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23.11.2016

10:49 Uhr

Rückkehr nach China

Facebook entwickelt Zensur-Software

Facebook schielt auf den größten Internetmarkt der Welt: Um nach China zurückkehren zu können, hat das Netzwerk laut Medienberichten eine Zensur-Software entwickelt. Das Tool ist umstritten – selbst innerhalb des Unternehmens.

Bislang sei die umstrittene Software nicht mehr als eine Idee, sagt Facebook. Reuters

Zensur-Tool von Facebook

Bislang sei die umstrittene Software nicht mehr als eine Idee, sagt Facebook.

Bangalore/PekingFacebook hat laut einem Zeitungsbericht eine Software entwickelt, mit der politisch unliebsame Inhalte in China unterdrückt werden können. Das sei eine der Ideen, um Zugang zum riesigen chinesischen Markt zu bekommen, berichtete die „New York Times“ am Mittwoch. Die neue Software werde allerdings nicht benutzt und sei chinesischen Behörden bisher auch nicht angeboten worden. China blockiert soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie Googles Videoplattform Youtube oder Webseiten, die Pekings Politik kritisieren.

Die bislang vertraulich entwickelte Software verhindere, dass Inhalte in bestimmten geografischen Gegenden erschienen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf ehemalige und aktuelle Mitarbeiter des Unternehmens. Facebook wolle dabei die Inhalte nicht selbst zensieren. Vielmehr solle das Programm chinesischen Stellen oder einem möglichen „Partner“ in China ermöglichen, bestimmte Themen und Posts beobachten und gegebenenfalls unterdrücken zu können.

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als „Gefällt mir”

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten – Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.

Die Software sei innerhalb von Facebook umstritten und nur eine der Ideen, die diskutiert würden, um Zugang zu China zu bekommen, hieß es. Einige Quellen der Zeitung seien nach dem Wahlsieg von Donald Trump besorgt, ein solches Programm könne auch Interesse bei einer US-Regierung finden.

Facebook hatte wiederholt großes Interesse an China bekundet: Mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern ist das Land der größte Internetmarkt der Welt. Dem Bericht zufolge gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Gespräche mit chinesischen Behörden, die jedoch ohne Ergebnis blieben. Eine Facebook-Sprecherin sagte der Zeitung, das Online-Netzwerk habe noch keine Entscheidung zum Vorgehen in China getroffen. Möglicherweise werde die Zensur-Software niemals eingesetzt.

Facebook hat auch in Ländern wie der Türkei, Pakistan oder Russland wegen lokaler Gesetze schon Inhalte eingeschränkt. Auch in Deutschland werden bestimmte Inhalte auf Facebook herausgefiltert, etwa Propaganda-Posts mit Hakenkreuz-Bildern oder Beiträge, in denen der Holocaust geleugnet wird. Diese Inhalte sind in der Bundesrepublik – im Gegensatz zu den USA – gesetzlich verboten. Die neue Software würde demnach weiterreichende Möglichkeiten zur Unterdrückung von Inhalten geben.

Facebook wurde vor sieben Jahren von den chinesischen Behörden aus dem Land verbannt. Damit hatten die Behörden nach ethnischen Unruhen mit 140 Toten versucht, den Austausch von Informationen darüber zu unterbinden. Ausländische Medien haben in China einen schweren Stand und sind politischem Druck ausgesetzt.

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