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17.02.2017

07:50 Uhr

Samsung-Erbe verhaftet

Ein Weltkonzern wird aus dem Knast geführt

VonMartin Kölling

Lee Jae-yong ist längst der starke Mann im Samsung-Clan. Doch die Korruptionsvorwürfe nehmen zu – nun muss Lee den Elektronikriesen aus der Haftanstalt führen. Wie geht es für den Weltkonzern weiter?

Korruptionsskandal

Samsung-Chef wegen Schmiergeld verhaftet

Korruptionsskandal: Samsung-Chef wegen Schmiergeld verhaftet

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TokioSamsung-Erbe Lee Jae-yong setzt eine unselige Tradition koreanischer Firmenchefs fort: Freitagnacht bezog er eine Arrestzelle in Koreas Hauptstadt Seoul. Zuvor hatte das Zentrale Bezirksgericht Seouls den Haftantrag von Sonderermittlern gegen den faktischen Samsung-Chef genehmigt, dem im Beraterskandal um Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye Bestechung, Falschaussage und andere Vergehen vorgeworfen werden.

In einer Mitteilung an die Presse erklärten die Richter, dass sie auf der Grundlage neuer Vorwürfe und Beweise eine Verhaftung als begründet und notwendig ansähen. Allerdings wies das Gericht einen weiteren Haftantrag gegen den Präsidenten von Samsung Electronics, Park Sang-jin, ab.

Für Samsung und die Korea AG ist die Verhaftung des Aushängeschilds der koreanischen Wirtschaft ein Schock. Ein Vertreter des Unternehmensverbands warnte, dass das Führungsvakuum bei Samsung die bereits schwächelnde Wirtschaft weiter bremsen könnte. Aber die Anleger reagieren gelassen.

Wie Samsungs Debakel mit dem Galaxy Note 7 immer größer wurde

2. August 2016

Samsung stellt das „Phablet“ mit der Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll vor. Das Vorzeigemodell soll im oberen Preissegment punkten, in dem Apple mit seinem iPhone stark ist. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet später, Samsung habe sich beeilt, es deutlich vor dem September-Marktstart des iPhone 7 auf den Markt zu bringen.

19. August

Das Galaxy Note 7 kommt in mehreren Ländern in den Handel. Nach und nach gibt es Berichte von Nutzern über brennende oder zumindest überhitzte Telefone. Ein Überblick über das Ausmaß des Problems fehlt zunächst.

2. September

An dem Tag, an dem das Note 7 unter anderem auch in Deutschland breit in den Handel kommen sollte, gibt Samsung eine weltweite Umtauschaktion bekannt. Zunächst ist von 35 bestätigten Zwischenfällen die Rede.

8. September

Die US-Flugaufsicht FAA und dann auch ihr europäisches Pendant EASA verbieten, Geräte des Modells in Flugzeugen zu nutzen oder aufzuladen. Sie dürfen auch ausgeschaltet nicht ins aufgegebene Gepäck.

16. September

In den USA gibt es auch einen offiziellen Rückruf über die Verbraucherschutz-Behörde CPSC. Dabei werden deutlich mehr Fälle bekannt. Allein in dem Land seien demnach 26 Verbrennungen und 55 Fälle von Sachbeschädigung gemeldet worden.

19. September

Samsung leitet den Austausch der Geräte ein. Zugleich wird der Verkauf von Beteiligungen an anderen Tech-Unternehmen im Wert von rund einer Billion Won (etwa 800 Mio. Euro) bekannt. Die Kosten des Rückrufs für Samsung werden auf mindestens eine Milliarde Dollar (rund 900 Mio. Euro) geschätzt.

22. September

Die südkoreanische Behörde für Technologie und Standards (KATS) fordert von Samsung vor der Wiederaufnahme des Verkaufs zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Unter anderem solle jede Batterie für das Gerät einem Röntgentest unterzogen werden.

27. September

Samsung kündigt an, dass das Note 7 in Europa am 28. Oktober wieder regulär in den Handel kommen soll.

5. Oktober

Ein gerade ausgeschaltetes Note 7-Gerät in einem Flugzeug, das vor dem Abflug noch am Gate steht, gerät in Brand. Nach Darstellung des Besitzers ist es bereits ein Austauschgerät.

9. Oktober

Es werden vier weitere Fälle bekannt, in denen US-Verbraucher von Bränden mit Ersatzgeräten berichten. Zwei davon füllten demnach in der Nacht ein Schlafzimmer mit Rauch. Ein Telefon soll sich in den Händen eines 13-jährigen Mädchens in einer Schule entzündet haben. Die Mobilfunk-Anbieter AT&T, Verizon und T-Mobile US geben an ihre Kunden gar keine Note 7 mehr heraus.

11. Oktober

Innerhalb weniger Stunden stoppt Samsung erst den Verkauf der Geräte und gibt dann bekannt, dass die Produktion komplett eingestellt wird. Verbraucher werden aufgefordert, auch die Ersatzgeräte nicht mehr zu benutzen und zurückzugeben - oder gegen andere Modelle einzutauschen.

23. Januar 2017

Nach monatelangen Untersuchungen stellt Samsung seinen Bericht vor. Demnach gab es zwei verschiedene Fehler in den ersten Batterien und den Akkus der Austauschgeräte. Das Design des Smartphones selbst sei nicht das Problem gewesen.

Die Aktie von Samsung Electronics ging am Freitag stabil in den Handel und verlor bis zum Mittag nur 1,4 Prozent. Damit liegt der Aktienkurs nur sechs Prozent unter dem Allzeithoch vom Januar und 58 Prozent höher als vor einem Jahr. Denn sowohl Lee wie auch die Investoren hatten genug Zeit, sich an die Vorstellung zu gewöhnen, dass der faktische Chef von Südkoreas größtem Konglomerat einen Teil seiner Laufbahn im Knast verbringen wird.

Bereits seit Dezember steht Lee unter Beschuss. Vor vier Wochen stand er sogar ein erstes Mal vor den Haftrichtern, die ihn allerdings damals laufen ließen. Denn laut den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen hat die Firmengruppe 35 Millionen Euro an Stiftungen und Organisationen einer engen Beraterin und Freundin von Präsidentin Park gezahlt oder in Aussicht gestellt.

Die Causa Samsung: Eine doppelte Demütigung

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Premium Eine doppelte Demütigung

Die Vorwürfe der südkoreanischen Ermittler gegen Samsung-Chef Lee Jae-yong wiegen schwer. Die Demütigung des Konzernchefs sollte Anlass für Reformen der Konglomerate sein. Ein Kommentar.

Samsungs Position ist bisher, dass die Gruppe damit nur einer Bitte der Regierung nachgekommen sei und keine Gegenleistungen erwartet wurden. Immerhin hatten auch andere Firmengruppen des Landes den Stiftungen von Parks Freundin Choi Soon-sil hohe Summen gespendet. Die Ermittler wollen Lee allerdings Bestechung belegen, um ihre Klage gegen Präsidentin Park zu stärken. Sie wurde im Dezember vom Parlament des Amtes enthoben und wartet jetzt auf ein endgültiges Urteil des Obersten Gerichtshofs.

Der Vorwurf wiegt schwer: Choi soll 2015 als Dank für das Geld Druck auf den Nationalen Pensionsfonds ausgeübt haben, eine umstrittene Fusion von zwei Samsung-Firmen zu unterstützen. Dieser Zusammenschluss gilt als Schlüsselstein in der Machtübergabe des seit 2014 schwer erkrankten Samsung-Vorsitzenden Lee Kun-hee an seinen Sohn Lee. Doch Investoren werfen Samsung und dem Pensionsfonds vor, dass eine Firma damals deutlich unterbewertet wurde, damit Lee und seine zwei Schwestern ihr Sagen über die verschachtelte Gruppe und bei Samsung Electronics sichern konnten.

Die Ermittler gruben daher nach dem gescheiterten Haftantrag gegen Lee eifrig neue Klagepunkte aus, darunter kriminelle Erlöse und Verstöße gegen Kapitalverkehrsgesetze bei Zahlungen an Organisationen Chois in Deutschland. Und dieses Mal warteten sie offenbar mit überzeugenderen Beweisen auf als im Januar.

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