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21.01.2014

15:06 Uhr

SAP-Gründer Plattner

Einmischer mit E-Gitarre

Früher stellte er sich mit der E-Gitarre vor Kunden, heute schlägt er in Interviews laute Töne an: SAP-Mitgründer Hasso Plattner ist ein schillernde Persönlichkeit. Auch mit 70 mischt er im Unternehmen noch kräftig mit.

Hasso Plattner wird 70 – und meldet sich bei SAP immer noch laut zu Wort. dpa

Hasso Plattner wird 70 – und meldet sich bei SAP immer noch laut zu Wort.

Nebel steigt von der Bühne auf, die ersten Klänge einer E-Gitarre sind zu hören, ein Mann erscheint – die Menge tobt. Was aussieht und sich anhört wie ein Rockkonzert, spielte sich 1994 auf der Kundenmesse des Softwarekonzerns SAP ab. Der Mann an der Gitarre: Hasso Plattner, zu dieser Zeit SAP-Vorstand.

Der Auftritt ist nur eine von vielen Anekdoten, die sich um den Gründer des Softwareriesen ranken. Heute, am 21. Januar, wird Plattner 70 Jahre alt. Legendäre Segelrennen mit Konkurrenten oder sein Mäzenatentum sind aus seiner Biografie ebenso so wenig wegzudenken wie er selbst aus dem Konzern. Als Aufsichtsratschef mischt Plattner nach wie vor in der Firma mit – auch wenn er das von sich weist: „Ich bin kein Über-Chef“, sagte er im Sommer der „Wirtschaftswoche“.

Gemeinsam mit Dietmar Hopp und drei weiteren IBM-Kollegen gründete Plattner 1972 die Firma Systemanalyse und Programmentwicklung. Schon damals sei Plattner der „konstruktive Querdenker“ in dem Team gewesen, erzählt Mitgründer Hopp. Er beschreibt den ehemaligen Vorstandskollegen als „extrem fokussiert und erfolgsorientiert“ – aber auch als jemanden, der mit einer „gewissen Ungeduld“ ausgestattet ist.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

Soll heißen: Plattner nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn ihn etwas stört. Mal wettert er gegen das deutsche Steuersystem. Mal gibt er die Losung aus, SAP solle eine „Happy Company“ à la Google werden, mal feuert er die Mitarbeiter unverblümt an: „Manchmal will ich die Walldorfer Entwickler packen und schütteln und anschreien: Bewegt euch schneller!“

Das bringt ihm nicht nur Freunde in der Belegschaft und vergraulte auch schon die eine oder andere Führungskraft. Trotzdem wird Plattner geschätzt. „Hasso Plattner ist nach wie vor wichtig für SAP, weil er Dinge voranbringt“, sagt Betriebsratschef Stefan Kohl.

Die USA, die Firmen im Silicon Valley, sind Plattners großes Vorbild – nicht unbedingt zum Schaden der Firma. Anfang der 1990er Jahren kommt er von dort zurück und überzeugt seine Kollegen, das aus ihrer Sicht noch nicht ganz fertige Softwarepaket R3 zu verkaufen. Die Wette geht auf: In den kommenden Jahren wird SAP Marktführer.

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