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29.03.2016

13:27 Uhr

SAP legt Jahresbericht vor

Motivierte Mitarbeiter, mehr Gewinn?

VonChristof Kerkmann

Liebe Chefs, behandeln Sie Ihre Mitarbeiter gut – es könnte sich lohnen. Der integrierte Jahresbericht von SAP zeigt, dass weiche Faktoren wie Engagement das Ergebnis verbessern. Die Berechnung ist allerdings schwierig.

Vorstandschef McDermott lässt seine Mitarbeiter bei SAP einen integrierten Jahresbericht anfertigen. Der Softwarekonzern gilt mit damit als Vorreiter.

SAP

Vorstandschef McDermott lässt seine Mitarbeiter bei SAP einen integrierten Jahresbericht anfertigen. Der Softwarekonzern gilt mit damit als Vorreiter.

FrankfurtZufriedene Mitarbeiter sind viel wert – womöglich Millionen von Euro. Das gilt zumindest für einen internationalen Konzern wie SAP: Der Softwarehersteller hat heute seinen integrierten Jahresbericht vorgelegt, der neben Umsatz, Gewinn und Forschungsausgaben auch gesundheitliche Faktoren, das Mitarbeiterengagement und die CO2-Einsparungen auflistet. „Die positive Entwicklung dieser Faktoren hat unser Ergebnis verbessert“, sagt Peter Rasper, kaufmännischer Leiter der SAP. „Kalkulatorisch liegt der Effekt bei rund 200 Millionen Euro.“

Mit dem integrierten Jahresbericht gilt SAP als Vorreiter. Der Softwarekonzern setze nicht nur in Deutschland Maßstäbe, sagt Barbara E. Weißenberger, Professorin für Accounting an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Informationen über Mitarbeiterzufriedenheit und andere Faktoren gelten in Fachkreisen inzwischen als wichtige Faktoren, um eine Firma zu beurteilen. Die konkreten Zahlen, die SAP ausweist, sieht Weißenberger indes skeptisch: „Ein statistisch harter Nachweis ist schwer zu führen.“

Integrierte Jahresberichte sind nicht verpflichtend, und die Passagen zur Mitarbeiterzufriedenheit und Umwelt überblättern viele Leser. Die Vergütung der Vorstände, die bei SAP im vergangenen Jahr zugelegt hat, interessiert meist mehr; Umsatz, Gewinn und Dividende sind ohnehin die wichtigsten Kriterien für die Beurteilung, sie können einen Aktienkurs unmittelbar bewegen.

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So kündigt der SAP-Konzern an, seine Aktionäre an der guten Geschäftsentwicklung zu beteiligen. Die Dividende für 2015 solle um fünf Cent auf 1,15 Euro steigen. Insgesamt würden damit etwa 1,4 Milliarden Euro an die Teilhaber ausgeschüttet. Dank eines Rekord-Betriebsgewinns von 5,9 Milliarden Euro im vorigen Jahr kann sich der Konzern diese Zahlung leisten. Schub erhielten die Verkäufe unter anderem durch die schneller als geplante Umstellung auf das Cloud-Geschäft. Davon profitiert auch die Vorstandsriege: Die Verträge von Konzernchef Bill McDermott und weiteren Führungskräften waren vorige Woche vorzeitig verlängert worden.

McDermott erhielt für das vergangene Jahr bekommt der Vorstandschef von Europas größtem Softwarekonzern 9,3 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 8,1 Millionen Euro. McDermott sieht Teile des Geldes also erst später. Sein Grundgehalt von 1,15 Millionen Euro ist 2015 gleich geblieben.

Trotzdem kann sich der Aufwand, Kapitel zu weichen Faktoren im Geschäftsbericht zu erstellen, für Unternehmen lohnen. „Die integrierte Berichterstattung bedient den Wunsch der Anleger nach nicht-finanziellen Informationen“, erklärt Weißenberger. Gelingt es der Firma, Talente anzulocken? Besteht genug Freiraum für neue Ideen? Und wie stark ist die Marke? All das sei für die Zukunft der Firma wichtig.

SAP legt seit inzwischen vier Jahren integrierte Berichte vor. Dafür ermittelt das Unternehmen eine Reihe von Indikatoren. So befragt der Konzern, wie sehr Mitarbeiter ihren Vorgesetzten vertrauen („leadership trust“). Dieser Wert ist von 46,8 auf 52,3 Prozent gestiegen, angesichts einer Bewertungsskala von minus 100 bis plus 100 liegen die SAP-Führungskräfte also im positiven Bereich.

Große SAP-Übernahmen

2007 - Business Objects

2007 übernehmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet - und ist inzwischen Marktführer.

2010 - Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

2012 - Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software - zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

2012 - Successfactors

2012 geht SAP die Übernahme von Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt

2014 - Concur

Im September 2014 kauft SAP das Unternehmen Concur, um sein wachsendes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Concur ist ein US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung. Der Preis von umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro bedeutet: Es ist die teuerste Übernahme in der Geschichte SAPs.

Der Index für die Gesundheitskultur (Business Health Culture Index, BHCI) ermittelt, inwiefern die Mitarbeiter ihren Job bei bester Gesundheit erledigen können. Wie groß ist der Stress? Lassen sich Beruf und Familie in Einklang bringen? Gibt es Lob für die Arbeit? Sind Mitarbeiter in Entscheidungen einbezogen, die sie betreffen? Dieser Wert ist um drei Punkte auf 75 Prozent gestiegen.

Auch für die Frauenförderung gibt es eine Kennzahl: Bis 2017 solle jede vierte Position im Management mit einer Frau besetzt sein. 2015 stieg die Quote auf 23,6 Prozent (2014: 21,3 Prozent) – das Ziel scheint also erreichbar. Und dann ist da noch der Energieverbrauch. 2015 sank er auf 455 Kilotonnen CO2 (2014: 500), den Wert von 2010. SAP führt das auf weniger Geschäftsflüge und die Kompensation mit CO2-Zertifikaten zurück. „Unsere Cloud ist schon zu 100 Prozent grün“, sagt Rasper.

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