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30.12.2015

10:22 Uhr

Rockmusiker Lowery klagt auf Millionen

Spotifys größter Feind

Selbst die Beatles gibt es jetzt auf Spotify zu hören. Das bringt der Band noch einmal viel Geld ein. Doch David Lowery hat der Musik-Streamingdienst bisher offenbar nicht entlohnt. Der US-Rocker klagt auf Millionen.

Der Streamingdienst wird von einem US-Musiker auf eine Millionenzahlung verklagt. dpa

Spotify

Der Streamingdienst wird von einem US-Musiker auf eine Millionenzahlung verklagt.

Los AngelesDer US-Rockmusiker David Lowery hat den Musik-Streamingdienst Spotify wegen Verletzung von Urheberrechten auf die Zahlung von 150 Millionen Dollar verklagt. Der Musiker wirft dem schwedischen Unternehmen vor, Lieder ohne Erlaubnis zu verbreiten, darunter vier Songs seiner Bands Cracker und Camper Van Beethoven, wie aus der am Montag (Ortszeit) in Los Angeles eingereichten Klageschrift hervorgeht. Das Unternehmen bekannte sich zu seiner Verpflichtung, Lizenzgebühren zu zahlen.

Spotify habe sich zu Unrecht um mindestens 150 Millionen Dollar (137 Millionen Euro) bereichert, heißt es in der Klageschrift. Der Musiker und Mathematiker Lowery, der auch als Dozent an der Universität von Georgia arbeitet, listete vier Lieder seiner Bands auf, die den 75 Millionen Spotify-Nutzern weltweit ohne seine Genehmigung zur Verfügung standen. Lowery will sich auch für andere Musiker stark machen: Im Namen von „hunderttausenden“ anderen Betroffenen strebt er den Angaben zufolge eine Sammelklage an.

Zur Unterstützung seiner Vorwürfe verwies der Musiker auf einen eigens von Spotify eingerichteten Fonds, aus dem etwaige Forderungen zur Zahlung von Lizenzgebühren beglichen werden können.

Wer am Musikstreaming verdient

Zur Studie

Wirtschaftsexperten von Ernst & Young haben im Auftrag des Verbandes der französischen Musikindustrie SNEP exemplarisch ausgerechnet, wieviel die einzelnen Parteien von jenen 9,99 Euro erhalten, die ein Premiumabo bei Diensten wie Spotify und Deezer kostet.

Der Dienst selbst ...

... behält demnach 2,08 Euro.

Der Staat ...

... bekommt 1,67 Euro insbesondere durch die Umsatzsteuer.

Die Verwertungsgesellschaften ...

... bekommen einen Anteil von einem Euro.

Die Labels ...

... behalten 4,56 Euro.

Den Künstlern ...

... bleiben am Ende 0,68 Euro. Die werden nach Häufigkeit der Abrufe unter den Musikern aufgeteilt. Unbekanntere Bands erhalten entsprechend wenig.

In einer Reaktion auf die Klage erwähnte Spotify-Sprecher Jonathan Prince ebenfalls diesen Fonds, stellte ihn aber als Zeichen den guten Willens dar. „Wir sind verpflichtet Songschreibern und Plattenfirmen jeden Cent zu zahlen“, erklärte Prince. „Leider sind jedoch, vor allem in den USA, oft die notwendigen Daten für eine Feststellung der Rechteinhaber nicht vorhanden, falsch oder unvollständig.“

Spotify habe einen Fonds eingerichtet, um in solchen Fällen Zahlungsforderungen begleichen zu können, erklärte der Sprecher. Die Firma werde mit den USA und der US-Musikindustrie zusammenarbeiten, um dieses Problem „ein für alle Mal“ zu lösen.

Das Unternehmen musste sich wiederholt gegen Vorwürfe wehren, Musiker nicht ausreichend zu vergüten. Spotify-Chef Daniel Ek erklärte im Juni, der Streamingdienst habe seit seiner Gründung 2008 mehr als drei Milliarden Dollar an Plattenlabel und Rechteverwalter überwiesen.

Streaming und seine Gegner: Bremst Adele den Siegeszug von Spotify und Co.?

Streaming und seine Gegner

Bremst Adele den Siegeszug von Spotify und Co.?

Streaming sorgt für Wachstum im lange gebeutelten Musikgeschäft. Aber nun bricht Adele mit ihrem Album „25“ Verkaufsrekorde, während sie es Streaming-Nutzern vorenthält. Eine Gefahr für Anbieter von Spotify bis Aldi.

Seit Weihnachten sind auch die Beatles bei Spotify und acht anderen Anbietern verfügbar. Der allgemeine Trend ist klar: Das Streaming ist auf dem Vormarsch, Musik hören Nutzer immer mehr als digitale Übertragung aus dem Netz, statt sie zu kaufen.

Im deutschen Musikmarkt gab es dank Streaming-Diensten erstmals seit Jahren wieder ein kräftiges Wachstum. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 4,4 Prozent auf 686 Millionen Euro. Dabei schossen die Streaming-Einnahmen im Jahresvergleich um mehr als 87 Prozent in die Höhe. Ihr Anteil am Gesamtmarkt stieg dadurch von 7,7 auf 12,8 Prozent.

Streaming ist auch hierzulande im Massenmarkt angekommen. Aldi brachte einen Service unter eigenem Namen, der vom US-Anbieter Napster bereitgestellt wird. Und zettelte gleich einen Preiskampf an mit 7,99 Euro im Monat, zwei Euro weniger als sonst üblich. Zugleich häufen sich Familien-Angebote, bei denen bis zu sechs Nutzer für 14,99 Euro im Monat Musik hören können. Ein weiteres Signal: Herbert Grönemeyer, der Streaming-Dienste lange gemieden hatte, bietet seine Alben seit Dezember bei Apple Music an.

Streaming-Dienste

Nutzen statt besitzen

Beim Musik-Streaming werden Songs direkt aus dem Internet abgespielt, statt sie auf die Geräte herunterzuladen. Dafür werden die Dateien in viele kleine Pakete zerlegt und in einem konstanten Strom aufs Gerät übertragen. Fans können damit Musik nutzen, ohne sie zu besitzen.

Marktführer Spotify

Es ist ein noch relativ kleines aber schnell wachsendes Geschäft. Größter Anbieter ist die schwedische Firma Spotify mit aktuell 15 Millionen zahlenden Kunden und 45 Millionen Gratis-Nutzern. Es gibt aber auch zahlreiche andere Dienste – allein in Deutschland gibt es 15 Anbieter, darunter Radio und Deezer und Apple Music.

Volle Auswahl für 10 Euro

Die meisten Anbieter setzen auf ein Abo-Modell: Für einen monatlichen Betrag gibt es den Zugriff auf ein Angebot aus Millionen Songs. Die Paketpreise beginnen bei fünf Euro, für rund 10 Euro bekommen Nutzer oft auch eine Offline-Funktion. In einigen Fällen können Musikfans eine werbefinanzierte Variante mit weniger Funktionen auch kostenlos nutzen.

Erfolg im zweiten Versuch

Schon vor rund zehn Jahren versuchten verschiedene Anbieter, Abo-Dienste zu etablieren – der Durchbruch kam aber erst mit der Verbreitung von Smartphones und allgegenwärtigen schnellen Datenverbindungen.

Mäßiger Sound

Als eine Schwäche gilt bei Musik-Enthusiasten die starke Kompression, die nötig ist, um die Dateien möglichst sparsam durch die Netze zu kriegen. Das kann die Sound-Qualität drücken.

Stand: Januar 2015

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