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25.01.2017

19:22 Uhr

Rumänien

Verleger Dan Adamescu ist gestorben

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Familie des wegen Korruption verurteilten Unternehmers erhebt schwere Vorwürfe gegen die rumänischen Behörden. Sohn Alexander, der sich als Opfer staatlicher Willkür begreift, wird ebenfalls per Haftbefehl gesucht.

Dan Adamescu (M.) gehörte zu den reichsten Unternehmern in Rumänien. AP

Dan Adamescu

Dan Adamescu (M.) gehörte zu den reichsten Unternehmern in Rumänien.

BukarestDer deutsche, aus Rumänien stammende Verleger und Unternehmer Dan Adamescu starb im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Blutvergiftung. „Der rumänische Staat hat sein Ziel erreicht, meinen Vater aus dem Weg zu räumen“, sagte der 38-jährige Sohn Alexander Adamescu. Seinen Vater, der wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, sei über Monate die notwendige Versorgung durch die Behörden verweigert worden. Die Nationale Gefängnisverwaltung in Bukarest hat die Vorwürfe der Familie bereits zurückgewiesen.

Der Verleger der konservativen Bukarester Zeitung „Romania Libera“ war ein Gegner des früheren rumänischen Premiers Viktor Ponta. An der Zeitung war früher auch die WAZ-Gruppe (heute Funke-Gruppe) beteiligt. Im Juni 2014 wurde Dan Adamescu wegen angeblicher Richterbestechung verhaftet. Er soll die Bestechung einer Richterin im Dezember 2013 veranlasst haben. Im Januar 2015 wurde der nach Deutschland ausgewanderte Rumäne zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten verurteilt. In der Haft verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. „Die rumänischen Behörden haben die zwingend erforderliche medizinische Versorgung erst nach Monaten zugelassen“, sagte seine Anwältin Anna Oehmichen.

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Der in London lebende Sohn Alexander Adamescu, wie der Vater deutscher Staatsbürger, wird derzeit per Europäischem Haftbefehl gesucht. Rumänien verlangt von Großbritannien wegen angeblicher Bestechung die Auslieferung. Der Sohn bestreitet die Vorwürfe. Er verweist darauf, dass Ermittlungen gegen ihn erst aufgenommen wurden, nachdem er eine Schiedsklage in Washington in Höhe von 200 Millionen Pfund gegen Rumänien eingereicht hatte. Die Klage richtete sich gegen die Zerstörung der Unternehmensgruppe seines Vaters, The Nova Group.

Zu Adamescus Firmenkonglomerat gehörte früher auch der Versicherungskonzern Astra mit zuletzt vier Millionen Kunden in Rumänien und einem Umsatz von rund 200 Millionen Euro. „Adamescus Firma betrieb eine Art Schneeballsystem, in dem ein Loch mit dem Aushub eines anderen gestopft wurde“, sagte Ponta damals zu den Ermittlungen.

„Die strafrechtliche Verfolgung von Dan und Alexander Adamescu ist ein klarer Fall politisch motivierter Verfolgung und staatlichen Missbrauchs von Macht“, kritisierte hingegen Alexander Adamescus Anwalt Nikolaos Gazeas. Über die Auslieferung des Sohnes des Verstorbenen wird ein britisches Gericht voraussichtlich im Frühjahr entscheiden.

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