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15.12.2015

09:09 Uhr

Samsung

Südkorea und die Krebstoten

Die Halbleiterindustrie ist Stolz der Wirtschaft Südkoreas. Doch eine Reihe von Krebserkrankungen in einer Chipfabrik bringt den Branchenprimus Samsung in Bedrängnis. Der Streit um Entschädigung wird erbittert geführt.

Hwang Sang-gi von der Organisation Banolim steht mit einem Protestplakat vor dem Samsung-Gebäude in Seoul. ap

Protest

Hwang Sang-gi von der Organisation Banolim steht mit einem Protestplakat vor dem Samsung-Gebäude in Seoul.

SeoulIn den Samsung-Fabriken in Südkorea werden zum Teil gefährliche Chemikalien eingesetzt. An Krebs erkrankte Arbeiter fordern deshalb seit Jahren Entschädigung. Vor gut einem Jahr sah es so aus, als gäbe es nach langem und zähem Ringen eine Einigung zwischen dem Elektronik-Konzern und den betroffenen Familien. Aber inzwischen haben sich die Fronten wieder verhärtet.

Den Kranken stieß schon damals bitter auf, dass sich das Unternehmen weigerte, eine direkte Verbindung zwischen Krebs und der Arbeit in den Chipfabriken anzuerkennen – und dass das Einlenken erst nach deutlicher Kritik in den Medien kam, insbesondere in den wichtigen Absatzmärkten USA und Europa. Aber das Angebot einer finanziellen Entschädigung wirkte versöhnlich.

Die Geschichte von Samsung

Konzern mit langer Geschichte

Smartphones, Fernseher, Computer, Kameras, und und und: Samsung ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Die Geschichte des südkoreanischen Mischkonzerns begann Ende der 30er Jahre.

Trockennahrung und Getreidemühlen

Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.

Umzug im Korea-Krieg

Während des Koreakrieges (1950-53) musste Lee Byung Chul die Hauptstadt Seoul verlassen, in Busan eröffnete er eine Zuckerraffinerie. Nach dem Krieg gründete er auch eine Textilienfirma und baute eine Fabrik.

Lebensversicherungen

1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft ist größter Versicherer in Südkorea.

Fernseher und Kühlschränke

Ende der 1960er Jahre fängt Samsung an, Elektronik zu produzieren. So kommt 1970 ein Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Markt. Vier Jahre später erweitert der Konzern seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.

Telekommunikationsausrüstung

1980 übernahm Samsung einen Hersteller von Telekommunikationsausrüstung – die Grundlage für das heutige Handygeschäft.

Generationswechsel und Umstrukturierung

Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte. Er teilte den Konzern in vier Gruppen, darunter die heute so bekannte Elektroniksparte.

Autotelefone und Smartphones

In den 1980er Jahren brachte Samsung erste Autotelefone heraus. In den 1990er Jahren verkaufte der Konzern Handys, seit den 2000er Jahren auch Smartphones. Inzwischen ist Samsung der größte Anbieter in diesem Segment, noch vor Apple und Nokia.

Tablet-Computer und intelligente Uhren

Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt geschaffen, Samsung macht dem kalifornischen Konzern mit seinen Galaxy-Tab-Geräten aber inzwischen enorm Konkurrenz. Außerdem hat der südkoreanische Hersteller mit der Galaxy Gear eine Smartwatch herausgebracht.

Im Dezember 2014 einigten sich beide Seiten außerdem darauf, zur weiteren Schlichtung ein Expertengremium einzusetzen. Dessen Vorschlag, mit einer unabhängige Institution nicht nur die Entschädigungszahlungen, sondern auch die Verbesserung der Sicherheit in den Fabriken zu überwachen, lehnte Samsung jedoch ab. Nun ist der Streit wieder aufgeflammt.

„Wenn es keine Schutzmaßnahmen gibt, dann werden die Arbeiter auch künftig ungewöhnliche Krankheiten bekommen. Und jedes Mal, wenn ein Arbeiter erkrankt, wird Samsung lediglich einen Ausgleich zahlen“, sagt Hwang Sang-gi von der Organisation Banolim, die sich für die Rechte der Betroffenen einsetzt. Er selbst werde keine Entschädigung beantragen, da auf diese Weise nur von den eigentlichen Problemen im Unternehmen abgelenkt werde.

Hwang hat seine Tochter verloren. Sie starb 2007 im Alter von 22 Jahren an Leukämie, nachdem sie in einem Werk südlich der Hauptstadt Seoul Siliziumscheiben in Chemikalien getaucht hatte. Ihr Tod war der Auslöser einer Debatte über die Gesundheitsrisiken in den Fabriken von Samsung und anderen Firmen der südkoreanischen Halbleiterindustrie. Über Hwangs Suche nach den genauen Ursachen für den Tod seiner Tochter wurde sogar ein Film gedreht, der vergangenes Jahr große Aufmerksamkeit erregte.

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