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18.04.2013

12:30 Uhr

Rote Zahlen

Neue Smartphones können Nokia nicht retten

Die Smartphone-Verkäufe ziehen zwar an, doch Nokia kommt nicht aus der Verlustzone. Der finnische Handy-Pionier läuft der Konkurrenz immer noch deutlich hinterher. Besserung ist kaum in Sicht.

Nokia-Chef Stephen Elop kann den Handy-Konzern nicht aus Verlustzone manövrieren. Reuters

Nokia-Chef Stephen Elop kann den Handy-Konzern nicht aus Verlustzone manövrieren.

Helsinki/BerlinNokia hat im ersten Quartal 2013 trotz steigender Verkäufe seines neuen Smartphones Lumia rote Zahlen geschrieben. Der operative Verlust summierte sich noch auf 150 Millionen Euro, nachdem im Jahr zuvor noch ein Minus von 1,33 Milliarden zu Buche stand, wie der finnische Handy-Pionier am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz brach um 20 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro ein. An der Börse warfen die Investoren ihre Aktien auf den Markt: Nokia-Papiere stürzten um mehr als elf Prozent ab, weil die Quartalszahlen schlechter als erwartet ausfielen.

Die Finnen haben sich mit Microsoft verbündet, dessen neueste Software beim Lumia verwendet wird. Trotzdem wird der zukunftsträchtige und margenstarke Smartphone-Markt weiter von Samsung und Apple dominiert. Nokia hat den Trend verschlafen und holt nun nur mühsam auf. Von Januar bis März wurden 5,6 Millionen Stück der Lumia-Serie abgesetzt. Im Weihnachtsquartal 2012 waren es 4,4 Millionen.

Es werde mit einem fortlaufenden Absatzwachstum gerechnet, hieß es. Apple mit seinem iPhone und Samsung mit den Galaxy-Modellen spielen jedoch weiter in einer anderen Liga. Experten gehen davon aus, dass der US-Konzern zu Jahrsbeginn knapp 37 Millionen iPhones verkauft hat und der südkoreanische Branchenprimus sogar über 61 Millionen Smartphones.

Nokia setzt immer noch überwiegend einfache Handys ab. Deswegen sagen Analysten dem Konzern schwierige Zeiten voraus. Denn die Nutzer steigen zunehmend auf die Alleskönner und zudem Tablet-PCs um. Im Smartphone-Bereich soll die Lumia-Reihe die Wende bringen.

Nokias Baustellen

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Billig-Handys

Nokia ist immer noch einer der wichtigsten Hersteller günstiger Handys – sie finden vor allem in den Schwellenländern immer noch Käufer. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE dem finnischen Unternehmen das Leben schwer, zudem können sich auch in Indien, China oder auf den Philippinen immer mehr Menschen Smartphones leisten. Auch diese Sparte verkauft der finnische Konzern nun an Microsoft.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Von

rtr

Kommentare (8)

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jerre000

18.04.2013, 14:02 Uhr

Den Marktanteil wird Nokia nicht so einfach ausbauen können.
Nokia müsste sich etwas neues überlegen, wie sie an Apple und Samsung herankommt, z.B. mit einer ProduktInnovation.
Die Barreserven und Patente haben die Finnen noch um ein klares Zeichen zu setzen.
So kann es nicht weiter gehen.

Account gelöscht!

18.04.2013, 15:28 Uhr

Das ist die Strafe dafür, das jahrelang deutsche Steuergelder eingesackt worden sind und der Konzern sich dann nach Rumänien aus dem Staub gemacht hat. Der ehrliche Kunde und Käufer vergisst so etwas nicht !

Account gelöscht!

18.04.2013, 16:28 Uhr

Das immer Mantra-artige Wiederholen der Vergangenheit, macht das Heute nicht verständlicher. Als ob es den Weltmarkt interessieren würde, dass in Bochum ein Nokia-Werk geschlossen wurde. Dass die ehemaligen Beschäftigten das nicht vergessen werden, kann ich nach vollziehen.

Wie im Artikel beschrieben, hatte es Nokia verpasst eine marktfähige Smart Phone-Alternative zu präsentieren. iPhone (hochpreisig) und die vielzähligen Android-Versionen (niedrigpreisig bis oberes Segment) werden ihren Vorsprung nicht so schnell verlieren.
Technologisch kann Nokia im Smart Phone Segment zwar problemlos mithalten. Auch was die Abdeckung unterschiedlicher Preissegmente betrifft. Es hat allerdings einige Zeit gedauert bis eine breitere Verfügbarkeit in den Vertriebskanälen (Mobilfunk-Anbieter) z.B. in Europa zu sehen war.
Und dann ist da noch der bekannte Effekt, dass das persönliche Umfeld wichtig ist. Entsprechend fallen die Empfehlungen aus, wenn's um den Kauf eines neuen Smart Phones geht.

Ob Nokia den Atem haben wird und der Nutzer erkennt, dass auch sonstige gute Geräte ausserhalb der iPhone/Android-Palette gibt, steht auch für mich in den Sternen.

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