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25.04.2017

15:48 Uhr

SAP-Finanzchef Mucic

„Unsere Mitarbeiter sind zufrieden wie noch nie“

VonIna Karabasz

Trotz eines Gewinnrückgangs im ersten Quartal herrscht bei SAP großer Optimismus. Finanzchef Luka Mucic erklärt, was dem Dax-Konzern Hoffnung macht – und warum SAP für die Mitarbeiter gerne tiefer in die Tasche greift.

Im ersten Quartal 2017 ist das Cloud-Geschäft von SAP weiter gewachsen. Reuters

SAP-Chef Bill McDermott (r.) und sein Finanzchef Luka Mucic

Im ersten Quartal 2017 ist das Cloud-Geschäft von SAP weiter gewachsen.

DüsseldorfIn der Bilanz des Software-Konzerns SAP für das erste Quartal dieses Jahres steht ein dickes Minus. Um 17 Prozent ist der unbereinigte operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal gefallen, auf nun 673 Millionen Euro. Und trotzdem scheinen alle zufrieden. Der Aktienkurs fiel nur kurz nach der Bekanntgabe der Zahlen am Morgen, mittlerweile ist er wieder leicht im Plus.

Die Analysten sind weiter optimistisch: Thomas Becker von der Commerzbank etwa bewertete die Resultate positiv mit Blick auf die Wachstumsdynamik im Kerngeschäft. Und bei SAP ist man sogar sehr zufrieden. „Das erste Quartal ist ganz hervorragend gelaufen“, sagt Finanzchef Luka Mucic im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir wachsen stark und gesund.“

Mehr Umsatz, weniger Gewinn: Kurs-Höhenflug wird für SAP zur Last

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Kurs-Höhenflug wird für SAP zur Last

Eine hohe Nachfrage nach Cloud-Software führt bei SAP zu einer üppigen Umsatzsteigerung. Europas größter Softwarehersteller muss trotzdem einen rückläufigen Gewinn hinnehmen. Schuld daran ist auch der hohe Aktienkurs.

Grund für diesen Optimismus ist zum einen, dass das Minus aus einem Plus entstanden ist: Der Aktienkurs von SAP ist im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent auf mehr als 90 Euro gestiegen. Da bei rund 65 Prozent der Mitarbeiter ein Teil der Vergütung am Aktienkurs hängt, bekommen die nun deutlich mehr Geld: 250 Millionen mehr als im Vorjahr. 363 Millionen Euro kostet SAP dieses Vergütungssystem.

Ändern will man daran aber trotzdem nichts. Im Gegenteil: „Die hohen Mehraufwendungen für die Aktienvergütung der Mitarbeiter bewegen sich durchaus im Rahmen der Planung", erklärte Finanzchef Mucic. „Zum einen orientieren sich unsere Ziele ohnehin am bereinigten Ergebnis, da sich der Aktienkurs eben nicht planen lässt. Zum anderen wollen wir die Mitarbeiter auch zu Miteigentümern machen. Das erhöht die Motivation. Eine moderne Belegschaft in unserer Industrie erwartet das auch.“

Das dies funktioniert, kann er auch mit Zahlen belegen. „Unsere letzte Umfrage unter den Mitarbeitern hat ergeben: Sie sind so zufrieden wie noch nie.“ Das zeige sich auch im Wunsch von 94 Prozent der Mitarbeiter, dem Unternehmen treu zu bleiben: „Die Fluktuation bei SAP beträgt keine sechs Prozent.“

Die wichtigsten SAP-Produkte

S4/Hana

Für SAP ist es das wichtigste Produkt: S4/Hana ist ein Programmpaket, mit dem Unternehmen alles – von der Ersatzteilbestellung bis zur Finanzberichterstattung – erledigen können. Für diese Aufgaben hat sich der Begriff Enterprise Resource Planning (ERP) etabliert – hier ist der deutsche Konzern Marktführer. Die Datenbank Hana ermöglicht es, die Prozesse nahezu in Echtzeit abzubilden. S4 ist der Nachfolger von R3, dank dessen Erfolg SAP zu einem Weltkonzern geworden ist.

Hana

Die erste Arbeit an der Datenbank Hana erledigte SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner 2008 mit einer Gruppe Studenten. Nach einigen Jahren Weiterentwicklung steht die Technologie inzwischen im Zentrum des Konzerns: Sie ist die Grundlage wichtiger Anwendungen wie S4/Hana und der SAP Cloud Platform. Technisch gesehen handelt es sich um eine In-Memory-Datenbank, die alle Daten im Arbeitsspeicher hält und somit auch große Datenmengen schnell auswerten kann.

SAP Cloud Platform

Mit der SAP Cloud Platform ermöglicht SAP es Unternehmen, selbst Programme zu entwickeln – Erweiterungen für SAP-Lösungen wie S4/Hana, aber auch eigenständige Apps. Dabei ist es möglich, die Hana-Technologie aus der Cloud für die Datenanalyse zu nutzen – ob für die Auswertung von Maschinendaten oder aufwendige Konstruktionen. Der Konzern wirbt damit, dass die Plattform es ermöglicht, Innovationen schnell umzusetzen.

Business Network Group

SAP hat in den vergangenen Jahren die Plattformen Ariba, Fieldglass und Concur gekauft und in der Business Network Group zusammengefasst – eine Art Amazon für Materialien, Arbeitskräfte und Reisen. All das läuft über die Cloud, was die Automatisierung der Prozesse erleichtern und somit Kosten senken soll. Nach Angaben des Konzerns werden über das Netzwerk Geschäfte im Wert von einer Billion Dollar abgewickelt.

Sucess Factors

Für das Personalwesen, neudeutsch Human Capital Management, hat SAP 2012 eine Lösung zugekauft: Success Factors. Zum Paket zählen Funktionen für Recruiting, Bewerberverwaltung, Leistungsmanagement und Nachfolgeplanung. Bei der Übernahme ging es aber nicht nur um das neue Geschäft, sondern auch um Technologie: Success Factors half SAP, das Cloud Computing zu verstehen.

Hybris

Mit der Übernahme von Hybris holte SAP 2013 eine Lösung für Kundenbindung und Online-Handel in den Konzern, die also auch das Customer Relationship Management (CRM) einschließt. Die Software ermöglicht es Unternehmen, Kunden zielgerichtet anzusprechen und Online-Käufer zu analysieren.

Leonardo

Spediteure verfolgen den Weg ihrer Lieferungen, Industriebetriebe überwachen ihre Maschinen, Verbraucher steuern ihre Heizung: Das Internet der Dinge ermöglicht die Vernetzung aller möglichen Gegenstände. Für SAP ist das ein wichtiger Trend – er hat das Potenzial, Geschäftsprozesse zu verändern. Unter dem Namen Leonardo vermarktet der Konzern verschiedene Lösungen, etwa eine zur Überwachung von Fahrzeugflotten. Der Konzern hofft auf einen riesigen Markt, ohne aber Prognosen zu nennen.

Vorstandschef Bill McDermott hatte noch vor wenigen Wochen mit seinem überdurchschnittlich hohen Gehalt Schlagzeilen gemacht. 14 Millionen Euro verdiente er 2016 – auch wegen der guten Entwicklung des Aktienkurses. Mucic sieht darin kein Problem. „Die hohe Vergütung unseres Vorstandschefs hat intern eine hohe Akzeptanz. In unserem Konzern ist es seit langem akzeptiert, dass die Vergütung dem Leistungsprinzip folgt."

Unumstritten war das hohe Gehalt aber dennoch nicht: „Die sehr üppige Vorstandsvergütung hat natürlich auch in Betriebsratskreisen Diskussionen ausgelöst", hatte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Merx dem Handelsblatt erklärt. Zwar freue die Mitarbeiter, dass es der Firma gut gehe. Aber: „Wir hätten erwartet, dass die allgemeinen Gehaltserhöhungen den Firmenerfolg besser widerspiegeln, was leider nicht der Fall ist.“

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