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06.08.2014

06:56 Uhr

Rupert Murdoch

Der alte Herr macht einen Rückzieher

VonAxel Postinett

Wird er mit dem Alter weise oder weich? Nach nur drei Wochen gibt Rupert Murdoch den Versuch auf, mit der Übernahme von Time-Warner den größten Medienkonzern der Welt zu schmieden. In der Branche wird es nicht ruhiger.

Rupert Murdoch: Der 83-Jährige ist eigentlich bekannt dafür, dass er angefangene Sachen auch zu Ende bringt.

Rupert Murdoch: Der 83-Jährige ist eigentlich bekannt dafür, dass er angefangene Sachen auch zu Ende bringt.

San FranciscoEs wird die Woche der Medienunternehmen, und sie beginnt direkt mit einem Knaller: 21st Century Fox zieht sein Angebot über 80 Milliarden Dollar für den Kauf von Time Warner zurück. Analysten an der Wall Street reiben sich verwundert die Augen: Hinter 21st Century Fox steht niemand anderes als Rupert Murdoch, 83 Jahre alt und nicht gerade dafür bekannt, dass er eine einmal angefangene Sache nicht zu Ende bringt. Im Gegenteil. Sein Plan war es, aus den beiden Unternehmen den größten Medienkonzern der Welt zu schmieden. Dessen Einflusssphäre hätte von den beiden größten Hollywood-Studios über zahlreiche TV-Sender bis zum zweitgrößten Sportsender hinter ESPN gereicht. Besonders attraktiv für Murdoch wäre der höchst erfolgreiche Bezahlsender HBO. Doch nach nur drei Wochen ist alles vorbei.

Die Ankündigung kam nur einen Tag bevor beide Unternehmen am Mittwoch ihre Quartalsergebnisse vorlegen werden. In einem Statement macht Murdoch klar, dass er immer noch glaubt, die Fusion würde Sinn machen. Aber der fallende Aktienkurs und der Widerstand des Time-Warner-Managements ließen den Deal unattraktiv werden. „Diese Faktoren zusammen mit unserem Versprechen sowohl diszipliniert als auch fokussiert auf die Schaffung von Mehrwert für unsere Aktionäre zu handeln, hat uns dazu bewogen, das Angebot zurückzuziehen“, so Murdoch.

Die größten deutschen Medienkonzerne (Umsatz 2013)

Platz 10 – Funke Mediengruppe

Umsatz: 1,2 Milliarden Euro*

Platz 9 – Verlagsgruppe Weltbild

Umsatz: 1,59 Milliarden Euro*

Platz 8 – Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Umsatz: 1,88 Milliarden Euro*

Platz 7 – ZDF

Umsatz: 2,01 Milliarden Euro

Platz 6 – Bauer Media Group

Umsatz: 2,4 Milliarden Euro

Platz 5 – Hubert Burda Media

Umsatz: 2,45 Milliarden Euro*

Platz 4 – ProSieben Sat.1

Umsatz: 2,61 Milliarden Euro

Platz 3 – Axel Springer

Umsatz: 2,8 Milliarden Euro

Platz 2 – ARD

Umsatz: 6,28 Milliarden Euro

Platz 1 – Bertelsmann

Umsatz: 16,36 Milliarden Euro

Quelle

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

*Für diese Konzerne lagen die Umsatzzahlen von 2013 bei der Publikation im Mai noch nicht vor. In diesen Fällen wurden die zuletzt veröffentlichten Umsatzzahlen als Grundlage genommen.

Stattdessen will er jetzt für sechs Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen. Das wiederum wurde bei Analysten und Anlegern positiv aufgenommen. Nachbörslich zog die Aktie um bis zu zehn Prozent an, Time Warner fiel bis zu zehn Prozent auf 76 Dollar zurück. Das liegt unter dem ursprünglichen Angebot von rund 86 Dollar pro Aktie. Für Analysten ein Zeichen, dass Investoren nicht mit einer Rückkehr Murdochs rechnen. Jedenfalls nicht so schnell. Völlig ungeklärt bleibt daher auch die Frage, ob der Mega-Merger überhaupt die Hürden der Kartellwächter überspringen könnte.

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