der Start-up-Inkubator der Samwer-Brüder will ein Joint-Venture mit der Unternehmensberatung Roland Berger eingehen. Die neue Firma nutzt offenbar ein altbekanntes Modell.

Kritik an Geschäftsmodell

„Investition in Rocket Internet ist immer noch riskant"

Kritik an Geschäftsmodell: „Investition in Rocket Internet ist immer noch riskant"

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DüsseldorfWenige Monate nach dem Börsengang plant Rocket Internet das nächste große Ding: ein Joint-Venture mit der Unternehmensberatung Roland Berger. Das bestätigte der Start-up-Inkubator auf Anfrage des Handelsblatts. Zuvor hatte das „Manager Magazin“ über die geplante Kooperation berichtet. Der neue Chef der kriselnden Beraterfirma, Charles-Edouard Bouée, sagte demzufolge, man wolle „einen Super-Inkubator für große Unternehmen“ gründen. Beide Firmen sollen je 50 Prozent des geplanten Joint Ventures halten.

„Unsere Firma wird wie eine Fabrik funktionieren und eine Firma mit digitalem Geschäftsmodell nach der anderen produzieren“, sagte der Franzose Bouée in dem Bericht. Das Gemeinschaftsunternehmen soll in den nächsten sechs Monaten an den Start gehen.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Das Ziel sei „eine Firma mit digitalem Geschäftsmodell nach der anderen“ zu produzieren. Das Konzept gleicht dem Geschäftsmodell von Rocket Internet. Inwiefern sich das Unternehmen damit selbst Konkurrenz macht, beantwortete das Unternehmen der Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer bislang nicht.

Die Unternehmensberatung Roland Berger steckt seit längerer Zeit in einer Krise. Immer wieder verhandelte die Firma über einen Verkauf, 2010 platzte beispielsweise der Zusammenschluss mit Deloitte. Dadurch geriet Berger in Schwierigkeiten. Nun will sich das Unternehmen unter der Führung des neuen Chefs Bouée stärker auf die Sanierung und auf Allianzen mit anderen Konzernen konzentrieren.

Das Joint Venture mit Rocket Internet wird demnach nur der Anfang sein. Rund zwei Dutzend Partnerschaften könne sich Roland Berger vorstellen, sagte Bouée.

Der Kontakt zwischen den beiden Unternehmen kam nach Angaben des „Manager Magazins“ über einen Bekannten aus Harvard zustande. Der Gründer der Unternehmensberatung, Roland Berger, sitzt im Aufsichtsrat von Rocket Internet.

Kommentare (3)

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Herr Manfred Carter

17.12.2014, 10:49 Uhr

Zwei Blinde zusammen ergeben noch keinen Sehenden.

Frau Pia Paff

17.12.2014, 12:23 Uhr

Da word eine super Sache. Die unternehmen wenigstens etwas u. arbeiten mit Begeisterung!
Unsere Unterschicht ist apatisch u. lässt den Staat ihren Unterhalt bezahlen.
80 Milliarden p.a. fürs Nichtstun ... ein Skandal!!

Frau Pia Paff

17.12.2014, 12:25 Uhr

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