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19.05.2017

14:05 Uhr

SAP-Entwicklerkonferenz Sapphire Now

„Wir machen alles intelligent“

VonChristof Kerkmann

SAP setzt künftig auf Künstliche Intelligenz: Ein digitaler Assistent soll Nutzern die Menü-Navigation erleichtern. Auf der Sapphire Now hat der Konzern einen Einblick gegeben, wie er sich intelligenter aufstellen will.

Der deutsche Softwarekonzern führt einen digitalen Assistenten mit dem Namen Co-Pilot ein. Dieser nimmt in einem Chat Befehle entgegen, zumindest in der Cloud-Version des Programmpakets S4/Hana. dapd

SAP setzt auf Künstliche Intelligenz

Der deutsche Softwarekonzern führt einen digitalen Assistenten mit dem Namen Co-Pilot ein. Dieser nimmt in einem Chat Befehle entgegen, zumindest in der Cloud-Version des Programmpakets S4/Hana.

OrlandoWie hoch war der Umsatz in Europa? Und wie Kunden haben in den USA einen neuen Vertrag unterschrieben? Wer mit SAP-Programmen arbeitet, muss künftig nicht mehr durch komplizierte Menüs navigieren, um solche Informationen auf den Schirm zu rufen: Der deutsche Softwarekonzern führt einen digitalen Assistenten mit dem nüchternen Namen Co-Pilot ein. Dieser nimmt in einem Chat Befehle entgegen, zumindest in der Cloud-Version des Programmpakets S4/Hana.

Der Assistent ist nur ein Beispiel dafür, dass SAP auf Künstliche Intelligenz setzt. Das Unternehmen wolle Menschen, Dinge und Unternehmen „intelligent vernetzen“, versprach Vorstandssprecher Bill McDermott diese Woche auf der Sapphire Now in Orlando, der größten Kundenkonferenz des Konzerns. Und Aufsichtsratschef Hasso Plattner sagte: „Wir wollen alles intelligent machen.“ So sollen immer mehr Prozesse im Unternehmen automatisch ablaufen – ob bei der Auswahl von Bewerbern, der Beantwortung von Kundenanfragen oder der Auswahl von Lieferanten.

Die wichtigsten SAP-Produkte

S4/Hana

Für SAP ist es das wichtigste Produkt: S4/Hana ist ein Programmpaket, mit dem Unternehmen alles – von der Ersatzteilbestellung bis zur Finanzberichterstattung – erledigen können. Für diese Aufgaben hat sich der Begriff Enterprise Resource Planning (ERP) etabliert – hier ist der deutsche Konzern Marktführer. Die Datenbank Hana ermöglicht es, die Prozesse nahezu in Echtzeit abzubilden. S4 ist der Nachfolger von R3, dank dessen Erfolg SAP zu einem Weltkonzern geworden ist.

Hana

Die erste Arbeit an der Datenbank Hana erledigte SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner 2008 mit einer Gruppe Studenten. Nach einigen Jahren Weiterentwicklung steht die Technologie inzwischen im Zentrum des Konzerns: Sie ist die Grundlage wichtiger Anwendungen wie S4/Hana und der SAP Cloud Platform. Technisch gesehen handelt es sich um eine In-Memory-Datenbank, die alle Daten im Arbeitsspeicher hält und somit auch große Datenmengen schnell auswerten kann.

SAP Cloud Platform

Mit der SAP Cloud Platform ermöglicht SAP es Unternehmen, selbst Programme zu entwickeln – Erweiterungen für SAP-Lösungen wie S4/Hana, aber auch eigenständige Apps. Dabei ist es möglich, die Hana-Technologie aus der Cloud für die Datenanalyse zu nutzen – ob für die Auswertung von Maschinendaten oder aufwendige Konstruktionen. Der Konzern wirbt damit, dass die Plattform es ermöglicht, Innovationen schnell umzusetzen.

Business Network Group

SAP hat in den vergangenen Jahren die Plattformen Ariba, Fieldglass und Concur gekauft und in der Business Network Group zusammengefasst – eine Art Amazon für Materialien, Arbeitskräfte und Reisen. All das läuft über die Cloud, was die Automatisierung der Prozesse erleichtern und somit Kosten senken soll. Nach Angaben des Konzerns werden über das Netzwerk Geschäfte im Wert von einer Billion Dollar abgewickelt.

Sucess Factors

Für das Personalwesen, neudeutsch Human Capital Management, hat SAP 2012 eine Lösung zugekauft: Success Factors. Zum Paket zählen Funktionen für Recruiting, Bewerberverwaltung, Leistungsmanagement und Nachfolgeplanung. Bei der Übernahme ging es aber nicht nur um das neue Geschäft, sondern auch um Technologie: Success Factors half SAP, das Cloud Computing zu verstehen.

Hybris

Mit der Übernahme von Hybris holte SAP 2013 eine Lösung für Kundenbindung und Online-Handel in den Konzern, die also auch das Customer Relationship Management (CRM) einschließt. Die Software ermöglicht es Unternehmen, Kunden zielgerichtet anzusprechen und Online-Käufer zu analysieren.

Leonardo

Spediteure verfolgen den Weg ihrer Lieferungen, Industriebetriebe überwachen ihre Maschinen, Verbraucher steuern ihre Heizung: Das Internet der Dinge ermöglicht die Vernetzung aller möglichen Gegenstände. Für SAP ist das ein wichtiger Trend – er hat das Potenzial, Geschäftsprozesse zu verändern. Unter dem Namen Leonardo vermarktet der Konzern verschiedene Lösungen, etwa eine zur Überwachung von Fahrzeugflotten. Der Konzern hofft auf einen riesigen Markt, ohne aber Prognosen zu nennen.

Künstliche Intelligenz (KI) ist für die IT-Branche das Thema der Stunde. Google kündigte jüngst an, alle Produkte mithilfe der Technologie zu überarbeiten, auch Microsoft und Amazon, IBM und Salesforce investieren massiv. Die Ausgaben für KI einschließlich Hardware, Software und Diensten wachsen nach einer Prognose des Marktforschers IDC von acht Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 47 Milliarden Dollar im Jahr 2020.

Auch für SAP ist das Thema von strategischer Bedeutung – die Technologie hat das Zeug, auch große Unternehmensanwendungen, wie der deutsche Konzern sie entwickelt, zu revolutionieren. Der Konzern werde „ohne Wenn und Aber der führende Anbieter“ bei intelligenten Anwendungen für geschäftliche Software, sagte McDermott dem Handelsblatt im November. Doch trotz dieser selbstbewussten Ankündigung bisher gibt es nur wenige Beispiele, wie das konkret aussehen soll.

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Fast wäre dem Aufsichtsrat von SAP das Vertrauen entzogen worden. Chefkontrolleur Plattner sollte Konsequenzen daraus ziehen – sonst könnte es ihm wie anderen starken Unternehmenspersönlichkeiten ergehen. Eine Analyse.

Auf der Sapphire Now hat der Konzern einen Einblick gegeben, wie er sich die intelligente Firma vorstellt. Eine neue Funktion der E-Commerce-Lösung soll beispielsweise den Kundenservice erleichtern, indem sie Anfragen analysiert und gleich an die richtigen Mitarbeiter weiterleitet. Aus deren Lösungen lernt das System, wie es mit solchen Problemen künftig umgehen könnte. „Das ist der erste Schritt in Richtung eines eigenständigen Kundenservice“, erklärte Innovationschef Jürgen Müller nach der Präsentation im Unternehmensblog.

Kommentare (1)

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G. Nampf

19.05.2017, 15:29 Uhr

„Wir machen alles intelligent“


Bitte, bitte liebe SAP´ler: fangt mit unseren Politikern an !!!

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