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10.03.2016

15:58 Uhr

RTL

Zwischen Rekordbilanz und Grimme-Preisen

VonKai-Hinrich Renner

Steigende Erlöse, steigender Gewinn: Die RTL Group schließt das Geschäftsjahr 2015 mit einer Rekordbilanz ab. Obendrauf gibt es für drei Produktionen einen Grimme-Preis. Doch das Wachstum liegt hinter dem der Konkurrenz.

Während RTL in vielen europäischen Märkten mit konjunkturellen Schwächen kämpft, trug die Deutschland-Tochter erneut kräftig zum Gewinn bei. dpa

RTL Group

Während RTL in vielen europäischen Märkten mit konjunkturellen Schwächen kämpft, trug die Deutschland-Tochter erneut kräftig zum Gewinn bei.

KölnEs war eine gute Woche für Anke Schäferkordt, Chefin der Mediengruppe RTL Deutschland. So gab das renommierte Adolf-Grimme-Institut am Dienstag bekannt, dass es dieses Jahr gleich drei Produktionen des deutschen Ablegers der TV-Holding RTL Group auszeichnet, die dem Medienkonzerns Bertelsmann gehört: Für die Reihe „Marhaba – Ankommen in Deutschland“, mit der der Nachrichtensender n-tv Flüchtlinge willkommen heißt, gab es die Auszeichnung ebenso wie für das Kalte-Kriegs-Drama „Deutschland 83“, das auf RTL lief, und die Vox-Serie „Club der roten Bänder“, in der es um schwer kranke Kinder geht. Ob ihre Gruppe überhaupt schon einmal drei Preise in einem Jahr abgeräumt hat, wusste Schäferkordt nicht so genau. „Ich merke mir viele Zahlen“, sagte sie, „aber nicht die Anzahl unserer Preise.“

Damit hatte die TV-Managerin auch gleich die Wertigkeit der guten Nachrichten dieser Woche klargestellt. Denn die zweite positive Neuigkeit verkündete sie am Mittwoch in Köln: Die RTL Group, der Schäferkordt – zusammen mit dem Belgier Guillaume de Posch – ebenfalls vorsteht, hat das Geschäftsjahr 2015 mit einem Rekordumsatz und einem Rekordgewinn abgeschlossen: Die Erlöse stiegen um 3,8 Prozent auf 6,03 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) legte um zwei Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zu.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 789 Millionen Euro. Das lässt erwarten, dass die Konzernmutter Bertelsmann am 22. März auf ihrer Bilanzpressekonferenz ebenfalls recht positive Zahlen präsentieren wird. Die RTL Group ist die „Cash Cow“ des Medienunternehmens.

In den Mittelpunkt ihrer Präsentation stellten die Vorstände der TV-Holding ihre Digital-Aktivitäten. Sie sind 2015 um 72,2 Prozent auf 508 Millionen Euro gewachsen. Einen relevanten Beitrag zum Ergebnis liefern digitale Multi-Channel-Networks wie Stylehaule oder der Digitalvermarkter Spot X aber noch nicht ab. Insgesamt machen die Digitalerlöse auch nur 8,4 Prozent des Konzernumsatzes aus. Beim gerade in den Dax aufgestiegenen Wettbewerber Pro Sieben Sat 1 sind es bereits mehr als 20 Prozent.

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