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14.09.2016

18:20 Uhr

SAP investiert in Start-ups

Eine Milliarde für das nächste große Ding

VonChristof Kerkmann

Welche Start-ups krempeln die Technologiewelt um? SAP beteiligt sich an der Suche: Der Konzern gibt dem Risikokapitalgeber Sapphire Ventures eine weitere Milliarde Dollar – und hofft auf fette Rendite. Auch hierzulande.

Risikokapital wie Sapphire Ventures suchen nach vielversprechenden Start-ups. dpa

Arbeit im Start-up (Symbolbild)

Risikokapital wie Sapphire Ventures suchen nach vielversprechenden Start-ups.

DüsseldorfDas Geschäft mit dem Cloud Computing hat für Google hohe Priorität. Da sind 625 Millionen Dollar für ein junges und unprofitables Unternehmen nicht zu viel: Der Internetgigant hat in der vergangenen Woche angekündigt, die Firma Apigee zu übernehmen. Diese entwickelt Programmierschnittstellen, beispielsweise für Cloud-Dienste – eine wichtige Aufgabe ist der hochvernetzten Welt.

Die Nachricht aus Kalifornien dürfte auch in Baden für einige Aufmerksamkeit gesorgt haben. SAP hat Apigee über den Risikokapitalgeber Sapphire Ventures dabei geholfen, schnell groß zu werden. Der Softwarekonzern aus Walldorf erhält damit die Bestätigung, dass sich die Investitionen in Start-ups auszahlen können.

An diesen Erfolg will SAP nun anknüpfen: „Auf der Basis des finanziellen Erfolgs von Sapphire Ventures haben wir entschieden, unser Investment von 1,4 auf 2,4 Milliarden Dollar aufzustocken“, erklärte SAP-Finanzchef Luka Mucic am Mittwoch gegenüber dem Handelsblatt.

Es ist eine beträchtliche Feuerkraft, mit der die Investoren auf die Jagd gehen können. Nur wenige Fonds sammeln höhere Beträge ein, im Jahr 2015 waren es in den USA insgesamt 245 Milliarden Dollar. Sapphire Ventures zählt damit zu den großen Namen. Damit geht eine ungewöhnliche Partnerschaft weiter, in der beide die Unabhängigkeit betonen, aber gleichzeitig die Verbindung nutzen.

Zahlen und Fakten zu Sapphire Ventures

Gründung unter SAP-Ägide

Der deutsche Softwarekonzern gründete die Firma 2011, damals unter dem Namen SAP Ventures. Ziel war es, attraktive Start-ups zu fördern. <o:p></o:p>

Unabhängigkeit...

2011 entließ SAP den Investor in die Unabhängigkeit – und das zu dokumentieren, erfolgte später die Umbenennung in Sapphire Ventures. Start-ups sollen von der Konzernnähe nicht abgeschreckt werden.

... und Nähe zugleich

Allerdings soll die Nähe zu SAP durchaus von Nutzen sein. Wenn der Softwareriese in ein Unternehmen investiert, ist das ein Gütesiegel. Und die große Kundschaft ist eine attraktive Zielgruppe.

Kapital vom Konzern

Das Kapital stammt bislang ausschließlich von SAP. Über Beteiligungen anderer Investoren hat Sapphire Ventures nachgedacht, sie sind für die Zukunft auch nicht ausgeschlossen.

Beteiligung über Fonds

An kleinen Unternehmen beteiligt sich Sapphire Ventures in der Regel über Fonds, die Start-ups auswählen und finanzieren.

Direkte Investments

Einen Teil des Geldes investiert Sapphire Ventures direkt in Unternehmen. Ein Beispiel dafür ist der Fitness-Tracker-Hersteller Fitbit, der inzwischen an der Börse ist.

Kein Konkurrenzverbot

Beim sogenannten Exit – also dem Verkauf oder Börsengang – ist Sapphire Ventures unabhängig. Die Investmentgesellschaft darf somit auch Firmen an SAP-Konkurrenten wie Oracle verkaufen.

138 Firmen, 1,4 Milliarden Dollar

Seit der Gründung als SAP Ventures hat die Firma sich an 138 Start-ups beteiligt, davon 45 seit der Unabhängigkeit 2011. Das verwaltete Kapital beträgt im Sommer 2016 rund 1,4 Milliarden Dollar, nun soll eine weitere Milliarde hinzukommen.

SAP gründete die Firma 1996 unter dem Namen SAP Ventures, um in junge Firmen zu investieren. 2011 gab der Konzern die Hoheit ab, blieb aber der einzige Geldgeber – bis heute. Diese Nähe reflektiert der Name Sapphire Ventures, der an die gleichnamige Kundenkonferenz des Softwareriesen erinnert. „Wir entscheiden komplett unabhängig (über Investments), aber wir fokussieren uns größtenteils auf Firmensoftware, die für SAP und SAP-Kunden wichtig werden könnte“, sagte Firmenchef Nino Marakovic dem Handelsblatt. Coud Computing und Industrie 4.0 sind wichtige Themen, aber auch Künstliche Intelligenz und das Gesundheitswesen.

Marakovic ist Chef von Sapphire Ventures. Sapphire Ventures

Nino Marakovic

Marakovic ist Chef von Sapphire Ventures.

Nähe und Distanz zugleich – so klingt es auch bei SAP-Finanzchef Luka Mucic. „Strategische Überlegungen bezüglich des SAP-Portfolios spielen eine untergeordnete Rolle“, sagt er zwar. „Mit einigen der Unternehmen haben wir gleichwohl erfolgreiche Technologiepartnerschaften etabliert und öffnen ihnen Zugänge zu unserem Partnernetzwerk und unserer Kundenbasis.“ Es geht also nicht allein um das Finanzielle, zumal das Kapital fest gebunden ist.

Tatsächlich geht die Partnerschaft über das Finanzielle hinaus. Start-ups sollen sich zwar nicht als Übernahmeziele fühlen. Aber: Die Investition des Konzerns gilt als Gütesiegel, die große Kundschaft von weltweit mehr als 300.000 Unternehmen als attraktive Zielgruppe. Und wer sich für SAP-Technologien interessiert, wird den zuständigen Leuten im Konzern vorgestellt. „Eines unserer Alleinstellungsmerkmale für Unternehmer ist unsere Beziehung zu SAP“, sagte Marakovic.

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