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07.02.2012

22:28 Uhr

RTL-Chef zu Time Warner

Schäferkordt rückt in Bertelsmann-Vorstand

VonHans-Peter Siebenhaar

Gerhard Zeiler verlässt die RTL-Gruppe und wechselt zu Time Warner. Eine Doppelspitze folgt ihm nach. Mit dabei: RTL-Deutschlandchefin Anke Schäferkordt. Sie soll auch in den Bertelsmann-Vorstand rücken.

Anke Schäferkordt soll die gesamte Sendergruppe verantworten. dpa

Anke Schäferkordt soll die gesamte Sendergruppe verantworten.

KölnKurz vor 18 Uhr erhielten die Mitarbeiter in der verwinkelten Holding der RTL Group in Luxemburg-Stadt eine lange Email, die sich in Minutenschnelle wie ein Lauffeuer in der europäischen Fernsehwelt verbreitete. „Es ist nicht einfach für mich, Ihnen die folgenden Zeilen zu schreiben“, formulierte Zeiler den elektronischen Brief an seine Kollegen und fuhr fort: nach mehr als 13 Jahren bei RTL und fast neun Jahren als CEO der RTL Group habe ich für mich beschlossen, dass es Zeit ist, das Unternehmen zu verlassen.“

Gerhard Zeiler verlässt überraschend schnell den Luxemburger Konzern zum 18. April. Sein Ziel: Die Time-Warner-Tochter Turner Broadcasting System. „Dieser Schritt ist eine Gelegenheit, einige der wertvollsten Medienmarken weiterzuentwickeln“, ließ Zeiler über seinen neuen Arbeitgeber verlauten. „Dass Wandel gut und manchmal sogar notwendig ist, zählt zu meinen größten persönlichen Überzeugungen“, schreibt der 56-Jährige, der privat in Salzburg sein Glück gefunden hat, zum Abschied an seine alten Mitarbeiter. Die RTL-Deutschlandchefin Anke Schäferkordt wird künftig zusammen mit dem Belgier Guillaume Posch, erst seit Jahresanfang COO der RTL Group, die Führung des Branchenprimus übernehmen.

Zeiler, Mr. RTL, kann auf große Erfolge zurück blicken. Er machte aus dem Sammelsurium von Sendern den mit Abstand größten Gewinnbringer im weit verzweigten Bertelsmann-Reiche. Zuletzt brillierte er mit einem operativen Ergebnis von 1,1 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite steigerte er von zehn auf 20 Prozent. In der Branche, egal ob in Amerika oder Europa, war er hoch angesehen. In Cannes wurde er als Medienunternehmer des Jahres ausgezeichnet. In Hollywood genießt der Menschen- und Programmfreund größten Respekt und Ansehen. „Er ist der Beste, und nun geht er“, sagt ein RTL-Manager, der Zeiler durchaus kritisch gegenüber steht, gestern Nacht in Köln. Ein anderer machte aus seinem Herzen keine Mördergruppe und fragte ironisch: „Sollen wir jetzt einen Blumenladen aufmachen oder was?“

Doch nicht alles lief zum Schluss rund für Zeiler. Zu Jahresbeginn legte er einen Fehlstart hin. Zeiler musste mitteilen, dass sich die Bertelsmann-Tochter nach herben Verlusten aus dem griechischen Fernsehmarkt zurückzieht. Zuvor erlebte Zeiler, der privat lange in London lebte, bereits in Großbritannien eine unternehmerische Niederlage. „Keine Frage, nicht alles hat sich so entwickelt wie geplant. Der Verkauf von Five und insbesondere der Verkauf von Alpha in Griechenland – wo wir uns trotz des operativen Erfolgs aufgrund der makroökonomischen Lage zum Ausstieg entschlossen haben – sind dafür zwei Beispiele“, bekannte er selbstkritisch in dem Brief an die Mitarbeiter. Geschadet hatte ihm in Gütersloh, dass er im Frühsommer vergangenen Jahres mit dem Chefsessel des österreichischen Staatssenders ORF geliebäugelt hat.

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