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12.05.2016

16:08 Uhr

SAP-Hauptversammlung

„Schön, dass Sie wieder so fit sind“

VonChristof Kerkmann

Mit getönter Brille wieder dabei: Die Aktionäre begrüßen SAP-Chef McDermott nach seinem Unfall begeistert. Über die Zahlen haben sie auf der Hauptversammlung wenig zu klagen, für Ärger sorgt aber die Vorstandsvergütung.

Die Aktionäre sind weitgehend zufrieden mit der Arbeit von SAP-Chef Bill McDermott (l.), hier mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner. dpa

Auftritt mit Brille

Die Aktionäre sind weitgehend zufrieden mit der Arbeit von SAP-Chef Bill McDermott (l.), hier mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner.

MannheimDer Applaus scheint selbst Bill McDermott zu überraschen. Der Vorstandsvorsitzende und Chefverkäufer von SAP trägt am Pult gerade die Ergebnisse des Softwarekonzerns vor: Der Umsatz ist gestiegen, das Zukunftsgeschäft mit dem Cloud Computing brummt – und die Aktionäre freuen sich darüber. „You love the result section“, sagt der Amerikaner auf Englisch, der Arbeitssprache bei SAP, und grinst.

McDermott und seine Vorstandskollegen haben auf dieser Hauptversammlung in der SAP-Arena in Mannheim leichtes Spiel. Das Geschäft des Softwarekonzerns lief im vergangenen Jahr rund, die Resultate auf der Leinwand hinter ihm zeigen es. Die Strategie, sich als Digitalisierungshelfer zu positionieren, scheint aufzugehen. Und der größte Aufreger des Jahres 2015 – McDermotts gefährlicher Unfall, bei dem er ein Auge verlor –, ist nur noch eine Randnotiz. Die Aktionäre loben die Arbeit, für Streit sorgen nur zwei ewige Konfliktthemen: die Vorstandsvergütung und die Einlasskontrollen.

SAP ist groß und bekannt geworden mit mächtigen Programmpaketen, mit denen Unternehmen die Abläufe zwischen Fabrik und Chefbüro steuern können. In Zukunft will der Softwarekonzern jedoch mehr sein als ein Helfer im Hintergrund. „Die digitale Wirtschaft ändert sich schnell – dies betrifft nicht nur Technologieunternehmen wie die SAP, sondern alle Unternehmen in jeder Branche“, sagte McDermott. „SAP versorgt jeden Kunden auf seiner Reise in die digitale Zukunft mit einem vollständigen Angebot an technischen Innovationen.“

Die großen Zukäufe von SAP

Regelmäßige Zukäufe

SAP hat das Geschäft in den vergangenen Jahren mit etlichen Übernahmen gestärkt, vor allem die Cloud-Angebote. Dabei standen Unternehmen aus den USA besonders im Fokus.

Business Objects

2008 übernahm SAP mit Business Objects einen der führenden Anbieter für Business-Intelligence-Lösungen, die Unternehmenslenkern mithilfe von Datenanalysen bessere Entscheidungen ermöglichen sollen. Kaufpreis: 4,8 Milliarden Euro.

Sybase

Auf mobile Datendienste ist Sybase spezialisiert. 2010 kaufte SAP den vorherigen Partner aus Kalifornien für umgerechnet 4,6 Milliarden Euro. Mit dem Zukauf brachte der Konzern gleichzeitig sein Datenbankgeschäft voran.

Success Factors

Software fürs Personalmanagement kaufte SAP 2012 über die US-Firma Success Factors zu. Ihre Systeme reichen von der Kandidatensuche bis zur Nachfolgeplanung, bereitgestellt über die Cloud. Kaufpreis: umgerechnet 3,4 Milliarden Euro.

Ariba

2012 stemmte SAP einen weiteren großen Zukauf: Der Softwarekonzern übernahm die US-Firma Ariba. Diese betreibt eine Plattform für die betriebliche Beschaffung, die in der Cloud läuft. Kaufpreis: umgerechnet etwa 3,3 Milliarden Euro.

Hybris

Das Geschäft mit Handelsunternehmen stärkte SAP 2013 mit der Übernahme von Hybris. Das in der Schweiz gegründete Unternehmen bietet unter anderem Lösungen für den Multi-Channel-Vertrieb, also den Verkauf über alle Kanäle. Preis: eine Milliarde Euro.

Fieldglass

Zur Cloud-Strategie passt auch die Übernahme von Fieldglass. Der US-Anbieter hat eine Plattform für die Personalverwaltung entwickelt, vor allem für den Einsatz von externen Kräften wie Leiharbeiten. Den Kaufpreis veröffentlichten die Unternehmen nicht.

Concur

Die größte Übernahme der Firmengeschichte stemmte SAP ebenfalls 2014: Für den amerikanischen Reisekostenspezialisten Concur zahlte der deutsche Konzern umgerechnet 6,2 Milliarden Euro. Zusammen mit Fieldglass und Ariba bildet Concur die Geschäftsnetzwerke.

Wofür die neue SAP stehen soll, zeigen eingespielte Filme. Der Discounter Lidl nutzt beispielsweise die schnelle SAP-Datenbank Hana, um die internen Prozesse zu optimieren. Schon geringe prozentuale Verbesserungen sind für die Sparfüchse aus Neckarsulm viel wert. Die neue Technik ermögliche es, Bestand und Umsatz fast in Echtzeit auszuwerten, lässt das Unternehmen die SAP-Aktionäre wissen. Ein enormer Vorteil für die Handelskette. Als Kronzeugen benennt McDermott auch die Trucksparte von Daimler und den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Botschaft: SAP mischt überall mit.

Die Neuausrichtung in den vergangenen Jahren war allerdings teuer, nicht nur wegen diverser Übernahmen. SAP investierte in Rechenzentren, um sich fürs Cloud-Geschäft zu rüsten, und legte ein Abfindungsprogramm auf, um nicht mehr benötigte Stellen im alten Geschäftsbereichen zu streichen. Daher hören die Aktionäre gern, dass McDermott die Kosten senken will. „Wir arbeiten an der Erhöhung unseres Betriebsergebnisses, indem wir die Abläufe in unserem Cloud- und Kerngeschäft effektiver gestalten“, kündigte er an. So sollen die Zukäufe besser in die Strukturen eingebunden werden. Das Abfindungsprogramm habe zudem die Basis für zukünftige Verbesserungen geschaffen.

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Trotz der Einsparungen: Das Cloud Computing belastet die Profitabilität. Zum einen muss der Konzern erst investieren, etwa in Rechenzentren – je mehr Kunden er gewinnt, desto mehr rentiert sich das. Zum anderen verbucht er die Umsätze nicht auf einen Schlag wie beim Verkauf von Lizenzen, sondern für die Nutzung über einen längeren Zeitraum. Die operative Marge lag 2015 bei 20,5 Prozent und damit deutlich niedriger als in den Vorjahren.

In Anspielung auf die Cloud – deutsch: Wolke – sagte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger (VIP): „Wann kommt denn endlich der Regen des guten Ergebnisses?“ Eine Frage, die andere Anleger ähnlich formulierten. Finanzchef Luka Mucic verwies auf die mittelfristige Planung: 2018 wird demnach das Cloud Computing erstmals mehr Umsatz einbringen als das Lizenzgeschäft und dann auch „überproportional zum Betriebsergebnis beitragen“.

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