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19.02.2015

03:45 Uhr

Samsung kontert Apple Pay

Wettkampf um die digitale Kreditkarte

VonAxel Postinett

Nach Apple und Google startet nun auch Samsung einen eigenen mobilen Bezahlservice. Das südkoreanische Unternehmen übernimmt dafür LoopPay. Beim Wettkampf der Smartphone-Giganten geht um viel Geld, Kunden und Macht.

Samsung übernimmt LoopPay: Mit dem mobilen Bezahlservice sagt das koreanische unternehmen Apple Pay den Kampf an. ap

LoopPay gehört jetzt zu Samsung

Samsung übernimmt LoopPay: Mit dem mobilen Bezahlservice sagt das koreanische unternehmen Apple Pay den Kampf an.

San FranciscoSamsung übernimmt den Zahlungsdienstleiter LoopPay zu einem ungenannten Preis. LoopPay verwandelt, kurz gesagt, Smartphones in Kreditkarten. Statt wie üblich die Plastikkarte durch den Schlitz eines Lesegeräts zu ziehen, reicht in Zukunft eine Berührung mit dem Smartphone und die Daten werden übertragen.

Das Besondere an LoopPay: Es funktioniert, im Gegensatz zu Lösungen wie Apple Pay oder Google Wallet, mit gewöhnlichen Kreditkartenlesern, wie sie bereits in Millionen von Geschäften stehen. Für Samsung ist das der Schnelleinstieg in einen Markt, der rapide wächst. Das erste Smartphone mit integriertem LoopPay wird für den ersten März erwartet, wenn die Südkoreaner ihr neues Flaggschiff Galaxy S6 in Barcelona vorstellen.

„LoopPay bringt unsere Bemühungen voran, den Nutzern eine nahtlose, sichere und verlässliche Lösung für mobiles Bezahlen zu bringen“, sagt JK Shin, Präsident der Smartphone-Einheit von Samsung, zu dem Kauf. Die beiden LoopPay-Gründer Will Graylin und George Wallner werden „eng mit Samsung zusammenarbeiten“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens. „Wir freuen uns darauf, zusammen mit Samsung die sicherste und beste mobile Zahlungsplattform aufzubauen.“

Ob die patentierte Technik von LoopPay, „Magnetic Secure Transmission“ genannt, in Zukunft exklusiv für Samsungs Smartphones sein wird, ist derzeit nicht klar.

„Samsungs Kauf von LoopPay zeigt, wie ernst es den Koreanern mit dem Aufbau eines wettbewerbsfähigen Zahlungsdienstes in den USA ist“, erläutert Bryan Yaeger, Analyst beim Marktforscher eMarketer gegenüber dem Handelsblatt. Samsung bekomme so exklusiven Zugang zu der Technologie des Start-ups, die auch Händler mit älteren Zahlungsterminals nicht ausschließe.

„Es gibt noch sehr viele Händler, die ihre Lesegeräte nicht erneuert haben, um für neue Techniken wie NFC gerüstet zu sein“, so Yaeger weiter. Das dürften bis zu zehn Millionen sein.

Neue Techniken wie Apple Pay oder Google Wallet werden in den USA erst an rund 250.000 Terminals akzeptiert, doch die Zahl steigt rapide. Gerade erst hat der Automatenaufsteller USA Technologies angekündigt, man werde in über 200.000 Selbstbedienungsautomaten, von der Waschmaschine über Parkuhren bis zum Getränkespender, NFC-Chips und damit Apple Pay integrieren.

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Es geht um viel Geld. Die Berater von eMarketer vermelden für 2014 einen Umsatz durch Smartphones als Kreditkartenersatz von 3,5 Milliarden Dollar. Richtig Fahrt wird die „Kreditkarte im Telefon“ aber erst im Jahre 2016 aufnehmen - mit rund 27,5 Milliarden Dollar Umsatz. 2018 werde die Zahlungsmethode mit 118 Milliarden Dollar den Durchbruch schaffen, so eMarketer.

Um die Kunden und die Gebühren, die mit diesen Umsätzen zu verdienen sind, streiten sich die Giganten der Bankenwelt, des Handels und des Silicon Valleys. Für Samsung oder Google läuft angesichts der Apple-Invasion die Zeit ab. Apple Pay startete im Oktober 2014 und wächst rasant. Das Händlerkonsortium MCX um den weltgrößten Einzelhändler Walmart will seine Lösung „CurrentC“ noch dieses Jahr einführen, um ein Gegengewicht zu Apple und Google aufzubauen. Es geht darum, wer am Ende den Kontakt zum Kunden behält und alles, was damit zusammenhängt - von Zahlungsdaten über Nutzerverhalten bis hin zu möglichen Zusatzverkäufen. Und natürlich geht es auch um den Absatz der Smartphones selbst.

Samsung ist dabei klar im Rückstand. Gegen Apples iPhone 6 hat das Unternehmen an allen Fronten verloren. Sogar in China hat Apple die Südkoreaner vom Spitzenplatz verdrängt. Deshalb musste schnell eine Lösung wie LoopPay her, um im Geschäft zu bleiben.

Beim jüngsten Quartalsausweis legte Apple-Chef Tim Cook nicht nur einen historischen Gewinn von 18 Milliarden Dollar vor, sondern gab erste Einblicke in das neue Apple Pay. Laut Apple bestreitet der Zahlungsdienst bereits zwei von drei Dollar, die mit Smartphones als Kreditkartenersatz über Visa oder Mastercard umgesetzt werden. „Wir sind überzeugter denn je“, so Cook, „dass 2015 das Jahr von Apple Pay wird.“

Der Ökohändler „Whole Foods“ habe eine Steigerung um 400 Prozent bei mobiler Zahlung seit dem Start von Apple Pay im Oktober verzeichnet, obwohl auch andere mobile Zahlungsdienste akzeptiert werden. Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Google.

Überhaupt ist Google derzeit der größte Verlierer. Dessen Smartphone-Brieftasche „Google Wallet“, das nur mit einer Handvoll Smartphone-Modelle funktioniert, findet kaum Zuspruch.

Jetzt schießt mit Samsung auch der größte Hersteller von Google-Smartphones eine volle Breitseite gegen Googles mobiles Zahlungssystem. Damit demonstrieren die Südkoreaner erneut, dass sie mehr sein wollen als nur einfache Hersteller von Google-Geräten.

Dieser Kampf ist noch nicht vorbei. Es bleibt abzuwarten, ob Google Wallet im Galaxy S6 noch vorhanden sein wird.

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