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10.05.2017

15:13 Uhr

SAP-Hauptversammlung

Hasso Plattner schrammt an Blamage vorbei

Hasso Plattner hat den SAP-Aktionären mehr Transparenz bei der Vorstandsvergütung versprochen – Millionen-Zahlungen an die Manager aber vehement verteidigt. Die Aktionäre verpassen ihm dafür einen deutlichen Denkzettel.

Der Aufsichtsrat von SAP ist auf der Hauptversammlung mit einer denkbar knappen Mehrheit von 50,49 Prozent entlastet worden. dpa

Hasso Plattner

Der Aufsichtsrat von SAP ist auf der Hauptversammlung mit einer denkbar knappen Mehrheit von 50,49 Prozent entlastet worden.

MannheimSAP-Chefkontrolleur Hasso Plattner hat trotz harscher Kritik ausländischer Aktionäre die hohen Managergehälter bei dem Softwarekonzern verteidigt. „Die Vorstandsvergütung muss mit Blick auf unsere globalen Konkurrenten international wettbewerbsfähig sein“, sagte der SAP-Mitgründer am Mittwoch in Mannheim. Zu den Wettbewerbern gehören US-Konzerne wie Microsoft und Oracle.

Ausländische Aktionärsvertreter hatten die Vergütungsstruktur im Vorfeld der Hauptversammlung kritisiert. „Wir werden gegen die Entlastung des Aufsichtsrats stimmen, weil wir erhebliche Bedenken bezüglich des Vergütungssystems haben und diese vom Aufsichtsrat ignoriert wurden“, sagte Hans-Christoph Hirt vom britischen Investor und Aktionärsvertreter Hermes dem „Spiegel“. Auch die einflussreiche Aktionärsvertretung Institutional Shareholder Services (ISS) empfahl ihren Kunden, die Entlastung zu verweigern.

SAP-Vorstandsvergütung: Hasso Plattner widerspricht den Investoren

SAP-Vorstandsvergütung

Premium Hasso Plattner widerspricht den Investoren

Der Aufsichtsratschef und Mitgründer von SAP wehrt sich vehement gegen Kritik von Investoren an den Vorstandsgehältern. Der 73-Jährige will das Aufsichtsgremium verjüngen – aber selbst dabei bleiben.

Die Forderung hatte fast Erfolg: Die Entlastung fiel mit einem Votum von 50,49 Prozent der Stimmen denkbar knapp aus. Üblicherweise werden Aufsichtsräte mit mehr als 90 Prozent entlastet.

Stein des Anstoßes sind die 14 Millionen Euro, die SAP-Chef Bill McDermott laut Vergütungsbericht für das Jahr 2016 zugesprochen bekam – so viel wie kein anderer Chef eines Dax-Konzerns. Grund ist vor allem die am Aktienkurs orientierte langfristige variable Vergütung, auf die der SAP-Chef allerdings bis zu vier Jahre warten muss.

Der große Knatsch auf der Hauptversammlung in Mannheim blieb zunächst allerdings aus. Christiane Hölz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) betonte, sie hätte sich etwas mehr Gespür und eine bessere Einbettung in das deutsche Gehaltsgefüge gewünscht. Auch die Darstellung im Geschäftsbericht sei nach wie vor unverständlich: „Schreiben Sie den Vergütungsbericht so, dass der Aktionär ihn verstehen kann.“

Die wichtigsten SAP-Produkte

S4/Hana

Für SAP ist es das wichtigste Produkt: S4/Hana ist ein Programmpaket, mit dem Unternehmen alles – von der Ersatzteilbestellung bis zur Finanzberichterstattung – erledigen können. Für diese Aufgaben hat sich der Begriff Enterprise Resource Planning (ERP) etabliert – hier ist der deutsche Konzern Marktführer. Die Datenbank Hana ermöglicht es, die Prozesse nahezu in Echtzeit abzubilden. S4 ist der Nachfolger von R3, dank dessen Erfolg SAP zu einem Weltkonzern geworden ist.

Hana

Die erste Arbeit an der Datenbank Hana erledigte SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner 2008 mit einer Gruppe Studenten. Nach einigen Jahren Weiterentwicklung steht die Technologie inzwischen im Zentrum des Konzerns: Sie ist die Grundlage wichtiger Anwendungen wie S4/Hana und der SAP Cloud Platform. Technisch gesehen handelt es sich um eine In-Memory-Datenbank, die alle Daten im Arbeitsspeicher hält und somit auch große Datenmengen schnell auswerten kann.

SAP Cloud Platform

Mit der SAP Cloud Platform ermöglicht SAP es Unternehmen, selbst Programme zu entwickeln – Erweiterungen für SAP-Lösungen wie S4/Hana, aber auch eigenständige Apps. Dabei ist es möglich, die Hana-Technologie aus der Cloud für die Datenanalyse zu nutzen – ob für die Auswertung von Maschinendaten oder aufwendige Konstruktionen. Der Konzern wirbt damit, dass die Plattform es ermöglicht, Innovationen schnell umzusetzen.

Business Network Group

SAP hat in den vergangenen Jahren die Plattformen Ariba, Fieldglass und Concur gekauft und in der Business Network Group zusammengefasst – eine Art Amazon für Materialien, Arbeitskräfte und Reisen. All das läuft über die Cloud, was die Automatisierung der Prozesse erleichtern und somit Kosten senken soll. Nach Angaben des Konzerns werden über das Netzwerk Geschäfte im Wert von einer Billion Dollar abgewickelt.

Sucess Factors

Für das Personalwesen, neudeutsch Human Capital Management, hat SAP 2012 eine Lösung zugekauft: Success Factors. Zum Paket zählen Funktionen für Recruiting, Bewerberverwaltung, Leistungsmanagement und Nachfolgeplanung. Bei der Übernahme ging es aber nicht nur um das neue Geschäft, sondern auch um Technologie: Success Factors half SAP, das Cloud Computing zu verstehen.

Hybris

Mit der Übernahme von Hybris holte SAP 2013 eine Lösung für Kundenbindung und Online-Handel in den Konzern, die also auch das Customer Relationship Management (CRM) einschließt. Die Software ermöglicht es Unternehmen, Kunden zielgerichtet anzusprechen und Online-Käufer zu analysieren.

Leonardo

Spediteure verfolgen den Weg ihrer Lieferungen, Industriebetriebe überwachen ihre Maschinen, Verbraucher steuern ihre Heizung: Das Internet der Dinge ermöglicht die Vernetzung aller möglichen Gegenstände. Für SAP ist das ein wichtiger Trend – er hat das Potenzial, Geschäftsprozesse zu verändern. Unter dem Namen Leonardo vermarktet der Konzern verschiedene Lösungen, etwa eine zur Überwachung von Fahrzeugflotten. Der Konzern hofft auf einen riesigen Markt, ohne aber Prognosen zu nennen.

Anteilseigner hatten schon auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr das neue Vergütungssystem der SAP kritisiert, die Zustimmung dazu fiel mit 55 Prozent äußert knapp aus. „Ich verstehe die Kritik, dass die Regelung kompliziert ist“, sagte Plattner. Über kein anderes Thema habe der Aufsichtsrat so viel diskutiert.

Die Komplexität habe damit zu tun, dass SAP gleich drei Dinge berücksichtigen müsse: die Konkurrenz in den USA, einen Anreiz für langfristige Arbeit, aber auch den Corporate-Governance-Kodex. „Wir hätten das 2016 längst besser machen können.“ Die Obergrenze von 41 Millionen Euro für Bill McDermott sei allerdings ein absolut fiktiver Wert, um den Berlinern gerecht zu werden.“ Ein Seitenhieb auf die Gesetzgeber.

Plattner betonte aber auch, der Aufsichtsrat halte die Höhe für angemessen. Er habe „überhaupt kein Verständnis“ für Diskussionen in der Politik, Bonuszahlungen für Manager zu begrenzen.

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